Die längste Fährfahrt ab Kiel endet an einem Ostsee-Juwel, das nicht viele Deutsche kennen
21 Stunden auf dem Meer, Erwachen in einer anderen Welt: Aus Norddeutschland führt eine direkte Fährverbindung über Nacht in eine der schönsten Gegenden des Baltikums.

Am Nachmittag legt das Schiff ab, am nächsten Mittag ist das Ziel erreicht. Dazwischen: eine Nacht in der Kabine, lange Stunden auf See und - je nach Wetter - freier Blick auf nichts als Meer und Horizont.
Kreuzfahrt-Flair als Urlaubsauftakt
Damit ist diese Route die längste der drei großen direkten Fährverbindungen ab Kiel. Nach Oslo dauert die Überfahrt mit Color Line rund 20 Stunden, nach Göteborg mit Stena Line etwa 14 Stunden.
Die litauische Verbindung wird sechsmal pro Woche gefahren; Autos, Motorräder und Wohnmobile können mit an Bord. Restaurants, Bars und Cafés sorgen dafür, dass die lange Seepassage das Flair einer Kreuzfahrt entwickelt - einer kurzen.
Am nächsten Tag taucht Klaipėda am Horizont auf. Die Hafenstadt an der litauischen Ostseeküste ist das Ziel der Reise - und zugleich Ausgangspunkt für eine Landschaft, die zu den ungewöhnlichsten des Baltikums gehört.
Kurzer Weg zur Kurischen Nehrung
Noch einmal aufs Wasser? Von Klaipėda ist es nur eine kurze Fahrt mit der kleinen Fähre nach Smiltynė. Hier beginnt die Kurische Nehrung, eine 98 Kilometer lange, schmale Landzunge zwischen Ostsee und Kurischem Haff.

So bildete die lange Überfahrt den Auftakt zu einer Reise, die nach der Ankunft noch spannender wird: Von der Ostsee geht's direkt in die Dünenlandschaft der Kurischen Nehrung.
Kiefernwälder, mächtige Dünen und lange Sandstrände prägen die Landschaft, die zum UNESCO-Welterbe gehört.
Von Smiltynė führen Busse weiter in die Orte Juodkrantė, Preila und Nida. Das Litauische Meeresmuseum ist gleich am Anfang der Halbinsel zu finden.
Nida ist der bekannteste Ort auf der litauischen Seite der Kurischen Nehrung und liegt unmittelbar an der Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad.
Thomas Mann verbrachte hier drei Sommer
Sehenswert sind die großen Wanderdünen, die farbenfrohen historischen Fischerhäuser und natürlich das Thomas Mann-Haus.

Der Schriftsteller ließ es als Ferienhaus für seine Familie bauen und verbrachte hier die Sommer der Jahre 1930 bis 1933. Seinen letzten Nida-Urlaub verlebte er hier wenige Monate nach der Machtergreifung der Nazis, als er Deutschland bereits verlassen hatte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte das Haus mit dem Rest der Nehrung unter sowjetische Verwaltung. Fünf Jahre, nachdem Litauen die Unabhängigkeit von der Sowjetunion wiedererlangt hatte, wurde es 1995 als Museum eingerichtet.
Zeit für Klaipėda und seine Geschichte
Auch für Klaipėda sollte Zeit bleiben. Rund um den Theaterplatz erstreckt sich die schön rfestaurierte historische Altstadt, an der Danė liegt das Segelschiff „Meridianas", eines der Wahrzeichen der Stadt. Alte Speicher und Hafenanlagen zeugen von der langen maritimen Geschichte Klaipėdas.