Unwetter-Freitag! 100 Liter Regen, Hagel wie Golfbälle – „Es geht nicht leise zu Ende"

Der Sommer kippt – und er kippt krachend. Schwere Gewitter, Orkanböen bis 120 km/h, volllaufende Keller. Wo es heute richtig gefährlich wird.

Wer heute Morgen aus dem Fenster geschaut hat, dachte vielleicht: alles halb so wild. Sonne, ein paar Wolken, dazu diese klebrige Schwüle, die einem schon beim Brötchenholen das Hemd an den Rücken pappt. Genau das ist das Problem. Diese Schwüle ist der Treibstoff.

Über Deutschland liegt eine Luftmasse, die vor Energie förmlich platzt – und die Luftdruckgegensätze sind so schwach, dass nichts sie ordentlich wegräumt. Über der Mitte des Landes hat sich ein Gewittertief gebildet, das sich träge nach Osten schiebt.

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Und träge ist hier das Schlüsselwort. Denn wenn Gewitter kaum vom Fleck kommen, dann regnen sie sich nicht im Vorbeiziehen aus – sie stehen und schütten. Über derselben Straße. Über derselben Kellertreppe. Stundenlang.

Bis zu 100 Liter – und dann steht der Keller

Die Zahl, die heute wirklich zählt, ist nicht die Temperatur. Es sind die Liter. Gebietsweise fallen 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter in kürzester Zeit – das allein reicht schon für ein handfestes Unwetter. Örtlich sind aber sogar Mengen um 50 bis 100 Liter drin, mitsamt Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern.

Noch heimtückischer: Es bleibt oft nicht bei einer Zelle. Zieht ein zweites Gewitter über dasselbe Gebiet, addieren sich die Mengen einfach. Aus 30 werden 60. Aus einer Pfütze wird ein Bach, der sich seinen Weg durch die Kellertür sucht. Wer heute im Keller Kartons auf dem Boden stehen hat, sollte sie jetzt hochstellen. Nicht heute Abend. Jetzt.

Im Süden fliegt der Hagel – bis fünf Zentimeter

Der Süden bekommt die brutalste Variante ab. Am Nachmittag drohen in Baden-Württemberg und Bayern Hagelkörner von zwei bis fünf Zentimetern – das ist Golfballgröße. Dazu schwere Sturm- bis Orkanböen mit 90 bis 120 Kilometern pro Stunde.

Was das anrichtet, weiß jeder, der schon mal so eine Zelle erlebt hat: zerbeulte Autodächer, zerschlagene Dachziegel, geknickte Bäume, Maisfelder, die aussehen wie umgepflügt. Und das alles in zehn, fünfzehn Minuten. Wer sein Auto unter freiem Himmel stehen hat, parkt es besser in die Garage – solange die Sonne noch scheint.

Norden und Osten: Unterschätzt euch nicht!

Ein Irrtum, der sich hartnäckig hält: Unwetter sind was für den Süden. Falsch. Auch im Norden und Osten ist extremer Starkregen nicht ausgeschlossen. In Schleswig-Holstein und Hamburg ziehen vor allem nach Osten hin kräftige Gewitter durch, mit bis zu 40 Litern, Hagel und schweren Sturmböen um 100 km/h.

Wie entstehen Sturzfluten?
Sturzfluten entstehen, wenn ein ortsfestes Gewitter in kurzer Zeit 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter auf einen kleinen Fleck kippt. Der Boden – hart gebacken, gesättigt oder versiegelt – nimmt nichts mehr auf, das Wasser läuft oberflächlich ab. In Hanglagen und engen Tälern sammelt es sich binnen Minuten zur reißenden Welle.

Ähnlich in Berlin und Brandenburg: Von Südwesten schieben sich im Tagesverlauf teils schwere Gewitter heran, lokal eng begrenzt mit rund 35 Litern. Nur der äußerste Nordwesten und der Niederrhein dürften weitgehend ungeschoren davonkommen. Sonst ist heute niemand sicher.

Der Fahrplan: Ab Mittag wird's ernst

Vormittags täuscht die Ruhe. Ein paar Reste vom Morgen, dann Sonne – und die heizt kräftig nach. Ab den Nachmittagsstunden geht es dann in weiten Landesteilen los, verbreitet und teils schwer.

Am Abend schieben sich die Zellen weiter nach Osten und Südosten, in der Nacht zum Samstag beruhigt sich die Lage allgemein. Dann frischt an der Nordsee der Wind auf, steife Böen bis 60 km/h. Der Nordwestwind räumt auf.

Danach ist Schluss mit Schwüle

Und dann? Dann ist der Spuk vorbei – gründlich. Kühlere Nordseeluft flutet Deutschland, die drückende Schwüle wird nach Südosten abgedrängt. Am Wochenende reichen die Höchstwerte nur noch für 19 bis 23 Grad, am Oberrhein bis 25. Angenehmes Sommerwetter, viel Sonne, kaum Regen. Nur die Hitze im Oberrheingraben hält sich heute noch ein letztes Mal.

Man könnte sagen: Der Hochsommer verabschiedet sich – aber er knallt vorher noch mal die Tür zu. Und zwar so, dass es das ganze Land hört.