Unwetter-Alarm in Süddeutschland: 50 Liter Regen und Orkanböen bis 120 km/h treffen jetzt den Alpenrand

Am Alpenrand spitzt sich die heutige Wetterlage brisant zu: Lokal drohen 50 Liter Regen, Hagel und Orkanböen bis 120 km/h. Ein kleines Tief verschärft die Bedingungen für Alpine Unwetter. Die Gefahr von Muren und umstürzenden Bäumen steigt deutlich – dort kein Wanderwetter!

Das ECMWF-Windfeld für heute Abend um 20 Uhr zeigt die brisante Entwicklung im Südosten: Mit dem Druckanstieg hinter dem Tief können die Böen sprunghaft zunehmen.
Das ECMWF-Windfeld für heute Abend um 20 Uhr zeigt die brisante Entwicklung im Südosten: Mit dem Druckanstieg hinter dem Tief können die Böen sprunghaft zunehmen.

Im Süden braut sich heute eine gefährliche Doppel-Lage zusammen: Vom Hochrhein und Bodensee schiebt sich ein kräftiges Regengebiet über das Allgäu und Oberbayern bis nach Ostbayern. Dabei können selbst ohne Gewitter binnen weniger Stunden enorme Wassermengen fallen. Am Alpenrand droht später die nächste Eskalationsstufe: Einzelne Gewitter können Hagel, Regenfluten und Orkanböen bis 120 km/h bringen.

Die Atmosphäre ist im Südosten so nass wie ein nasser Schwamm

In der Luftsäule befinden sich regional bis zu 40 Millimeter niederschlagbares Wasser. Vereinfacht bedeutet das: Über jedem Quadratmeter steht rechnerisch Wasserdampf für bis zu 40 Liter Regen zur Verfügung. Diese Menge fällt nicht automatisch vollständig aus.

Heute wird die feuchte Luft über längere Zeit zum Aufsteigen gezwungen. Dadurch entsteht kräftiger Hebungs- und Aufgleitniederschlag, der sich am Alpenrand zusätzlich stauen kann.

Warum sich der Regen so stark aufschaukelt

Von Frankreich nähert sich in mehreren Kilometern Höhe ein Tiefdruckausläufer. Er wirkt wie ein atmosphärischer Fahrstuhl: Die feuchte Luft steigt auf, kühlt ab und ein Teil des enthaltenen Wasserdampfs fällt als kräftiger Regen aus.

Gleichzeitig bildet sich nördlich der Alpen ein kleines Tief. Während der Wind in den unteren Luftschichten aus Nordwesten bis Westen weht, strömt er weiter oben aus Südwesten. Dadurch gleiten die Luftmassen übereinander und der Aufstieg der feuchten Luft hält länger an. So können sich die Regenfälle immer wieder verstärken und über Stunden große Mengen bringen.

Gebietsweise werden innerhalb von sechs bis neun Stunden 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter erwartet. Lokal sind sogar rund 50 Liter möglich. Das Tückische: Diese Mengen können auch ohne Blitz und Donner fallen.

Ein vermeintlich gewöhnlicher Dauerregen kann dadurch die Unwetterschwelle erreichen.

An steilen Berghängen kann das viele Wasser Geröll und Erdreich in Bewegung bringen. Damit steigt örtlich die Gefahr kleinerer Erdrutsche und Murenabgänge. Auch Bäche können innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen und Wege überfluten.

Plötzlicher Drucksprung kann den Wind entfesseln

Am Nachmittag und Abend zieht das kleine Tief ostwärts ab:

Dahinter kann der Luftdruck innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen. Dieser Drucksprung könnte den West- bis Nordwestwind am Alpenrand abrupt beschleunigen. Selbst ohne Gewitter sind dann stürmische Böen oder Sturmböen möglich.

Entstehen zusätzlich kräftige Gewitter, sind örtlich schwere Sturm- oder sogar Orkanböen bis 120 km/h nicht ausgeschlossen. Auch Hagelkörner um drei Zentimeter sind möglich. Die Windprognose bleibt allerdings unsicher: Einige Modelle zeigen eine heftige Entwicklung, andere berechnen deutlich schwächere Böen.

Unterhalb der Baumgrenze können kräftige Böen große Äste abbrechen oder einzelne Bäume entwurzeln. Auf offenen Höhen, Graten und ungeschützten Wegen drohen gefährliche Windstöße. Zusammen mit Starkregen, Gewittern und möglichen Muren ist das heute am Alpenrand ausdrücklich kein Wetter für Wanderungen oder Bergtouren am Nachmittag.

Im Westen nur einzelne Gewitter

Abseits des süddeutschen Regenschwerpunkts bleibt das Wetter ebenfalls wechselhaft. Im Westen und Nordwesten entstehen einzelne Gewitter mit kleinem Hagel, Böen bis 70 km/h und lokal mehr als 25 Litern Regen in kurzer Zeit. Von der Mitte bis in den Nordosten bleibt es dagegen häufig trocken. Dort zeigt sich länger die Sonne, und die Temperaturen steigen auf 26 bis 27 Grad.

Kühleres Wochenende mit einzelnen Gewittern

Am Samstag fließt deutlich kühlere Meeresluft ein. In der Mitte entstehen noch einzelne Schauer und Gewitter, während es im Süden zunehmend auflockert. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 18 und 24 Grad. Am Sonntag bleibt es vielerorts trocken. An den Küsten und im Nordosten sind jedoch weitere Schauer möglich; an der Ostsee drohen stürmische Böen bis 70 km/h.