Zwischen Meer und Äquatorsonne: Mit dem Fahrrad über die längste Straße der Malediven

Im Addu-Atoll lohnt es sich, Schnorchel und Taucherbrille auch einmal im Zimmer liegen zu lassen. Denn eine Radtour über das längste Stück Land im Inselstaat öffnet ganz neue Perspektiven.

Zwischen Himmel und Meer verläuft die längste Straße der Malediven. Foto: Adobe Stock
Zwischen Himmel und Meer verläuft die längste Straße der Malediven. Foto: Adobe Stock

Links und rechts erstreckt sich das Meer. Es leuchtet in jenem Türkis, das die Gehirne von Mitteleuropäern verwirrt, sie dazu bringt, sich die Kleider vom Leib zu reißen, ins Wasser zu laufen und von einem Leben ohne Regen, Kälte und Winter zu träumen. Vom Himmel brennt heiß die Äquatorsonne. Ein schmaler Streifen Straße führt geradewegs zum Horizont. Darauf strampeln Radler.

Kokoswasser und eine Partie Schach

Es ist in jeder Hinsicht eine ungewohnte Art, den Inselstaat zu erfahren: Spürt man sonst die Hitze kaum, weil man in einer Lagune planscht, mit Schnorchel und Taucherbrille über einem Korallenriff im Wasser liegt oder im Schatten einer Palme döst, werden die Realitäten der Klimazone auf dem Rad eindrücklich spürbar. Der Schweiß rinnt, als säße man im Dampfbad.

Erster Halt ist ein Straßencafé in Feydhoo, wo Kokosnüsse frisch aufgeschlagen werden. Ein paar Herren sitzen hier im Schatten bei einer Partie Schach. Freundlich grüßen sie die Fremden. Obwohl das Addu-Atoll mit rund 30.000 Einwohnern für maledivische Verhältnisse (außerhalb der Hauptstadt) dicht besiedelt ist, hat sich dörfliche Höflichkeit erhalten.

Auch ohne Fahrrad schön: Die Strände der Malediven sind unwiderstehlich. Foto: Adobe Stock
Auch ohne Fahrrad schön: Die Strände der Malediven sind unwiderstehlich. Foto: Adobe Stock

Vorbei an bunten Häusern, Palmen und Lagunen geht es zur nächsten Insel. Am Wegrand warten Plaudereien mit Fischern, die es sich in den inseltypischen Hängestühlen mit Blick auf den Ozean bequem gemacht haben.

Ein siebzehn Kilometer langer Damm verbindet die Inseln

Inselhüpfen per Fahrrad ist auf den Malediven nur im Addu-Atoll möglich. 75 Kilometer vom Äquator entfernt liegt die recht große Insel Villingili im südlichsten Atoll der Malediven. Ihre fünf Nachbarinseln sind durch einen 17 Kilometer langen Damm miteinander verbunden und bilden die längste Straße des Landes. Etappenweise besitzt sie sogar zwei Spuren.

Wer die Straße befahren möchte, startet auf der Insel Gan. Sie war einst ein militärischer Stützpunkt des Vereinigten Königreichs und ist Standort des Flughafens, der das entlegene Atoll mit dem Airport der Hauptstadt Male verbindet. Von Gan aus führt die Straße am Meer entlang zur Insel Feydhoo, nach Maradhoo und Maradhoo-Feydhoo, bis sie schließlich in Hithadohoo endet, dem Verwaltungssitz des Atolls.

Moschee und Muscheln

Die Bilder am Wegrand zeugen von einem friedlichen Leben: Die Moschee mit den Grabsteinen davor, auf denen Muscheln liegen – einstmals Zahlungsmittel auf den Inseln und noch immer Symbol für Wohlstand und ehrendes Gedenken -, ein Fischer, der Netze ausbessert; spielende Kinder. Ein Mann bewacht eine Tankstelle. Nein, sagt er, heute war noch niemand da.

Auf Hithadhoo, der letzten per Fahrrad erreichbaren Insel, liegt neben der Straße ein Fußballplatz. Trotz der Hitze wird trainiert. Sogar die Nationalmannschaft der Malediven hat hier schon gespielt, erzählt ein Zuschauer voller Stolz. Die Insel wirkt mit dem Verwaltungsgebäude, Krankenhaus und einer großen Schule geradezu urban. Die Kinder, die hier am Vormittag lernten, spielen jetzt am weißen Strand des Indischen Ozeans.