Ohne Flugzeug in den Urlaub: Terranes Reisen ist ein neuer Nachhaltigkeitstrend

Zwar ist nicht jedes Ziel mit Bodenhaftung erreichbar, doch es lassen sich mehr Traumreisen kerosinfrei realisieren als gedacht. Je langsamer die Fortbewegung, desto sicherer gilt: Der Weg ist das Ziel.

Terranes Reisen ist nachhaltig und besitzt seinen ganz eigenen Reiz. Foto: Adobe Stock
Terranes Reisen ist nachhaltig und besitzt seinen ganz eigenen Reiz. Foto: Adobe Stock

Von Besuchern überrollte Kleinstädte, verstopfte Gassen, genervte Einwohner, Blechlawinen zum Strand - die unschönen Begleiterscheinungen des Massentourismus hat fast jeder schon erlebt.

Venedig, Barcelona und Santorin sind nur einige Beispiele von Touristenmagneten, deren Bewohner sich mittlerweile gegen den Ansturm wehren - weil sie sich das Leben in ihrer Heimat wegen explodierender Preise nicht mehr leisten können, und weil sie sich zunehmend als Statisten im Urlaubsfilm der Gäste fühlen.

Immer mehr Menschen möchten nachhaltig reisen

Was als positive Demokratisierung des früher elitären Reisens begann, wird heute als Over-Tourism gefürchtet, dessen Konsequenzen auch für die Umwelt beträchtlich sind. Doch die Trendwende hat begonnen.

Viele Reisende wünschen sich authentische und nachhaltige Urlaubserlebnisse, die Alltag und Kultur einer Destination erlebbar machen und echten Kontakt mit Land und Leuten ermöglichen. Dazu verstärken die immer deutlicher sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels den Wunsch nach umweltschonenden Reiseformen.

In Anlehnung an den Begriff veganer Ernährung mit klimaschonendem Verzicht auf tierische Produkte ist die Wortschöpfung des „terranen" Reisens entstanden: mit Bodenhaftung und ohne Flugstunden.

Der wachsende Trend zu dieser Form des umweltverträglicheren Reisens beschert der Eisenbahn neue Popularität.

Im Schlaf ans Ziel

Das Reisen auf Schienen ermöglicht eine bewusste Annäherung ans Ziel, wirkt durch das Betrachten wechselnder Landschaften vor den Fenstern entschleunigend oder sogar meditativ und ist klimaschonender als die Fortbewegung im Flugzeug.

Ob der Klassiker Interrail, der Nachtzug nach Italien oder Kroatien oder eine Fahrt mit dem glamourösen (und kostspieligen) Venice Simplon-Orient-Express: Das Reisen mit der Bahn besitzt neben dem Reiz relativer Langsamkeit auch einen guten Schuss Glamour.

Wo das Land endet, bieten Fähren die Möglichkeit, nachhaltiger, langsamer und bewusster ans Ziel zu kommen. Fernradwege und Fernwanderrouten potenzieren diese Aspekte: Der Weg wird zum Ziel, der Blick fürs Detail schärft sich, eine Region wird intensiver erlebt.

Und: Je langsamer die Fortbewegung, desto mehr Raum öffnet sich für Begegnungen mit Einheimischen. Terranes Reiseverhalten schont nicht nur die Umwelt, es verspricht auch Freiheit, eine Prise Abenteuer und intensiven Kontakt mit dem Gastland.

Neue Fernradwege und alte Pilgerpfade

Auf terranes, nachhaltiges Reisen spezialisierte Veranstalter befördern den Trend ebenso wie ein Netz von Fernradwegen in Europa und die Wiederentdeckung uralter Pilgerpfade. Man muss keiner Kirche angehören, um auf ihnen die meditative Wirkung des Wanderns zu erfahren, und es muss auch nicht immer der beliebteJakobsweg sein.

Intensives Erleben der Landschaft und der Kontakt mit Menschen, die man unterwegs kennenlernt, garantieren beim Reisen zu Fuß oder per Fahrrad eine unvergessliche Zeit.