Deutschlands kleinste bewohnte Insel liegt in Niedersachsens größtem See

Mitten im Steinhuder Meer liegt ein winziges, künstlich angelegtes Inselchen mit erstaunlicher Geschichte. Ein experimentierfreudiger Graf baute hier eine massive Festung - und träumte von fantastischen Fahrzeugen.

Große Kulisse für kühne Träume: Das Steinhuder Meer ist Niedersachsens größter See. Foto: Pixabay
Große Kulisse für kühne Träume: Das Steinhuder Meer ist Niedersachsens größter See. Foto: Pixabay

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: Rund 30 Minuten dauert die Fahrt mit dem Ausflugsboot über Niedersachsens größten See, bis sich die Festung über dem Wasser erhebt. Das gerade einmal 1,25 Hektar große Eiland gilt mit vier Einwohnern als Deutschlands kleinste bewohnte Insel.

Seine Entstehung verdankt Wilhelmstein Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. Aus Angst um die Sicherheit seines kleinen Territoriums ließ er ab 1761 mitten im See eine Festung bauen. Das Baumaterial wurde mit Booten herangeschafft: bis zu 1800 Liter Gestein pro Fahrt.

Winzig, aber wehrhaft dank 50 Kanonen

Vier Jahre lang entstand so das Fundament, anschließend wurde die Festung errichtet. Ursprünglich bestand die Anlage aus einer Hauptinsel und 16 kleineren künstlichen Inseln, die später miteinander verbunden wurden.

Wilhelm begründete hier eine Kadettenschule und ließ 50 Kanonen zur Verteidigung seines Territoriums heranschaffen.

50 dieser Kanonen vermittelten dem Grafen ein Gefühl von Sicherheit. Foto: Pixabay
50 dieser Kanonen vermittelten dem Grafen ein Gefühl von Sicherheit. Foto: Pixabay

Heute geht es auf Wilhelmstein nicht mehr um militärische Verteidigung, sondern um eindrucksvolle Geschichte, wunderschöne Lage und außergewöhnliche Inselatmosphäre. Die Festung lässt sich bei Führungen erkunden.

Amphibienfahrzeug und U-Boot-Träume

Dabei wird auch von den technischen Ideen des Grafen erzählt, der sich nicht mit Kanonen und Befestigungsanlagen zufriedengab.

Er experimentierte mit ungewöhnlichen Waffen, konstruierte ein zerlegbares Boot und entwickelte zusammen mit dem Ingenieur Jakob Chrysostomus Praetorius ein Amphibienfahrzeug. Allerdings kam dieses für die Fortbewegung auf Land und Wasser gedachte Gefährt über das Planungsstadium nicht hinaus.

Die Festungsinsel sollte den Kleinstaat Schaumburg-Lippe verteidigen. Foto: Christian Schd/Wikipedia
Die Festungsinsel sollte den Kleinstaat Schaumburg-Lippe verteidigen. Foto: Christian Schd/Wikipedia

Der „Steinhuder Hecht“ hingegen, das womöglich erste U-Boot der Welt, brachte es immerhin zum Prototyp: Ein Modell soll mit acht Personen an Bord zwölf Minuten unter Wasser geblieben sein.

Das eigentliche, mehr als 30 Meter lange Boot wurde vermutlich nie vollständig gebaut. Heute erinnern ein Modell und historische Darstellungen an das außergewöhnliche Projekt.

Hochzeit in der einstigen Festung

Am 10. September 1777 starb Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. Seine Festung aber blieb bestehen. Erst 1867 endet ihre militärische Nutzung. Wilhelmstein entwickelt sich von da an zunehmend zu einem Ausflugsziel.

Bereits um 1900 kamen Besucher auf die Insel. Im selben Jahr wurde hier zum ersten Mal eine erste Ehe geschlossen - und bis heute ist dies ein beliebter Ort für Trauungen. Längst gehören auch ein Hotel, ein Café, ein Souvenirladen und ein kleiner Strand zu ihren Attraktionen.

Flotte Anreise ab Hannover

Der Anleger in Steinhude ist von Hannover aus mit dem Auto in einer halben Stunde zu erreichen; vom Hauptbahnhof in Hannover schaffen es die Busse 710 und 711 genauso flott.