Superflares auf der Sonne? Neue Studie zeigt verheerendes Potenzial unseres Heimatsterns auf
Ist unsere Sonne ein Stern mit gewaltiger Sprengkraft? Denn prinzipiell wäre auch die Sonne zu sogenannten Superflares fähig, wie ein riesiger Sonnenfleck aus dem Jahr 1947 zeigt. Die extremen Ausbrüche wären für die Erde technisch hochriskant.

Die Sonne ist keineswegs ein ruhiger Stern. Immer wieder schleudert sie energiereiche Teilchen und Strahlung ins All. Treffen solche Teilchen auf die Erde, können sie Satelliten beeinträchtigen, Stromnetze gefährden und Funkverbindungen stören. Wie mächtig solche Ereignisse sein können, zeigte das Carrington-Ereignis von 1859: Polarlichter waren bis in die Karibik sichtbar, in Telegrafenstationen kam es zu Funkenüberschlägen.
Noch extremer wären Superflares – gigantische Entladungen auf der Sonnenoberfläche, bei der ebenfalls Teilchen fortgeschleudert werden. Diese Plasmaeruptionen setzen mehr Energie frei als Billionen Wasserstoffbomben und wurden bisher nur auf fernen Sternen beobachtet. Forschende des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und der University of Colorado haben nun herausgefunden, dass das theoretisch auch auf der Sonne passieren kann.
„Unsere Sonne hat Superflare-Potenzial“, erklärt MPS-Forscherin Natalie Krivova, die Hauptautorin der neuen Studie. „Sie kann massive Sonnenflecken erzeugen, die prinzipiell als Ausgangspunkt für die extremsten Strahlungsausbrüche dienen können.“
Blick auf andere Sterne
Dass man Energie von Sonneneruptionen direkt messen konnte, war erst seit Beginn des Raumfahrtzeitalters vor rund 70 Jahren möglich. Seitdem wurde kein Superflare beobachtet. Für einen 4,6 Milliarden Jahre alten Stern ist dieser Zeitraum allerdings verschwindend kurz. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass auch die Sonne in großen Abständen Superflares erzeugen kann“, so Krivova. „Einen direkten Beweis gibt es jedoch nicht.“

Wichtige Vergleichswerte stammen von sonnenähnlichen Sternen. Ende 2024 konnten Wissenschaftler zeigen, dass solche Sterne ungefähr einmal pro Jahrhundert einen Superflare erzeugen. Dass es solch extreme Sonnenaktivität tatsächlich gibt, lässt sich außerdem an Baumringen und Eisarchiven ablesen, wo kurzzeitige Ausschläge radioaktiver Isotope auf ungewöhnlich starke Teilchenstürme in der Vergangenheit hindeuten. Ob dabei jeweils auch Superflares auftraten, bleibt offen.
Zurück ins Jahr 1947
Für die neue Untersuchung wertete Krivovas Team Beobachtungen des Solar Dynamics Observatory (SDO) der NASA aus den Jahren 2010 bis 2016 aus. Analysiert wurden die 300 stärksten Flares und die Größe ihrer aktiven Regionen, wo sich besonders starke und komplexe Magnetfelder befanden – mit denen wiederum Sonnenflecken verbunden sind.
„Natürlich wussten wir, dass während des Beobachtungszeitraums keine Superflares aufgetreten waren“, sagt Krivova. Der statistische Zusammenhang zwischen Energie und Größe der aktiven Region sollte ihrer Einschätzung nach jedoch auch stärkere Ereignisse repräsentieren.
Anschließend untersuchten die Forschenden Sonnenflecken aus der rund 400-jährigen Geschichte systematischer Beobachtungen. Ein außergewöhnlicher Fall war der Sonnenfleck vom April 1947. Er bedeckte etwa 0,6 Prozent der sichtbaren Sonnenscheibe und hatte einen Durchmesser von ungefähr dem 40-Fachen der Erde. Damals trat kein Superflare auf.
Die neue Analyse zeigt jedoch, dass solch ein Sonnenfleck unter seltenen Bedingungen einen verheerenden Ausbruch auslösen könnte. Das heißt, dass uns die extremsten Möglichkeiten unseres Sterns womöglich verborgen geblieben sind. Ob die Sonne schon einmal einen Superflare entfesselt hat, muss aber vorerst eine offene Frage der Sonnenforschung bleiben.
Artikelreferenz
Krivova, N., Chatzistergos, T., Kazachenko, M., & Işık, E. (2026). Empirical flare energy limits for the largest historical sunspots. Philosophical Transactions of the Royal Society A.