Diese Antillen-Insel besitzt mehr Kakteen als Palmen - und ist der wärmste Fleck der Niederlande

Prachtvolle Strände, eine farbenfrohe Hauptstadt und die karge Schönheit des Christoffel-Nationalparks halten die Lebensfreude auf der Karibik-Insel auf hohem Niveau. Nun hat sie sich auch noch für die Fußball-WM qualifiziert.

Die farbenfrohen Fassaden ihrer Handelshäuser sind das Markenzeichen der Hauptstadt. Foto: Tilo Grellmann/Adobe Stock
Die farbenfrohen Fassaden ihrer Handelshäuser sind das Markenzeichen der Hauptstadt. Foto: Tilo Grellmann/Adobe Stock

Karibische Traumstrände machen Curaçao, ein eigenständiges Land im Königreich der Niederlande, zum äußerst attraktiven Winterziel. Die schönsten Buchten mit puderweißem Sand an türkisfarben leuchtendem Meer liegen im Nordwesten der Insel. Und natürlich gibt es auch Palmen. Aber noch viel mehr Kakteen. Die 60 Kilometer vor der Küste Venezuelas gelegene Insel ist trocken und karg; nur selten regnet es.

Giftige Reptilien sind unbekannt. Dafür sonnen sich auf Mauern und Parkplätzen Iguanas: bis zu einem Meter lange, zackig gemusterte kleine Drachenwesen, die vegetarisch leben und bisweilen in den Kochtöpfen der Insulaner landen.

Iguana-Eintopf? Absolut dushi

Iguana-Eintopf ist eine der Spezialitäten der Inselküche, die ihre Wurzeln in der Ära der Sklaverei haben. Wer die Kaktussuppe probiert, stellt fest: Die Konsistenz ist ein wenig schleimig, der Geschmack aber „dushi“: Das bedeutet im kreolischen Idiom „Papiamentu“ schmackhaft, aber auch schön, nett, freundlich und heiter - es passt hier also fast immer.

Derzeit ist die Stimmung besonders dushi, denn Curaçao hat sich zum ersten Mal und noch dazu als kleinstes Land für die Fußball-WM qualifiziert. Das hat noch kein Land mit weniger Einwohnern - auf Curaçao leben 156.000 Menschen - geschafft.

Traumstrände sind ein weiteres Markenzeichen der Insel. Foto: Simon Dannhauer / Adobe Stock
Traumstrände sind ein weiteres Markenzeichen der Insel. Foto: Simon Dannhauer / Adobe Stock

Curaçaos Haupteinnahmequellen sind der Tourismus, eine (uralte und recht marode) Raffinerie, der Hafen und das Bankwesen. Zudem kann die Insel-Kapitale auf eine lange Geschichte verweisen. Das beweisen die älteste durchgängig genutzte Synagoge der Welt und die historischen Festungsmauern am Meer.

Queen Emma gehört ganz den Flaneuren

Mit der 1888 erbauten Queen Emma-Bridge, die seit 1975 für Fußgänger reserviert ist und für den Schiffsverkehr mehrmals am Tag zur Seite gefahren wird, besitzt Willemstad auch jenseits der in Bonbonfarben leuchtenden alten Handelskontore eindrucksvolle Bauten.

Die Insel, die den Holländern aufgrund ihrer Kargheit ernst wertlos erschien, so dass sie sie nur als Umschlagplatz für Sklaven nutzten, besitzt reiche Natur. Das Gebiet rund um den 375 Meter hohen Christoffel Mountain ist als Nationalpark geschützt: 2300 Hektar zerklüfteter Hügel und trockener Vegetation unter sengender Sonne.

Begegnung mit Iguanas und seltenen Hirschen

Schweine, Eseln und Ziegen zählen neben endemischen Vögeln wie dem Curaçao-Falken und der Curaçao-Schleiereule sowie den unvermeidlichen Iguanas zur Fauna des Parks; sie sind Abkömmlinge der Tiere, die spanische Seefahrer einst als lebendiges Vorratslager aussetzten.

Nur 250 Exemplare der Christoffel Deer genannten Weißwedelhirsche leben rund um den Christoffel Mountain. Frühmorgens und am Nachmittag sind die Chancen, die scheuen Tiere zu sehen, am größten. Dann tritt vielleicht ein Hirsch aus dem Gebüsch, hinter sich ein paar weibliche Tiere, die misstrauisch mit den Ohren zucken. Tritt ein Wanderer dann auf einen Zweig oder bewegt sich plötzlich, verschwinden die Tiere im Unterholz.