Schönwetter wird zum Horrorwetter im Saarland: Schon wieder Tropennacht, heute 30 Grad und im September nur 1 l/m² Regen
Der September endet im Saarland mit einer weiteren Tropennacht, bis zu 30 Grad und extremer Trockenheit. Nun kommen erste Schauer und eine Kaltfront – doch wie viel Wasser erreicht die ausgedörrten Böden?

Der September verabschiedet sich im Saarland so außergewöhnlich, wie er über weite Strecken verlaufen ist. In der Nacht zum Mittwoch sank die Temperatur erneut nicht unter 20 Grad. Damit wurde das meteorologische Kriterium einer Tropennacht erfüllt – ausgerechnet unmittelbar vor dem Oktober.
Auch tagsüber erinnert wenig an den Herbst. Eine südliche Strömung führt weiterhin extrem warme Luft heran. Bei längerem Sonnenschein kann das Thermometer am Mittwoch bis in die Nähe von 30 Grad steigen. Der letzte Septembertag liefert damit noch einmal einen ausgewachsenen Hochsommertag.
Erste Wolken kündigen den Wetterwechsel an
Das gleißende Sonnenlicht bekommt im Tagesverlauf zunehmend Konkurrenz. Von Westen ziehen zunächst hohe und mittelhohe Wolken auf. Sie gehören zu einem bevorstehenden Wetterwechsel und können die Sonne zeitweise verdecken.
Später rückt eine Konvergenzlinie näher. Entlang dieser schmalen Zone treffen unterschiedliche Luftströmungen aufeinander. Die Luft wird nach oben gedrückt, die Wolken wachsen stärker in die Höhe und örtlich entstehen Schauer. Vereinzelt ist auch ein kurzes Gewitter nicht auszuschließen.
Diese Niederschläge sind jedoch sehr ungleich verteilt. Ein Ort kann einen kräftigen Guss abbekommen, während es wenige Kilometer weiter vollständig trocken bleibt. Die Konvergenzlinie bringt deshalb noch keinen verlässlichen Flächenregen.
Im September fiel gerade einmal 1 Liter
Dabei wird jeder Tropfen dringend gebraucht. Im bisherigen September kam im Flächenmittel des Saarlandes lediglich rund 1,3 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. Im langjährigen Durchschnitt wären in einem September ungefähr 70 Liter zu erwarten.
Das Defizit ist enorm. Sonnenschein und Wärme mögen angenehm wirken, für Wälder, Landwirtschaft, Gärten und kleinere Gewässer ist die wochenlange Trockenheit längst zu einer erheblichen Belastung geworden.
Die Trockenheit reicht bis 1,8 Meter Tiefe
Die aktuelle Bodenfeuchtekarte zeigt, dass nicht nur die Oberfläche betroffen ist. Auch der Gesamtboden bis in etwa 1,8 Meter Tiefe weist im Saarland ein außergewöhnlich großes Wasserdefizit auf. Stellenweise entspricht die Lage einem Dürrezustand, der statistisch nur etwa alle 20 bis 50 Jahre vorkommt.
Im Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe sieht es ähnlich kritisch aus. Gebietsweise stehen den Pflanzen weniger als 30 Prozent des normalerweise nutzbaren Wassers zur Verfügung. Damit geraten Pflanzen zunehmend unter Trockenstress.
Die Kaltfront bringt die größere Regenchance
In der Nacht zum Donnerstag erreicht eine Kaltfront den Westen Deutschlands. Die Wolkendecke wird kompakter und aus einzelnen Schauern entsteht ein schmaler Streifen mit länger anhaltendem Regen. Vereinzelt können Gewitter eingelagert sein.
Im gesamten Umfeld der Front werden regional 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter erwartet. Wo kräftige Schauer wiederholt denselben Ort treffen, sind punktuell bis etwa 30 Liter denkbar. Ob solche Mengen auch im Saarland flächendeckend fallen, ist allerdings keineswegs prognostiziert.

Was bleibt für die Böden wirklich hängen?
Langsamer, gleichmäßiger Regen wäre besonders wertvoll, weil das Wasser besser einsickern könnte. Bei kurzen, heftigen Güssen kann ein Teil dagegen oberirdisch abfließen. Selbst 20 Liter würden zunächst hauptsächlich den Oberboden befeuchten. Die ausgetrockneten Schichten in größerer Tiefe profitieren davon kaum.
Am Freitag lässt der Regen nach. Bei 18 bis 24 Grad wird es deutlich weniger heiß. Der Hochsommer verabschiedet sich damit vorerst – die tief reichende Trockenheit jedoch nicht.