Aus der Mitte entspringt ein Fluss: Am idyllischen Ursprungsort des Rheins
Deutschlands längster Strom entspringt unter seinem Geburtsnamen Rein da Tuma in Graubünden. So will es die Tradition - die Geografie erlaubt weitere Interpretationen. Doch die Alpen bei Sedrun besitzen noch mehr Trümpfe.

Nach gut einstündiger Wanderung vom Oberalppass ist die Rheinquelle am Tomasee erreicht. Auf 2344 Metern Meereshöhe liegt der 300 Meter lange See dekorativ zwischen Bergen. Sogar Enzian blühte entlang des Weg. Kein Zweifel: Der Ursprung des Rheins ist eine klassische Schweizer Idylle.
Ein roter Leuchtturm auf 2046 Metern
Eine Nachbildung des roten Leuchtturms, der einst an der Mündung des Rheins rund 1233 Kilometer von hier bei Hoek van Holland wachte, beflügelte schon am Startpunkt am Oberalppass die Vorstellung eines einheitlichen Flusslaufs von der Quelle bis zum Delta. Seit dem Jahr 2010 steht der Turm hier auf 2046 Metern über dem Meer, während das Original im Seefahrtsmuseum in Rotterdam seinen Alterssitz bekommen hat.
Doch nichts ist so einfach, wie es scheint - auch nicht in der Geografie. Denn der Rhein sprudelt nicht aus einer einzigen Quelle, sondern speist sich aus mehreren Hauptquellflüssen: dem längeren Vorderrhein, der sich am Tomasee auf den Weg macht, und dem Hinterrhein, der am Paradiesgletscher entspringt. Die beiden vereinigen sich bei Chur und fließen gemeinsam in Richtung Bodensee.
Unklare Herkunftsverhältnisse
Traditionell aber gilt die Stelle, an der der Rein da Tuma den Tomasee verlässt, als Ursprungsort des Flusses - obwohl der Hinterrhein mehr Wasser führt, was ebenfalls ein Kriterium zur Bestimmung der Herkunftsverhältnisse sein kann. Doch es wird noch komplizierter, wenn man die Länge zugrunde liegt: Der längste Quellfluss ist der Rein da Medel, der in den Kantonen Tessin und Graubünden verläuft.
Wird Geschichte zumeist von den Siegern geschrieben, hat in der Geografie eben ab und zu die Tradition das Sagen. Und die verortet den Ursprung des Rheins seit Jahrhunderten im Tomasee. Daher glaubt man in der Region fest daran, dass jeder, der am Rhein heimisch ist, einmal im Leben dessen Quelle besuchen sollte. Das betrifft eine Menge Menschen in Deutschland, legt der Rhein doch etwa 865 seiner 1233 Kilometer auf deutschem Staatsgebiet zurück.
Die kleinste Nusstorte der Welt
Auch in der Umgebung strebt man nach Superlativen. Sedrun nennt sich voller Stolz das erste Dorf an der Rheinquelle. Ein Konditor des Ortes rühmt sich, die kleinste Nusstorte der Welt herzustellen: eine Miniatur-Version der klassischen Graubündner Nusstorte, die in der Jackentasche wenig mehr Platz in Anspruch nimmt als der Skipass.
Und auch Kultur passt zwischen die Berge. Die Benediktinerabtei mit der Klosterkirche St. Martin dominiert seit 700 Jahren das nahe gelegene Dorf Disentis. Seit jeher hat das Kloster Disentis Pilger aufgenommen und Wissen bewahrt. Mit Gymnasium, Hotel, Restaurant und Klostermuseum ist die Abtei, die seit dem 17. Jahrhundert in barocker Pracht erstrahlt, noch immer ein kulturelles und touristisches Zentrum.
Verpassen Sie nicht die neuesten Nachrichten von Meteored und genießen Sie alle unsere Inhalte auf Google Discover völlig KOSTENLOS
+ Folgen Sie Meteored