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Saussures Cyanometer: Blaue Himmelsfarbe und Luftfeuchtigkeit

Horace Bénédict de Saussure, Vater des Bergsteigens, nutzte seine Touren auf den Mont Blanc, um die Intensität der blauen Himmelsfarbe, mit Hilfe des Cyanometers, das er selbst erfand, zu messen.

Jose Miguel Viñas Jose Miguel Viñas Daniela Aragón 26 Mai 2018 - 17:00 UTC
Nachbildung des Cyanometers Saussures. Ein Instrument, um die Intensität der blauen Himmelsfarbe zu messen.

Bekannt wurde der Schweizer Naturforscher und Geologe als Vater des Bergsteigens. Dank Horace Bénédict de Saussure (1740 - 1799) erfreuen sich heute Millionen von Menschen am Bergsteigen. Weniger bekannt ist sein Interesse an der Meteorologie, genauer gesagt an der Messung von Variablen, wie Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit und dessen Zusammenhang mit der blauen Himmelsfarbe. In seinem Bestreben, die Qualität seiner Beobachtungen zu verbessern, perfektionierte er verschiedene meteorologische Instrumente seiner Zeit. Ferner erfand er neue, sehr ausgefallene und geistreiche Instrumente, die er auf seinen Bergtouren ausprobierte.

Saussure stellte gerne den Siedepunkt des Wassers auf den Berggipfeln fest oder wie dort die Sonneneinstrahlung wirkte. Außerdem interessierte er sich für die Zusammensetzung der Luft, insbesondere für die den Wassergehalt, was direkt den Transparenzgrad und die Farbe des Himmels beeinflusst.

Abstieg nach dem ersten Aufstieg auf den Mont Blanc Saussures und der restlichen Expeditionsteilnehmer im Jahr 1787.

Bevor die ersten Gipfel unseres Planeten bestiegen wurden, beobachteten die Bewohner der Bergregionen, dass die blaue Himmelsfarbe in höheren Lagen dunkler wurde. In den Alpen ging die Legende um, dass wenn man nur hoch genug stieg, der Himmel irgendwann schwarz würde und man in die Leere fiele. Aus Angst traute sich über viele Jahre hinweg kaum noch jemand in die höheren Lagen.

Saussure war jedoch neugierig und wollte selbst prüfen, wie sich der Blauton in den höheren Lagen entwickelte. Zu diesem Zweck entwickelte er ein ausgefallenes Gerät, das er Cyanometers nannte. Seine Erfindung ermöglichte ihm, den Blauton des Himmels zu messen. Während der Aufstiege auf den Mont Blanc belegte er, dass der Blauton immer dunkler wurde und die Luftfeuchtigkeit gleichzeitig allmählich abnahm. Der Schweizer Wissenschaftler folgerte aus seinen Aufzeichnungen, dass die Farbe des Himmels ein zuverlässiger Indikator für den Wassergehalt der Luft ist.

In den Tälern, wo die Luftfeuchtigkeit hoch ist, ist ein hellerer Blauton zu sehen und der Himmel wirkt weißlich, besonders am Horizont. Dieser Effekt ist speziell über dem Meer zu beobachten, vor allem über warmen Meeren.

Links: Abbildung von Horace Bénédict de Saussure. Künstler: C. Pradier, ca. 1760. Rechts: Abbildung, auf der Saussares Cyanometer zu sehen ist. 1790 veröffentlicht. Quelle: Biodiversity Library.

Auf einem einfachen runden Stück Pappe zeichnete Saussure 53 Anschnitte in Fächerform. In jeden Abschnitt klebte er ein Papier, das er mit einem gewissen Anteil an Berliner Blau, ein bekanntes Pigment, einfärbte. Somit entstand eine Blauskala, die von Weiß bis Schwarz reichte. Jeden Abschnitt versah er mit einer Nummer. Das Cyanometer hielt er in Richtung Himmel, immer im selben Abstand zum Auge, so dass er die blaue Himmelsfarbe mit den Abschnitten auf dem Gerät vergleichen und ihr die entsprechende Nummer zuordnen konnte.

Laut den Beobachtungen, die Saussure niederschrieb, war das dunkelste Blau, das er ausmachen konnte eine 39 auf seiner Skala, gemessen auf dem Gipfel des Mont Blancs (4.810 m). Der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) benutzte das Cyanometer auf seinen Expeditionen auf dem amerikanischen Kontinent regelmäßig. Ihm gelang es einen Blauton der Stärke 46 zu verzeichnen, und zwar auf dem Gipfel des Chimborazos, in den Anden, fast 6.300 m über dem Meeresspiegel.

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