Warum sich globale Katastrophen womöglich alle 27,5 Millionen Jahre wiederholen

Massenaussterben, gewaltige Vulkanausbrüche und abrupte Umweltkrisen könnten Teil eines uralten Musters sein. Eine neue Untersuchung legt nahe, dass sich viele der größten Katastrophen der Erdgeschichte in regelmäßigen Abständen wiederholen.

Schon seit Langem fragen sich Wissenschaftler, ob sich die großen Ereignisse der Erdgeschichte in regelmäßigen Abständen wiederholen. Bild: NASA/ART002-E-23895
Schon seit Langem fragen sich Wissenschaftler, ob sich die großen Ereignisse der Erdgeschichte in regelmäßigen Abständen wiederholen. Bild: NASA/ART002-E-23895

Seit Jahrzehnten beschäftigt Geologen eine ungewöhnliche Frage: Treten die größten Katastrophen der Erdgeschichte tatsächlich zufällig auf – oder folgen sie einem verborgenen Takt? Eine neue Studie liefert nun neue Hinweise darauf, dass zwischen vielen dramatischen Ereignissen ein gemeinsamer Rhythmus bestehen könnte.

Im Mittelpunkt steht ein Zeitraum von rund 27,5 Millionen Jahren. Nach Ansicht des Geologen Michael Rampino von der New York University häufen sich in diesen Abständen außergewöhnliche Veränderungen, die von Massenaussterben über gewaltige Vulkanausbrüche bis hin zu tiefgreifenden Veränderungen der Ozeane reichen.

Ein Muster über 260 Millionen Jahre

Für seine Untersuchung wertete Rampino bereits veröffentlichte Datensätze mit aktualisierten Altersbestimmungen aus. Insgesamt flossen 89 bedeutende geologische Ereignisse der vergangenen 260 Millionen Jahre ein, darunter marine Massenaussterben, Phasen mit sauerstoffarmen Ozeanen, riesige Flutbasalt-Ausbrüche, Meeresspiegelschwankungen sowie Veränderungen der Plattentektonik und des Vulkanismus.

Neben dem großen Rhythmus von 27,5 Millionen Jahren scheint es auch einen etwas schwächeren Zyklus zu geben. Bild: NASA/ART002-E-24002
Neben dem großen Rhythmus von 27,5 Millionen Jahren scheint es auch einen etwas schwächeren Zyklus zu geben. Bild: NASA/ART002-E-24002

Die statistischen Analysen zeigen eine besonders deutliche Wiederkehr nach etwa 27,5 Millionen Jahren. Daneben fanden sich Hinweise auf einen schwächeren Zyklus von ungefähr 8,9 Millionen Jahren.

Die Studie sagt jedoch ausdrücklich, dass nicht ein Ereignis das nächste auslöst. Stattdessen könnten verschiedene Systeme der Erde gleichzeitig dieselben langfristigen Prozesse beeinflussen. Welche Prozesse das sind, ist allerdings weiterhin unklar.

Die Erde als eigener Taktgeber?

Eine mögliche Erklärung liegt tief unter unseren Füßen. Im Erdmantel zirkuliert heißes Gestein in extrem langsamen Konvektionsströmungen. Veränderungen dieser Strömungen oder das Aufsteigen sogenannter Mantelplumes könnten Vulkanismus, Gebirgsbildung und die Bewegung der Kontinentalplatten beeinflussen.

Da all diese Prozesse eng miteinander verknüpft sind, könnten Störungen im Erdinneren langfristig Auswirkungen auf Oberfläche, Klima, Ozeane und schließlich auch auf die Entwicklung des Lebens haben.

Verschiedene Ursachen kommen infrage, so etwa Konvektionsströmungen im Erdinneren oder die Bewegung der Erde durch den Weltraum. Bild: NASA/ART002-E-23587
Verschiedene Ursachen kommen infrage, so etwa Konvektionsströmungen im Erdinneren oder die Bewegung der Erde durch den Weltraum. Bild: NASA/ART002-E-23587

Eine weitere Hypothese ist, dass langfristige Veränderungen der Erdbahn Klima und Meeresspiegel beeinflussen. Dadurch werden gewaltige Mengen Wasser, Eis und Sedimente umverteilt, was den Druck auf Erdkruste und oberen Mantel verändern und die Plattentektonik beeinflussen könnte.

Der Einfluss der Milchstraße

Rampino diskutiert außerdem unsere eigene Galaxie als Ursache. Denn während das Sonnensystem das Zentrum der Milchstraße umkreist, bewegt es sich regelmäßig ober- und unterhalb der galaktischen Ebene. Diese Durchgänge könnten mit den geologischen Zyklen zeitlich zusammenfallen.

Einige Forscher vermuten, dass dabei Kometen aus der fernen Oortschen Wolke gestört werden und dadurch häufiger große Asteroiden Richtung Erde gelangen. Selbst ein möglicher Einfluss Dunkler Materie wird diskutiert. Beide Ideen lassen sich bisher jedoch nicht direkt belegen.

Auch mehrere große Einschlagskrater passen zeitlich grob zum vermuteten 27,5-Millionen-Jahre-Rhythmus. Rampino sieht darin einen interessanten Hinweis, gibt jedoch auch zu, dass daraus kein ursächlicher Zusammenhang abgeleitet werden kann.

Ob der vermutete Zyklus tatsächlich existiert, muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt offenbleiben. Geologische Daten über Hunderte Millionen Jahre sind lückenhaft und Altersbestimmungen werden mit zunehmendem Alter ungenauer. Auch statistische Muster können sich mit neuen Daten wieder auflösen.

Dennoch hält Rampino die Hinweise inzwischen für belastbarer als noch vor Jahrzehnten. „Obwohl diese Ideen noch weitgehend außerhalb des Mainstreams des heutigen geologischen Denkens liegen, könnten sie die ersten Schritte zu einem wichtigen konzeptionellen Durchbruch in den Geowissenschaften sein.“

Sollte sich der periodische Charakter sowie der astronomische Zusammenhang bestätigen, wären die größten Katastrophen der Erdgeschichte womöglich keine isolierten Zufälle, sondern wiederkehrende Kapitel einer sehr langen planetaren Geschichte.

Artikelreferenz

Rampino, M. R. (2026). The temporal characteristics of the geologic record: Global correlations and similar multi-million-year cycles of major geologic events with potential internal-Earth versus astronomical pacing. Evolving Earth.