Meteorologe Habermehl warnt: „Kein Kanalnetz der Welt schafft das" – Unwetter-Freitag naht

Heftigste Unwetterlage des Jahres! Am Freitag stehen Gewitterzellen still und schütten sich leer. Sturzfluten, Orkanböen, riesige Hagelkörner. Wo es am schlimmsten kracht.
Der Freitag hat es in sich. Über Deutschland bildet sich ein Gewittertief, das sich quälend langsam ostwärts schiebt – und genau das ist das Problem. Denn die Luftdruckgegensätze sind schwach, die Höhenströmung fast eingeschlafen. Was einmal steht, das bleibt auch stehen. „Kein Kanalnetz der Welt schafft das", warnt der Meteorologe.
In der schwül-warmen Luftmasse steckt jede Menge Energie. Schon in der Nacht zum Freitag ziehen im Süden die letzten Gewitter unter Abschwächung ostwärts ab, örtlich sind da noch 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit drin, dazu Hagel um drei Zentimeter und Böen bis 120 km/h. Das ist aber nur das Vorspiel.
Stationäre Gewitter – die gefährlichste Zutat
Normalerweise zieht ein Gewitter durch, es regnet 20 Minuten heftig, dann ist der Spuk vorbei. Am Freitag fehlt genau dieser Wind in der Höhe, der die Zellen weiterschiebt. Die Gewitter schlafen quasi ein und stehen stundenlang über derselben Ortschaft.

Und dann summiert sich das Ganze. Aus 30 Litern werden 60, aus 60 werden lokal bis zu 100 Liter – Regenmengen, die sonst in sechs Wochen fallen, kommen in zwei Stunden runter. Da kapituliert jede Kanalisation.
Ab dem Nachmittag geht es los
Bis auf Teile des Nordwestens und Westens erwischt es weite Landesteile. Vor allem ab den Nachmittagsstunden entwickeln sich kräftige, teils schwere Gewitter, die sich aus der aufgeheizten Grundschicht bedienen.
Verbreitet muss mit Unwettern von 25 bis 40 Litern in kurzer Zeit gerechnet werden, örtlich sind extreme Unwetter mit Mengen um 50 Liter drin – dort, wo mehrere Zellen hintereinander über dieselbe Stelle ziehen, auch deutlich mehr. Überschwemmungen und vollgelaufene Keller sind dann keine Frage des Ob, sondern des Wo.
Im Süden fliegt der Hagel
Der Süden bekommt am Nachmittag noch eine Extraportion. Dort ist die Luftmasse am labilsten, dort steht die meiste Energie zur Verfügung – und dort können Superzellen entstehen.
Die Folge: großer Hagel von zwei bis fünf Zentimetern, dazu schwere Sturm- bis Orkanböen von 90 bis 120 km/h. Solche Hagelkörner zerlegen Autodächer, Wintergärten und ganze Obstplantagen innerhalb von Minuten. Wer draußen ist, sollte sofort ein festes Gebäude aufsuchen.
Sturzfluten – unterschätzte Lebensgefahr
Das Tückische an dieser Lage: Man sieht sie oft nicht kommen. Die Sonne scheint, es ist schwül, und dann steht plötzlich eine schwarze Wand am Himmel. Zwanzig Minuten später schwimmt die Straße.

Besonders heikel wird es in Hanglagen, engen Tälern und an kleinen Bächen. Dort schießt das Wasser zusammen, aus einem harmlosen Rinnsal wird ein reißender Strom. Unterführungen und Tiefgaragen sind dann echte Todesfallen – niemals hineinfahren, wenn die Wassertiefe unklar ist.
Am Wochenende kommt die Erlösung
In der Nacht auf Samstag beruhigt sich das Wetter allgemein, nur im Süden zucken noch vereinzelte Blitze. Der Spuk ist dann weitgehend vorbei.
Von Nordwesten schiebt sich zum Wochenende kühlere Nordseeluft heran und räumt die schwüle Suppe endlich weg. Danach wird es angenehmer, frischer, atmungsfreundlicher. Aber erst muss der Freitag überstanden werden – und der hat das Zeug zur heftigsten Unwetterlage des bisherigen Jahres.