An den Ufern von Vézère und Dordogne ist das Leben entspannt - nur nicht für den Kommissar

Dichte Wälder, mittelalterliche Dörfer und viel Wasser bilden im Südwesten Frankreichs die Kulisse für Ruhe und kulinarische Genüsse. Krimi-Autor Martin Walker inspirierte der tiefe Frieden trotzdem zur literarischen Verbrecherjagd.

Wälder und Wasser: Eine mittelalterliche Brücke verbindet die Ufer der Dordogne. Foto: Adobe Stock
Wälder und Wasser: Eine mittelalterliche Brücke verbindet die Ufer der Dordogne. Foto: Adobe Stock

Geduldig wartet das Dorf Saint-Amand de Coly, bis die Sonne es über den Hügel schafft und sein Dutzend alter Häuser, die Weiden und die Abbaye Saint-Amand in warmes Morgenlicht taucht. Dann leuchten die Mauern der ab 1200 erbauten Kirche, in denen noch die Spuren von Kanonenschüssen aus dem Hundertjährigen Krieg Frankreichs mit England zu erkennen sind, und im Café gegenüber nehmen die ersten Gäste Platz.

Ein Dutzend der schönsten Dörfer Frankreichs

Der im Tal versteckte Sprengel mit der mächtigen, von einer Ringmauer befestigten Kirche wurde als eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“ ausgezeichnet.

Dabei sind weder die weltentrückte Lage noch die intakte historische Bausubstanz im Périgord außergewöhnlich. Nicht umsonst besitzt die Region im Südwesten des Landes gleich ein Dutzend mit diesem Siegel prämierte Dörfer.

Auch Saint-Léon-sur-Vézère ist eines von ihnen. Mit der ältesten romanischen Kirche des Périgords am Fluss, einer aus Feldsteinen erbauten Burg aus dem 14. Jahrhundert, einem kleinen Gourmet-Restaurant und einem Dutzend Häuser ist auch dieses Dorf so malerisch, dass man sich auf der Stelle hier niederlassen oder es wenigstens malen möchte.

Nirgends in Europa gibt es so viele mittelalterliche Burgen

Nirgends sonst in Europa sind so viele Burgen und Dörfer aus dem Mittelalter erhalten wie an den Ufern von Vézère und Dordogne. Dichte Wälder verstärken den Zauber der uralten Landschaft. Dabei ist es nicht lange her, dass viele der alten Höfe und Schlösser ihrem Verfall entgegen bröselten, weil die Jugend dem Magnetismus der Hauptstadt erlag.

Dafür erfüllten sich Briten, Niederländer und auch einige Deutsche den Traum vom Anwesen zwischen Lavendelbüschen, Wald und Gänseweiden. Sie restaurierten Häuser, füllten ihre Küchenregale mit Gläsern voller Gänseleberpastete und entkorkten abends einen Rosé oder Rotwein.

Martin Walker erfand hier seinen Kommissar Bruno

Einer von ihnen war der schottische Journalist Martin Walker. Er schrieb mehr als ein Dutzend Krimis über seine Wahlheimat, in denen er den Kommissar und Genießer Bruno in Saint-Dénis ermitteln lässt. Nach Angaben Einheimischer ist er nach einer realen Persönlichkeit geformt; das Städtchen Saint-Dénis hingegen hat Walker erfunden.

Und auch die Kriminalfälle, die er seinem Bruno aufgibt, stehen in geradezu surrealem Kontrast zum ländlichen Frieden einer Region, in der nur das Federvieh um sein Leben fürchten muss.

Auf Wiesen schnattern Enten und Gänse, die zum Glück nicht ahnen, dass man es auf ihre Leber abgesehen hat. Das Périgord ist eine Hochburg der in Frankreich zum Kulturerbe gehörenden Foie gras. Mittlerweile gibt es Alternativen zur Zwangsfütterung, nämlich die nachträgliche Anreicherung der Leber mit Fett oder die - zeitintensive - freiwillige Völlerei der Tiere.

Bio-Essen in den Schulen der Region

Auch die übrigen Teile des Geflügels werden annähernd rückstandslos filetiert, gebraten, geschmort, zu Pasteten und Terrinen verarbeitet. Die umfängliche Verwertung erlaubte der Region, als erste in Frankreich das Essen in Schulen ganz auf heimische Bio-Erzeugnisse umzustellen.

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