Atmosphäre im Dauerstress: Höhentief hält Gewitter, Starkregen und Hagel auf Kurs! DWD warnt vor schweren Gewittern

Seien Sie heute auf der Hut, örtlich kann es gefährlich werden: Über Deutschland kreist ein nahezu festhängendes Höhentief und hält die Atmosphäre unter Hochspannung. Der DWD warnt vor schweren Gewittern mit Starkregen, Hagel bis 3 cm und Böen bis 110 km/h. Im Südwesten verschärft zusätzlich starke Wärmebelastung die Wetterlage.

Das Höhentief bleibt der Regisseur der Wetterlage: Die Prognose für Freitag zeigt neue Starkregenschwerpunkte und eine Atmosphäre, die noch längst nicht zur Ruhe gekommen ist.
Das Höhentief bleibt der Regisseur der Wetterlage: Die Prognose für Freitag zeigt neue Starkregenschwerpunkte und eine Atmosphäre, die noch längst nicht zur Ruhe gekommen ist.

Es ist ein Wetterkrimi, den man am Boden nur lokal bemerkt- aber dann heftig! Während viele Menschen auf den Thermometerstand schauen, dreht sich über Deutschland ein nahezu stationärer Kaltluftwirbel in 5500 Metern Höhe.

Dieses Höhentief zapft die feuchte Subtropikluft an, die seit mehreren Wochen über dem Südwesten liegt, und verwandelt sie immer wieder in neue Gewitterpakete. Die Atmosphäre kommt schlicht nicht zur Ruhe.

Am Boden hält das Hoch über Nordeuropa Teile Deutschlands ruhig. Mehrere Kilometer darüber kreist jedoch ein Höhentief, das die Atmosphäre vor allem im Süden immer wieder destabilisiert und neue Gewitter auslöst.

Kalte Luft in der Höhe trifft auf feuchtwarme Luft am Boden

Meteorologisch betrachtet spielt sich die entscheidende Entwicklung in mehreren Stockwerken der Troposphäre ab. In etwa 500 hPa, also rund 5500 Metern Höhe, liegt vergleichsweise kalte Luft über Deutschland.

Gleichzeitig befindet sich in den unteren Luftschichten weiterhin warme und feuchte Subtropikluft.

Dieser Temperaturunterschied macht die Atmosphäre so extrem labil:

  • Warme Luft steigt auf, kühlt sich ab und kondensiert.
  • Wolkentürme wachsen rasch in die Höhe und können sich innerhalb kurzer Zeit zu kräftigen Gewittern entwickeln.

So bleibt insbesondere die Luftmasse im Süden ausgesprochen energiereich. Dort liegen die Werte des niederschlagbaren Wassers (PPW) vielfach zwischen 30 und 40 Millimetern. Das bedeutet: Die Atmosphäre enthält enorme Wassermengen, die bei Gewittern in kurzer Zeit freigesetzt werden können.

Die Atmosphäre steht unter Dauerstrom

Hinzu kommt die hohe Gewitterenergie. Die CAPE-Werte erreichen heute vielfach 1000 bis 1500 Joule pro Kilogramm. Das reicht für kräftige Aufwinde, intensive Gewitterzellen und lokale Hagelbildung.

Die Gewitter bekommen heute einen zusätzlichen Turbo. Während in den vergangenen Tagen vor allem die enorme Feuchtigkeit die Unwettergefahr antrieb, können sich die Zellen nun deutlich besser organisieren. Damit steigt das Risiko langlebiger Gewitterkomplexe, die großen Hagel, schwere Sturmböen und lokal extremen Starkregen hervorbringen können.

Meteorologen sprechen dabei von zunehmender vertikaler Windscherung. Gemeint sind starke Unterschiede bei Windrichtung und Windgeschwindigkeit zwischen Boden und Höhe.

Starke Windscherung sorgt dafür, dass Gewitter organisierter werden. Die Zellen leben länger, rotieren teilweise und können sich zu Superzellen entwickeln. Dadurch steigt das Risiko für größeren Hagel, schwere Sturmböen und lokal extreme Niederschläge.

Zwischen Boden und etwa sechs Kilometern Höhe werden Scherungswerte von 20 bis 30 Metern pro Sekunde simuliert. Für Meteorologen ist das ein Warnsignal.

Warum jede Gewitterzelle zum Problem werden kann

Das eigentliche Risiko dieser Wetterlage liegt im Wasser. Die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit, enormem Feuchteangebot in der Atmosphäre und nur langsam ziehenden Gewittern kann innerhalb kurzer Zeit außergewöhnliche Niederschlagsmengen erzeugen.

Bereits am Montag wurden verbreitet hohe Regenmengen gemessen

Spitzenreiter war Wittendörp-Dodow in Mecklenburg-Vorpommern mit 69,4 Litern pro Quadratmeter. In Bad Münder kamen 49,0 Liter zusammen, in Marienberg im Erzgebirge 47,6 Liter und in Sehmatal-Neudorf 46,0 Liter. Auch Hannover-Kirchrode registrierte noch 40,4 Liter pro Quadratmeter.

Am Dienstag setzte sich diese Entwicklung fort

In Ettal-Linderhof wurden 52,5 Liter gemessen, in Untergschwend in Tirol 50,2 Liter. Lauf an der Pegnitz brachte es auf 47,8 Liter, Nürnberg auf 47,5 Liter und Oberstaufen-Thalkirchdorf auf 45,9 Liter pro Quadratmeter.

Diese Messwerte zeigen eindrucksvoll, welches Niederschlagspotenzial derzeit in der Atmosphäre steckt. Verantwortlich sind PPW-Werte von teilweise 30 bis 40 Millimetern. Vereinfacht gesagt steht den Gewitterzellen damit reichlich Wasserdampf als „Treibstoff“ zur Verfügung.