Planetenentstehung live: Erstmals beobachten Astronomen den Gaswirbel eines jungen Gasriesen

Astronomen konnten zeigen, wie ein junger Gasriese aus seiner protoplanetaren Scheibe hervorgeht. Radioteleskopaufnahmen belegen einen Gaswirbel um WISPIT 2b – der womöglich eine entscheidende Zwischenstufe bei der Planetenentstehung darstellt.

Falschfarbenaufnahme der protoplanetaren Scheibe um das Sternsystem WISPIT 2, die einen hellen, ringförmigen Bereich mit einem dunklen Zentrum zeigt. Rechts ist ein vergrößerter Ausschnitt hervorgehoben. Bild: M. Benisty, MPIA/ALMA
Falschfarbenaufnahme der protoplanetaren Scheibe um das Sternsystem WISPIT 2, die einen hellen, ringförmigen Bereich mit einem dunklen Zentrum zeigt. Rechts ist ein vergrößerter Ausschnitt hervorgehoben. Bild: M. Benisty, MPIA/ALMA

Planeten entstehen in sogenannten protoplanetaren Scheiben. Das sind Scheiben aus Gas und Staub, die junge Sterne umgeben. Aus den winzigen Staubkörnern entstehen zunächst kieselsteingroße Pebbles, die später zu Planetesimalen und noch später zu planetaren Körpern, den Protoplaneten, anwachsen. In gasreichen Regionen können sich massive Kerne bilden, die große Mengen Gas anziehen und zu Gasriesen heranwachsen, wie bei Jupiter und Saturn.

Direkte Bilder einzelner Zwischenschritte gab es bisher jedoch nur selten. Erst im Jahr 2014 wurden ringartige Strukturen in protoplanetaren Scheiben entdeckt, die auf junge Planeten hindeuteten. Im Jahr 2018 folgte mit PDS 70b dann das erste bestätigte Bild eines Protoplaneten in einer solchen Scheibe.

Das nun untersuchte Sternsystem WISPIT 2 liegt rund 430 Lichtjahre von der Erde entfernt. Im Jahr 2025 wurde dort der riesige Gasplanet WISPIT 2b mit dem Very Large Telescope der ESO und dem Magellan-Clay-Teleskop entdeckt. Wasserstoffemissionen zeugten davon, dass der Planet weiterhin Gas aufnimmt. Im März 2026 wurde zudem WISPIT 2c entdeckt. Im August dann folgte der Nachweis, dass sich im Zentrum des Systems zwei Sterne eng umkreisen.

Planet entsteht mit Wirbel

Für die neuesten Beobachtungen richteten Astronomen im September 2025 erstmals das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array, kurz ALMA, auf das System. Das aus 66 Radioteleskopen bestehende Observatorium kann seine Antennen so zusammenschalten, dass eine Auflösung erreicht wird, die einem einzelnen Teleskop mit bis zu 16 Kilometern Durchmesser entspricht. Erst damit ließen sich die winzigen Strukturen in der Scheibe erfassen.

Darstellungen des entstehenden Gasriesen mit unterschiedlichen Winkelauflösungen. Bild: Benisty et al., 2026
Darstellungen des entstehenden Gasriesen mit unterschiedlichen Winkelauflösungen. Bild: Benisty et al., 2026

„Wir sehen deutlich, wie beide Planeten das Gas in ihrer Umgebung beeinflussen“, sagt Dr. Myriam Benisty vom Max-Planck-Institut für Astronomie. „WISPIT 2c hat um sich herum eine Art Höhle aus Gas geschaffen, WISPIT 2b eine Lücke im Gas der Scheibe.“ Um WISPIT 2b herum fänden wir genau so eine Art von Gaswirbel, wie ihn Simulationen von Scheibe-Planet-Wechselwirkungen vorhergesagt haben. „Beobachtet wurde solch ein Wirbel allerdings nicht – aber jetzt haben wir ein Bild davon!“, so Benitsy begeistert.

Damit sind bei WISPIT 2b mehrere entscheidende Merkmale gemeinsam sichtbar: der Planet, seine ständige Ansammlung von Material (Akkretion), die protoplanetare Scheibe und die direkte Wechselwirkung zwischen Planet und Gas. Die Forscher sprechen deshalb von einer Beobachtung der Planetenentstehung „live“.

Für kommende Beobachtungen

Gaswirbel wurden auch in anderen Scheiben beobachtet, ohne dass dort ein Planet direkt nachgewiesen werden konnte. Darum war unklar, ob solche Strukturen auf verborgene Planeten hinweisen oder einfach nur durch Turbulenzen entstehen.

„Hoffentlich helfen Beobachtungen wie diese den Astronomen, in Zukunft Scheibenmerkmale, die auf die Anwesenheit eines Protoplaneten hindeuten, von solchen zu unterscheiden, die auf andere Weise zustandekommen“, sagt Prof. Stefano Facchini von der Universität Mailand.

WISPIT 2b umkreist seine beiden Zentralsterne in einer Entfernung von 57 Astronomischen Einheiten – das ist fast doppelt so weit wie die Entfernung vom Neptun zur Sonne. Kommende Instrumente wie das Extremely Large Telescope der ESO und eine noch empfindlichere Ausbaustufe von ALMA könnten dann auch Vorgänge näher am Stern untersuchen. So ließe sich besser verstehen, wie Gasriesen mitbestimmen, wie junge Planetensysteme aufgebaut sind.

Artikelreferenz

Benisty, M., et al. (2026). Mapping the WISPIT 2 Planet-Hosting Cavity at Sub-Hill-Radius scales. Astrophysical Journal Letters.