September-Prognose ist da – und sie ist ein Schock: "Oh Gott, der arme Rhein"

Alle starren auf die September-Prognose. Rekord-Niedrigwasser, Dürre, stehende Schiffe – und die neuen Karten machen null Hoffnung. Was jetzt auf Rhein, Landwirtschaft und Wirtschaft zurollt, ist heftig.

Der Rhein ist an manchen Stellen kaum mehr als ein Rinnsal. An der berüchtigten Engstelle bei Kaub, wo sonst schwer beladene Frachter passieren, stehen nur noch gut zwei Handbreit Wasser – ein Rekordtief, wie es die Region seit Beginn der Messungen nicht gesehen hat.

Sei einer der Ersten, der die neuesten Wetter-Updates erhält, indem Du unserem neuen WhatsApp-Kanal beitrittst. Folge uns und schalte die Benachrichtigungen ein.

Und es geht noch weiter runter: Fachleute rechnen zum Wochenende mit Werten, die selbst den bisherigen Negativrekord pulverisieren. In Köln wurde bereits der niedrigste Pegel aller Zeiten registriert. Ganz Deutschland fragt sich deshalb nur noch eins: Wie wird der September?

„Kein Tropfen Entwarnung" – das zeigen die neuen Karten

Wer auf Rettung gehofft hat, muss jetzt tapfer sein. Die aktuellen Modelle malen den September in warmen Farben – und zwar im wörtlichen Sinn. Für Mitteleuropa und ganz Deutschland zeichnen sich Temperaturen ein bis zwei Grad über dem Normalwert ab.

Noch bitterer ist der Blick auf den Regen: Gerade über der Mitte und dem Norden bleibt es voraussichtlich zu trocken. Statt der ersehnten Herbstfronten, die die Flüsse wieder auffüllen, deutet vieles auf eine Fortsetzung der Dürre hin. Für den Rhein wäre das ein Albtraum in Zeitlupe.

Der Rhein – Deutschlands teuerstes Nadelöhr

Man muss sich klarmachen, was da auf dem Spiel steht. Rund 80 Prozent des deutschen Binnenschiffsverkehrs laufen über den Rhein. Getreide, Kohle, Erze, Chemie, Mineralöl – alles schwimmt hier gen Nord- und Süddeutschland.

Deutlich zu trocken! Das ist die aktuelle Prognose der US-Wetterbehörde NOAA für den September in Mitteleuropa und Deutschland. Wirklich üble Aussichten.
Deutlich zu trocken! Das ist die aktuelle Prognose der US-Wetterbehörde NOAA für den September in Mitteleuropa und Deutschland. Wirklich üble Aussichten.

Bei diesen Pegeln aber dürfen die Schiffe kaum noch beladen werden, sonst setzen sie auf. Die Folge: Ein einziges Schiff transportiert nur noch einen Bruchteil seiner Ladung, es braucht plötzlich drei Frachter, wo sonst einer reicht. Die Kosten explodieren, Lieferketten stocken.

So teuer wird uns die Dürre wirklich

Kann man den Schaden beziffern? Grob ja. Im Dürrejahr 2018 kostete das Niedrigwasser die deutsche Wirtschaft rund 0,4 Prozent Wirtschaftsleistung – das entsprach damals einem Minus von etwa fünf Milliarden Euro.

Diesmal warnen Ökonomen bereits jetzt vor einem Wertschöpfungsausfall von ein bis zwei Milliarden Euro allein im dritten Quartal. Trifft die September-Prognose ein und die Trockenheit hält an, dürfte die Rechnung noch deutlich länger werden – ausgerechnet für eine Industrie, die ohnehin schon am Boden liegt.

Landwirtschaft und Natur am Limit

Doch es geht längst nicht nur ums Geld. Auf den Feldern klaffen tiefe Risse, viele Böden sind bis in die Tiefe ausgetrocknet. Landwirte bangen um Kartoffeln, Mais und die zweite Grasernte, das Vieh braucht Wasser, das schlicht fehlt.

Auch das europäische Wettermodell ECMWF sieht in seiner neusten Prognose keine Hinweise auf Entspannung der Dürrelage. Wenig Regen, regional sogar deutlich zu trocken.
Auch das europäische Wettermodell ECMWF sieht in seiner neusten Prognose keine Hinweise auf Entspannung der Dürrelage. Wenig Regen, regional sogar deutlich zu trocken.

Auch die Natur ächzt: Kleine Bäche fallen trocken, Fische ersticken im aufgeheizten Restwasser, Auwälder verdorren. Ein warmer, trockener September würde diese Wunden nicht heilen – er würde sie weiter aufreißen.

Bleibt die große Frage: Kommt der Regen doch noch?

Ehrlich gesagt: Eine Monatsprognose ist kein in Stein gemeißeltes Schicksal. Sie zeigt einen Trend, keine Garantie. Ein einziges kräftiges Tiefdruckgebiet über mehrere Tage könnte die Lage spürbar entspannen – theoretisch.

Der September 2026 soll außerdem bis zu 2 Grad über dem neuen Klimamittel 1991 bis 2020 landen. Der Sommer geht wahrscheinlich in die Verlängerung.
Der September 2026 soll außerdem bis zu 2 Grad über dem neuen Klimamittel 1991 bis 2020 landen. Der Sommer geht wahrscheinlich in die Verlängerung.

Nur zeichnet sich genau das im Moment eben nicht ab. Und deshalb müssen wir uns wohl auf einen September einstellen, der die Dürre-Krise verschärft, statt sie zu beenden. Der Rhein braucht jetzt jeden Tropfen – und der Himmel scheint gerade taub zu sein.