Meteorologe fasziniert von der "Eiszeit an Nord- und Ostsee" - Bleibt die Eiseskälte oder ist Tauwetter in Sicht?
Was für ein faszinierendes Schauspiel gibt es derzeit an der Nord- und Ostsee: Wochenlange eisige Kälte schafft spektakuläre Eisformen, meterhohe Eisschollen und lässt Teile der Ostsee zufrieren wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wie lange hält sich die ungewöhnliche Kälte noch?

Für die Menschen im Westen und Südwesten wirken die Bilder aus dem Norden und Osten Deutschlands wie aus einer anderen Welt. Wochenlanger Dauerfrost mit eisigem Ostwind lässt an der Nord- und Ostseeküste das Meer gefrieren und führt zu spektakulären Eisformationen an Leuchttürmen und Seebrücken.
Über die Grenzwetterlage mit den enormen Temperaturgegensätze in Deutschland, die mittlerweile schon seit mehreren Wochen bestand hat, hat der Autor dieses Artikels schon mehrmals berichtet. Während im Ruhrgebiet, am Rhein und westlich davon teilweise schon Temperaturen über der 10 Grad-Marke gemessen werden, die eher an den Vorfrühling erinnern, sorgt die arktische Kälte im Norden und Osten des Landes für hochwinterliche Bedingungen mit Dauerfrost, Schnee und Eisregen.
Eis behindert Schifffahrt
In der Nacht zu Freitag sorgte im Nordosten Deutschlands stundenlanger Eisregen für spiegelglatte Fahrbahnen und Gehwege. Ein regelrechter Eispanzer bildete sich an Gehwegen und Gegenständen von Berlin über das nördliche Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bis an die Ostseeküste. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte im Vorfeld mit amtlichen Unwetterwarnungen in den betroffenen Gebieten gewarnt.
Diese Aufnahmen stammen nicht aus Grönland, sondern von der Ostseeküste Wie hier nahe Garz hat der Wind Eisschollen zu Eisbergen aufgetürmt, die teilweise bis zu zwei Meter hoch sind. Herzlichen Dank an Manuela Krause für die fantastischen Aufnahmen. pic.twitter.com/71OrUqpLjN
— Unwetter-Freaks (@unwetterfreaks) February 5, 2026
Die schönen Seiten der anhaltenden Frostperiode sind an den Küsten von Nord- und Ostsee zu bewundern. In geschützten Uferbereichen bildeten sich riesige Eisflächen und wo an der Ostsee sonst die Wellen rauschen, zeigen sich jetzt riesige Eisschollen und bizzar überfrorene Felsen und Gegenstände. Dass die deutsche Ostseeküste zufriert, ist dabei immer schon ein sehr seltenes Ereignis, in Zeiten der Klimaerwärmung umso mehr.
Die Schifffahrt stellt die eisige Wetterlage dagegen vor ungewohnte Herausforderungen, Eisbrecher versuchen die Versorgungswege in den küstennahen Gebieten frei zu halten. Viele Fährverbindungen sind nur noch eingeschränkt möglich oder wurden sogar ganz eingestellt.
️ Die Ostsee friert zu: Dauerfrost und kalte Luft aus Nord- und Osteuropa sorgen für Eisschollen, vereiste Felsen und einen vom Eis umhüllten Leuchtturm. Eisbrecher sind im Einsatz, Fähren eingeschränkt.
— wetteronline.de (@WetterOnline) February 4, 2026
Mehr Infos hier!
https://t.co/67iurZnjWI #Ostsee #Dauerfrost pic.twitter.com/dHj20SkALb
Ist denn ein Ende der Eiszeit an der Nord- und Ostseeküste in Sicht? In der Tat sind die Temperaturen etwas angestiegen und der Frost hat sich am Freitag deutlich abgeschwächt. Seit langer Zeit liegen die Höchstwerte an den Küsten mal wieder um bzw. leicht über dem Gefrierpunkt. Der eisige Ostwind ist auch nicht mehr so kräftig. Von einem durchgreifenden Tauwetter kann aber noch längst nicht die Rede sein!
Kein Tauwetter in Sicht
Am Wochenende bleibt es an der Nord- und Ostseeküste trüb und gelegentlich kann etwas Nieselregen, Richtung Rügen und Usedom auch mal etwas Schnee fallen. Die Mengen bleiben insgesamt gering, die Höchstwerte liegen knapp über, die Tiefstwerte knapp unter dem Gefrierpunkt. Damit gibt es nur tagsüber oberflächig mal geringes Tauwetter.
Auch in der nächsten Woche ist kein Ende des für die See ungewöhnlichen winterlichen Wetters in Sicht! Es bleibt bei meist trübem Himmel mit gelegentlichen leichten Schneefällen bei Werten um den Gefrierpunkt. Ob es zur Wochenmitte sogar wieder deutlich kälter wird, ist noch unsicher. So oder so, eine nachhaltige deutliche Milderung mit großem Tauwetter ist für die Nord- und Ostseeküste bis auf Weiteres aber nicht in Sicht.