Tornado-Chaos in Deutschland: „So etwas sieht man selten" – Wirbelsturm zerlegt Häuser, jetzt droht der nächste

Ein Wirbelsturm reißt Wände aus Häusern, ganze Dachstühle fliegen weg, eine Frau stirbt. Und jetzt die bange Frage: Wo schlägt der nächste Tornado zu?

Es dauerte nur wenige Minuten – dann war das Grauen da. Am Mittwochabend raste eine brutale Gewitterfront über Teile Deutschlands und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Besonders böse erwischte es den Westerwald: Rund um Höhr-Grenzhausen berichteten fassungslose Augenzeugen von einem tornadoartigen Wirbel, der Wände aus Häusern riss und schwere Fassadenteile durch die Luft schleuderte.

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Doch das war längst nicht alles: Im hessischen Solms hob der Sturm komplette Dachstühle an, mehrere Häuser sind seitdem unbewohnbar. Im rheinland-pfälzischen Waldorf starb eine 58-Jährige, als ein Baum auf sie krachte. Am Ende: über 100 Einsätze, entwurzelte Bäume, kilometerweite Stromausfälle.

Wie kann so ein Monster überhaupt entstehen?

Ein Tornado ist ein rotierender Luftschlauch, der aus einer Gewitterwolke bis zum Boden reicht – und er braucht die perfekte Mischung. Am Boden lauert warme, feuchte Luft, in der Höhe sitzt kältere Luft, und dazwischen drehen Winde, die mit der Höhe schneller werden und die Richtung wechseln. Diese Windscherung bringt die Masse ins Rotieren.

In den kommenden Stunden drohen weitere schwere Gewitter und Unwetter. Auch Tornados sind wieder möglich.
In den kommenden Stunden drohen weitere schwere Gewitter und Unwetter. Auch Tornados sind wieder möglich.

Kippt der Wirbel in die Senkrechte und bekommt Bodenkontakt, ist der Tornado geboren. Das Ganze passiert oft in Minuten und auf engstem Raum. Genau das macht ihn so heimtückisch: Wo er zuschlägt, bleibt fast nichts stehen – und 100 Meter weiter herrscht plötzlich Stille.

Windhose oder Tornado – was war das wirklich?

Nach solchen Bildern fragen viele: War das ein Tornado oder „nur" eine Windhose? Die verblüffende Antwort: Das ist exakt dasselbe. „Windhose" ist im Deutschen einfach das ältere Wort für einen Tornado – ein Wirbel mit Bodenkontakt. Einen Unterschied gibt es nicht.

Verwechselt wird er dagegen gern mit der Fallböe, bei der die Luft geradlinig nach unten und dann zur Seite schießt. Auch die richtet übel Schaden an – aber eben ohne Rotation. Ob im Westerwald tatsächlich ein Tornado wütete, entscheidet am Ende das typische Schadensbild.

Ist Deutschland heimlich ein Tornado-Land?

Die meisten denken bei Tornados sofort an die USA, an „Tornado Alley" und fliegende Dächer im Fernsehen. Doch weit gefehlt – auch bei uns drehen die Wirbel! Die Fachleute zählen im Schnitt rund 50 bestätigte Tornados pro Jahr in Deutschland, in manchen Jahren sind es bis zu 60.

Am Donnerstagnachmittag drohen in Süddeutschland weitere schwere Gewitter und auch Unwetter!
Am Donnerstagnachmittag drohen in Süddeutschland weitere schwere Gewitter und auch Unwetter!

Die Zahl schwankt stark, je nach Sommerwetter. Etwa fünf davon sind richtig kräftig, Hauptsaison ist von Mai bis September – also genau jetzt. Viele schwache Wirbel bleiben sogar völlig unbemerkt, weil sie über freies Feld oder Wald ziehen.

Warum wir heute mehr Tornados „sehen"

Sind es also immer mehr geworden? Überraschung: Nein! Anders als viele glauben, sehen die Experten bislang keinen Trend – weder mehr noch stärkere Tornados durch den Klimawandel. Der Grund für die vielen Meldungen ist ein anderer.

Heute hat fast jeder ein Smartphone in der Tasche, jeder Wirbel landet in Sekunden in den sozialen Netzwerken. Früher zog so mancher Tornado unbemerkt übers Land – und keiner bekam es mit. Der bislang stärkste dokumentierte deutsche Fall fegte übrigens schon 1968 über Pforzheim.

Wo schlägt der nächste Twister zu?

Und jetzt wird es richtig ungemütlich: Eine Luftmassengrenze teilt Deutschland – im Süden brodelt schwül-heiße Subtropikluft, der ideale Treibstoff für schwere Gewitter. Heute und am Freitag rückt der Schwerpunkt nach Bayern und Baden-Württemberg, vor allem südlich der Donau und an der Schwäbischen Alb.

Dort drohen sintflutartiger Regen, dicker Hagel und Sturmböen bis 100 km/h. Und bei besonders explosiven Zellen sind auch einzelne Tornados nicht ausgeschlossen. Wer im Süden lebt, sollte die Unwetterwarnungen heute und morgen unbedingt im Blick behalten – diese Wetterlage meint es bitterernst!