Champagner für den Untergang: Der letzte Halt der Titanic in Festland-Europa

Der Hafen von Cherbourg war einst eines der Tore Europas nach Amerika. Die Titanic nahm hier bei ihrem letzten Halt auf dem europäischen Kontinent rund 280 Passagiere auf – und eine Ladung Schaumwein.

Einst war Cherbourg eines der Tore Europas nach Amerika - und der letzte Festland-Halt der Titanic. Foto: Adobe Stock
Einst war Cherbourg eines der Tore Europas nach Amerika - und der letzte Festland-Halt der Titanic. Foto: Adobe Stock

Es war der schickste Seebahnhof, den man sich vorstellen konnte. Die Züge aus Paris fuhren direkt bis in die Halle des Passagierschiffterminals. Trockenen Fußes gingen die Passagiere vom Eisenbahnabteil durch den Art-Déco-Bau bis an Bord der Zubringerboote, die sie zu den großen Schiffen in der Mitte des Hafenbeckens von Cherbourg schaukelten.

Liz Taylor und Robert Mitchum gehörten zu den glamourösen Reisenden, die die schnelle Verbindung zwischen Paris und New York gerne nutzten.

Das See-Terminal wurde von der Zeit überholt

Den Gesetzen der Ironie folgend, begann der Stoßverkehr über den Atlantik
abzuebben, bald nachdem das neue, dekorativ im Art Déco-Stil erbaute See-Terminal 1927 eröffnete. Während des Zweiten Weltkriegs sollten nur wenige Schiffe verkehren, der U-Boot-Krieg machte die Ozeanquerung hochriskant. Nach dem Krieg kam auch der schnellste Dampfer nicht mehr gegen die Konkurrenz des sich entwickelnden Luftverkehrs an.

In der restaurierten Zollhalle beginnt heute die Dauerausstellung über den
letzten Halt der Titanic auf dem Kontinent. Der im transatlantischen Fährhafen gelegene Meeres-Themenpark „Cité de la Mer“ besaß bei der Eröffnung der Titanic-Ausstellung bereits ein fast elf Meter hohes Aquarium – damals das größte in Europa - und mit der „Le Redoutable“ zudem das größte zu besichtigende Atom-U-Boot der Welt.

Faszination einer Katastrophe

Zum100. Jahrestag der Havarie im April 2012 schenkte es sich die Dauerausstellung mit dem Titel „Die Rückkehr nach Cherbourg". Mit der Mischung des Mythos aus Glamour, menschlicher Hybris und unvorstellbarem
Schrecken übt die Geschichte dieser Havarie eine Faszination aus, der die Zeit anscheinend nichts anhaben kann.

Ein weiteres Mal sollte die Titanic vor der verhängnisvollen Kollision mit einem Eisberg im Nordatlantik vor Anker gehen: Im irischen Queenstown, das heute Cobh heißt. Hier wurden am 11. April 1912 weitere Passagiere aufgenommen.

Belfast erzählt die Geschichte am Entstehungsort

Mit der irischen Insel war das Schiff ohnehin eng verbunden, denn sie war in Belfast in Nordirland vom Stapel gelaufen. Die Werft Harland & Wolff baute mehrere Luxusliner, darunter auch die Schwesternschiffe der Titanic. Auf dem Werftgelände befindet sich das sehr eindrucksvolle Museum Titanic Belfast.

Für Cherbourg ist die Dauerausstellung ein wichtiger Tourismusfaktor. Die Geschichte der an der Nordspitze der Halbinsel Cotentin gelegenen Stadt mit rund 40.000 Einwohnern ist eindrucksvoll: Die erste Kirche auf dem Grund der heutigen Basilique de la Trinité ließ William der Eroberer bauen.

England gegenüber gelegen, wurde die Stadt im Hundertjährigen Krieg sechs Mal zwischen den Krieg führenden Parteien hin- und hergereicht. Ab 1450 blieb sie bei Frankreich. Ludwig XIV. ließ den Militärhafen anlegen, aus dem nach diversen Baumaßnahmen unter anderem durch Napoléon eine der weitesten Reeden der Welt wurde.