Meteoriten aus einer Staubfalle: Warum sie trotz gleichem Ursprungsort so unterschiedlich sind

Astronomen haben untersucht, warum einige Meteoriten trotz gemeinsamer Herkunft so unterschiedlich aufgebaut sind. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Ursachen dafür in der Entstehungsphase der Planeten zu suchen sind – als der Jupiter sich gerade bildete und Staub und Gas aus der Planetenscheibe leerräumte.

Astronomen können inzwischen sehr gut rekonstruieren, wie sich Meteoriten mit einer solchen Vielfalt bilden konnten – obwohl sie alle aus der gleichen kosmische Region neben dem Jupiter stammen. Bild: KI-generiert
Astronomen können inzwischen sehr gut rekonstruieren, wie sich Meteoriten mit einer solchen Vielfalt bilden konnten – obwohl sie alle aus der gleichen kosmische Region neben dem Jupiter stammen. Bild: KI-generiert

Eine Region unmittelbar außerhalb der Jupiterbahn war offenbar einer der wichtigsten Entstehungsorte früher Himmelskörper im Sonnensystem. Über einen Zeitraum von rund zwei Millionen Jahren sind dort sehr unterschiedliche Planetesimale entstanden, wie eine neue Studie nun zeigt.

Planetesimale sind kilometergroße Körper, die aus dem Gas und Staub der protoplanetaren Scheibe entstehen. Sie sind Vorläufer von Planeten, Asteroiden und Kometen.

„Erstmals ist es gelungen, mit Hilfe von Computersimulationen des frühen Sonnensystems die Ergebnisse von Laboruntersuchungen von Meteoriten genau zu reproduzieren“, sagt Thorsten Kleine, Direktor am MPS und Kosmochemiker. Die Meteorite würden dabei sozusagen als Prüfstein für Theorien der Planetenentstehung fungieren.

Jupiter bestimmt das frühe Sonnensystem

Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren war das Sonnensystem noch eine rotierende Scheibe aus Gas und Staub. In dieser sogenannten protoplanetaren Scheibe verklumpte Material nach und nach zu immer größeren Objekten. Während einige davon später Planeten bildeten, blieben andere als kleinere Himmelskörper erhalten.

Geburtsort neuer Planetesimale: die schmale Zone neben der Jupiterbahn, wo sich eine sogenannte Staubfalle bilden konnte. Bild: MPS/hormesdesign.de
Geburtsort neuer Planetesimale: die schmale Zone neben der Jupiterbahn, wo sich eine sogenannte Staubfalle bilden konnte. Bild: MPS/hormesdesign.de

Die neue Studie des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen konzentriert sich auf die Zeit zwischen zwei und vier Millionen Jahren nach der Entstehung des Sonnensystems. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jupiter bereits enorme Mengen Materie angezogen und entlang seiner Umlaufbahn eine Lücke in die rotierende Gas- und Staubscheibe gerissen. Ganz in der Nähe wird weiteres Gas angehäuft, aus dem sich dann weitere Gasplaneten bilden können – diese gravitative Ansammlung wird auch als Staubfalle bezeichnet.

„Im selben Bereich der frühen Staub- und Gasscheibe konnten offenbar verschiedene Arten von Planetesimalen entstehen, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Region direkt außerhalb der Jupiter-Bahn bot dafür exzellente Bedingungen.“

– Joanna Drążkowska, Leiterin der Lise-Meitner-Gruppe zur Planetenentstehung am MPS

Dort sammelten sich große Mengen feiner Teilchen, sogenannte Pebbles, die schließlich zu Planetesimalen anwuchsen. Dass dieser Vorgang grundsätzlich möglich ist, war bereits bekannt. Unklar war jedoch lange, ob über die Zeit hinweg auch Körper mit stark unterschiedlicher Zusammensetzung entstehen konnten.

Fenster in die Vergangenheit

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen kohlenstoffreiche Chondrite. Diese Meteorite haben sich seit ihrer Entstehung kaum verändert, weshalb sie zu den ursprünglichsten Materialien des Sonnensystems zählen. Forschende unterscheiden heute sechs Gruppen dieser Gesteinsmeteorite, die sich in Alter, Stabilität und Zusammensetzung teils erheblich unterscheiden.

Diagramm zur Entstehung verschiedener kohlenstoffreicher Chondrite. Bild: MPS/hormesdesign.de
Diagramm zur Entstehung verschiedener kohlenstoffreicher Chondrite. Bild: MPS/hormesdesign.de

Einige bestehen fast vollständig aus extrem feinem, bröseligem Material. Andere enthalten zusätzlich größere Einschlüsse aus stabileren Bestandteilen und sind deutlich robuster aufgebaut. Genau diese Unterschiede konnten die neuen Simulationen erklären.

Die Modelle gingen dabei von zwei Materialarten aus: feinem, zerbrechlichem Staub sowie widerstandsfähigeren Partikeln, die sich bereits früh unter Hitzeeinwirkung gebildet hatten. Beide Materialtypen bewegten sich unterschiedlich durch die Gasscheibe. Während kleiner Staub die Jupiterbarriere leichter passieren konnte, wurden größere Partikel stärker aufgehalten.

Simulationen über alle Größenordnungen hinweg

Um die Entwicklung realistisch abzubilden, simulierten die Forschenden die Gesteinsbildung auf unterschiedlichen Maßstäben: von Kollisionen einzelner Staubteilchen bis hin zu Bewegungen innerhalb der riesigen Gasscheibe des jungen Sonnensystems.

„Für unsere Simulationen war es entscheidend, das Verhalten und Zusammenspiel beider Materialien ebenso im Kleinen wie im Großen zu simulieren.“

– Nerea Gurrutxaga, Doktorandin am MPS, Erstautorin

Die Berechnungen zeigen, dass sich die Mischungsverhältnisse der Materialien im Laufe der Zeit stark verändert haben. Dadurch konnten nacheinander unterschiedliche Generationen von Planetesimalen entstehen. Nach Ansicht der Forschenden könnten sogar noch weitere Meteoritenarten in derselben Staubfalle entstanden sein.

Joanna Drążkowska vom MPS sieht darin einen grundsätzlichen Mechanismus der Planetenbildung: „Viel spricht dafür, dass in unserem Sonnensystem Staubfallen der bevorzugte Geburtsort von Planetesimalen waren.“

Quellenhinweis:

Gurrutxaga, N., Drazkowska, J., Vaikundaraman, V., & Kleine, T. (2026): Carbonaceous Chondrites provide evidence for late-stage planetesimal formation in a pressure bump. The Astrophysical Journal.

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