Östliches Mittelmeer: wieder heftige Regengüsse und Gewitter! Herbsturlauber aufgepasst – eisige Höhenluft mischt mit
Die Wetterbrisanz nimmt zu – und wieder trifft es den Mittelmeerraum! Von Sizilien über Italien und die Adria bis nach Griechenland und zum Balkan drohen heftige Regengüsse und Gewitter – Anwohner, Urlauber und Reisende aufgepasst!

Der Anstoß kommt aus der Höhe. Ein abgeschnürter Kaltluftwirbel erreicht den Raum Italien und Adria. Für Sonntagabend berechnet ECMWF bei Rom rund minus 29 Grad auf 500 hPa, ungefähr fünf bis sechs Kilometer über dem Meer.
Das bis zu 23 Grad warme Mittelmeer versorgt die Luft mit Wärme und Feuchtigkeit. Unter der eisigen Höhenluft kann sie kräftigen thermischen Auftrieb entwickeln. Beim Aufsteigen kondensiert Wasserdampf zu Wolkentröpfchen und setzt zusätzliche Wärme frei. Diese sogenannte latente Wärme kann den Auftrieb weiter verstärken – die Gewitterwolken wachsen immer höher, womit der Wetterverlauf wider für dramatische Bodenszenen sorgen kann. Denn Überflutungen, Sturzfluten und Murenabgänge sind mögliche Folgen solcher Wetterphänomen Konstellationen.
Erst Gewittercluster, dann bekommt das Tief Konturen
Die Wettermodelle zeigen für Samstag Schauer und Gewitter zwischen südlicher Adria, Griechenland und den angrenzenden Meeresgebieten. Während Mitteleuropa unter Hochdruck liegt, bleibt diese südliche Schwachstelle aktiv.
Am Sonntag erfasst das wechselhafte Wetter auch Teile Italiens und die Gewässer um Sizilien. Gleichzeitig verlagert sich das Hoch weiter in Richtung Britische Inseln. Südlich davon kann sich der tiefere Luftdruck über dem Mittelmeer deutlicher organisieren.
Zum Montag tritt ein geschlossenes Bodentief mit zugehörigen Warm- und Kaltfronten hervor. ECMWF berechnet am Abend einen Kern um 1003 hPa im Raum Süditalien und Ionisches Meer. ICON ordnet den Tiefkern etwas anders an: Die genaue Position bleibt damit unsicher.
Fronten schieben nach, die Berge halten dagegen
Um das Bodentief strömt die Luft gegen den Uhrzeigersinn. An seinen Fronten werden unterschiedliche Luftmassen zusammengeführt und zum Aufsteigen gezwungen. Feuchte Meeresluft gelangt an die Küsten des Balkans und Griechenlands. Dort können Gebirge die Hebung verstärken.
Bis Dienstag verlagert sich die Aktivität zunehmend nach Griechenland und in die Ägäis. Die Wahrscheinlichkeitskarte unterstreicht das verbreitete Regensignal; die Summenkarte zeigt regional größere Ansammlungen. Beides zusammen begründet Aufmerksamkeit, aber noch keine flächige Unwetterprognose.

Engere Isobaren: Jetzt bekommt auch der Wind Druck
Zwischen dem Hoch im Norden und dem Mittelmeertief wächst regional der Druckunterschied. Wo die Isobaren enger zusammenliegen, kann der Wind kräftiger werden. Die Böenkarten zeigen entsprechende Schwerpunkte über See und an der Adria.
Gleichzeitig begünstigt die eisige Höhenluft über dem warmen Meer kräftige Gewitter:
- In deren Abwinden kann schnellere Luft aus höheren Schichten bis zur Oberfläche gelangen.
- Verdunstender Niederschlag kühlt die absinkende Luft zusätzlich ab und kann die Böen verstärken.
So können sich zum ohnehin kräftigen Wind örtlich schwere Gewitterböen gesellen.
Für Küstenorte, Bootsfahrten und Fährverbindungen wird deshalb neben dem Regen auch die Windentwicklung wichtig.

Über 100 Liter Regen pro Quadratmeter und mehr sind drin
Über 100 Liter Regen pro Quadratmeter rund um Thessaloniki: Diese Größenordnung berechnet ECMWF bis Dienstag! Schließen sich Gewitter zu Clustern zusammen und ziehen wiederholt über dieselben Orte, können örtlich enorme Wassermengen zusammenkommen.
Es drohen Sturzfluten, überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller ab der zweiten Wochende im gesamten östlichen Mittelmeerraum. An steilen Hängen sind Erdrutsche und Murenabgänge möglich, kräftige Gewitter können zusätzlich Sturmböen bringen. Wo genau die größten Mengen niedergehen, bleibt noch unsicher – doch das Potenzial für gefährliche Entwicklungen ist da.