Hohe Taupunkte und 40 Millimeter Wasserdampf: Deutschlands Atmosphäre wirkt derzeit wie ein vollgesogener Schwamm

Wer heute Morgen vor die Tür tritt, merkt es sofort: Die Luft fühlt sich schwer, feucht und beinahe tropisch an. Deutschland liegt derzeit unter einer außergewöhnlich feuchten Luftmasse. Die Atmosphäre ist mit Wasserdampf regelrecht vollgesogen – ein idealer Nährboden für Gewitter, Starkregen und lokale Unwetter.

In den frühen Morgenstunden liegt die relative Luftfeuchtigkeit vielerorts nahe der 90-Prozent-Marke – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark die Atmosphäre derzeit mit Wasserdampf angereichert ist.
In den frühen Morgenstunden liegt die relative Luftfeuchtigkeit vielerorts nahe der 90-Prozent-Marke – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark die Atmosphäre derzeit mit Wasserdampf angereichert ist.

Viele Menschen bemerken es bereits beim ersten Schritt vor die Haustür: Die Luft wirkt drückend, feucht und ungewöhnlich schwer. Selbst in den Morgenstunden fühlt sich die Atmosphäre vielerorts bereits schwül an.

Verantwortlich dafür ist nicht in erster Linie die Temperatur, sondern ein meteorologischer Wert, der in Wetterberichten oft wenig Beachtung findet: der Taupunkt.

In weiten Teilen der Südhälfte Deutschlands liegen die Taupunkte derzeit über 17 Grad, regional sogar nahe der 20-Grad-Marke. Solche Werte gelten in Mitteleuropa als außergewöhnlich hoch und sind typisch für sehr feuchte Luftmassen.

Für den menschlichen Körper bedeutet das eine deutlich höhere Belastung. Schweiß verdunstet langsamer, die natürliche Kühlung funktioniert schlechter und die Wärme wird wesentlich intensiver wahrgenommen.

Der Taupunkt verrät, wie viel Wasser die Luft wirklich enthält

Anders als die relative Luftfeuchtigkeit beschreibt der Taupunkt direkt den tatsächlichen Wasserdampfgehalt der Luft. Er gibt an, auf welche Temperatur die Luft abgekühlt werden müsste, damit der enthaltene Wasserdampf kondensiert und sich Tau bildet.

Je höher der Taupunkt, desto mehr Feuchtigkeit befindet sich in der Atmosphäre. Während Werte unter zehn Grad meist als angenehm empfunden werden, beginnt die Luft ab etwa 15 Grad deutlich schwül zu werden. Taupunkte von 17 bis 20 Grad zeigen bereits eine Luftmasse an, die enorme Mengen Wasserdampf gespeichert hat.

Genau deshalb achten Meteorologen bei Gewitterlagen häufig stärker auf den Taupunkt als auf die eigentliche Lufttemperatur.

Die Atmosphäre gleicht einem riesigen Schwamm

Wie außergewöhnlich feucht die Luft derzeit ist, zeigt ein weiterer wichtiger Parameter: die niederschlagbare Wassermenge, international als PWAT bezeichnet.

In der Meteorologie werden derzeit außergewöhnlich hohen Werte der niederschlagbaren Wassermenge registriert In den vergangenen Tagen wurden über Deutschland Werte der sogenannten niederschlagbaren Wassermenge von 35 bis 45 Millimetern berechnet.

Regional befinden sich noch immer 25 bis 40 Millimeter Wasser in Form von Wasserdampf über jedem Quadratmeter Deutschlands. Das entspricht theoretisch 25 bis 40 Litern Wasser pro Quadratmeter.

Die Atmosphäre gleicht damit einem riesigen, vollgesogenen Schwamm. Solange die Luft stabil bleibt, bleibt diese Feuchtigkeit unsichtbar gespeichert.

Wird sie jedoch durch einen Höhentrog, eine Luftmassengrenze oder aufsteigende Luftbewegungen zum Aufsteigen gezwungen, beginnt der Wasserdampf zu kondensieren. Wolken wachsen rasch in die Höhe und enorme Niederschlagsmengen können freigesetzt werden.

Warum die Gewitter derzeit so viel Regen bringen

Genau dieser Prozess bestimmt aktuell das Wettergeschehen in Deutschland. Ein Höhentrog zieht nur langsam ostwärts und sorgt weiterhin für Hebungsprozesse in der Atmosphäre. Gleichzeitig liegt über Teilen des Ostens und Südostens noch immer sehr feuchte Luft.

Die Folge sind kräftige Schauer und Gewitter, bei denen weniger Hagel oder Sturm im Mittelpunkt stehen als vielmehr der Starkregen. Innerhalb kurzer Zeit können lokal 25 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

Dort, wo Gewitter nur langsam ziehen oder sich mehrere Zellen über derselben Region entwickeln, sind auch deutlich höhere Mengen möglich.

Besonders vom Vogtland über die Lausitz bis nach Südostbayern besteht am Mittwoch weiterhin die Gefahr von länger anhaltendem Starkregen. Regional können dort nochmals 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen. Lokal sind durch Gewitter und wiederholte Niederschläge auch noch höhere Summen möglich.

Die Unwettergefahr verlagert sich langsam nach Osten

Die aus der Nacht stammenden Gewitter- und Regengebiete ziehen im Tagesverlauf nur langsam ostwärts Richtung Polen ab. Damit nimmt die Gefahr extremer Niederschläge nach und nach ab.

Während sich im Osten und Südosten zunächst noch dichte Wolken und einzelne kräftige Regenfälle halten, setzt sich im Westen und Südwesten zunehmend trockenere Luft durch. Dort sorgt ein Hochkeil für mehr Sonnenschein und eine spürbare Wetterberuhigung.

Ganz stabil bleibt die Atmosphäre allerdings noch nicht:

Auf dem Atlantik ist Tief Zoe bei den Britischen Inseln zu verorten und wird von sich auch in Deutschland hören machen:

Vor allem vom Norden bis in die Mitte Deutschlands können sich am Nachmittag erneut einzelne Schauer und Gewitter entwickeln. Aufgrund der weiterhin vorhandenen Feuchtigkeit sind lokal nochmals Starkregen und kleiner Hagel möglich.

Die Aussichten: Weniger Schwüle, mehr Sommer

In der Nacht zum Donnerstag beruhigt sich das Wetter vielerorts deutlich. Die letzten Gewitter klingen an den Alpen und in den östlichen Mittelgebirge ab. Bei Tiefstwerten zwischen 15 und 10 Grad wird die Nacht vielerorts deutlich angenehmer als zuletzt.

Am Donnerstag bestimmt eine Nordwestlage das Wetter. Während im Norden und Nordwesten Wolken, einzelne Schauer und kräftiger Wind für wechselhaftes Wetter sorgen, bleibt es im Süden häufig freundlich und trocken. Dort werden erneut 25 bis 29 Grad erreicht.

Zum Wochenende setzt sich dieser Trend fort. Der Norden bleibt zeitweise unter dem Einfluss von Tiefausläufern mit Wolken, etwas Regen und frischem Wind. Im Süden und besonders im Südwesten zeigt sich dagegen häufig die Sonne. Die Temperaturen steigen dort wieder auf sommerliche 25 bis 30 Grad, lokal sind sogar etwas über 30 Grad möglich.