80 Liter Regen - Gewitter, die einfach stehen bleiben: Warum jetzt Sturzfluten drohen

Wenn Gewitter nicht weiterziehen, wird es richtig gefährlich: Dann fällt der ganze Regen über einem Punkt. Genau das droht uns am Wochenende – mit dem Risiko plötzlicher Sturzfluten.

Nicht das schnell durchziehende Gewitter ist das große Problem – sondern das, was stehen bleibt. Wenn eine Gewitterzelle über einem Ort verharrt und sich kaum von der Stelle bewegt, lädt sie ihre komplette Wassermenge punktgenau ab.

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Statt 15 oder 20 Liter kommen dann auf engstem Raum 50 oder 60 Liter pro Quadratmeter herunter – und das innerhalb kürzester Zeit. Genau diese Lage zeichnet sich für das kommende Wochenende ab.

Warum bleiben die Gewitter einfach stehen?

Der Grund liegt in der Höhe. Normalerweise schiebt der Höhenwind die Gewitter weiter, sie ziehen über die Landschaft und der Regen verteilt sich. Doch bei der aktuellen Wetterlage ist diese Höhenströmung extrem schwach. Es fehlt schlicht der „Antrieb", der die Zellen vom Fleck bewegt. Die Folge: Das Gewitter parkt regelrecht über einem Ort und regnet sich dort komplett aus.

Bei sehr langsam ziehenden Gewittern kann es ab Freitagabend zu lokalen Überschwemmungen kommen.
Bei sehr langsam ziehenden Gewittern kann es ab Freitagabend zu lokalen Überschwemmungen kommen.

Der gefährliche „Train-Effekt"

Noch tückischer wird es, wenn sich neue Zellen immer wieder an derselben Stelle bilden und über dieselbe Zugbahn laufen – wie Waggons eines Zuges. Meteorologen sprechen vom „Train-Effekt". Eine Zelle nach der anderen rauscht über denselben Punkt, und die Regenmengen summieren sich gnadenlos auf. So entstehen die extremen Spitzenwerte, die kleine Bäche in reißende Ströme verwandeln.

Was bei einer Sturzflut passiert

Der Boden kann diese Wassermassen nicht aufnehmen. Das Wasser sucht sich seinen Weg – und der führt in Senken, Unterführungen und Keller. Straßen verwandeln sich in Sekunden in Flüsse, Unterführungen laufen voll und werden zur tödlichen Falle für Autofahrer. Keller stehen unter Wasser, Gullys schaffen die Mengen nicht mehr, und aus harmlosen Rinnsalen werden gefährliche Wildbäche.

Solche Katastrophen gab es schon oft

Die Vergangenheit zeigt, wie verheerend stationäre Gewitter sein können. In Münster fielen 2014 an einem einzigen Tag knapp 300 Liter pro Quadratmeter. In Braunsbach und Simbach am Inn rissen 2016 Sturzfluten ganze Straßenzüge weg. Und auch die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 begann mit extremem Dauerregen. Jedes Mal war es dieselbe Zutat: Wasser, das nicht abfließen konnte.

Mein Rat an Sie

Meiden Sie bei kräftigen Gewittern unbedingt Unterführungen und tiefer gelegene Straßen. Fahren Sie niemals in überflutete Bereiche. Und wer einen gefährdeten Keller hat, sollte jetzt schon vorsorgen. Diese Lage ist nicht zu unterschätzen.

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