Exojupiter: Unerwartete Wassereiswolken stellen bisherige Berechnungen zum fernen Gasgiganten infrage

Wissenschaftler haben in der Atmosphäre eines fernen Jupiterzwillings erstmals Hinweise auf Wassereiswolken entdeckt. Der Fund könnte unser Verständnis von Exoplanetenatmosphären grundlegend verändern und den Weg für die künftige Lebenssuche im All ebnen.

Künstlerische Darstellung des Planeten Epsilon Indi Ab mit Wolken über seiner von Ammoniak dominierten Atmosphäre. Bild: E. C. Matthews, T. Müller (MPIA)/CC BY-SA 4.0
Künstlerische Darstellung des Planeten Epsilon Indi Ab mit Wolken über seiner von Ammoniak dominierten Atmosphäre. Bild: E. C. Matthews, T. Müller (MPIA)/CC BY-SA 4.0

Astronominnen und Astronomen haben die Atmosphäre eines massereichen Exoplaneten genauer untersucht. Der ferne Gasriese zeigt Anzeichen für Wolken aus Wassereis, die in bisherigen Berechnungen kaum berücksichtigt wurden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Planet Epsilon Indi Ab, ein Objekt, das Jupiter in vielerlei Hinsicht ähnelt.

Epsilon Indi Ab ist ein großer Gasplanet, der den Stern Epsilon Indi A im Sternbild Indus umkreist. Während bekannte Gasriesen oft nah an ihrem Stern kreisen und daher extrem heiß sind, ist dieser Planet weiter entfernt und vergleichsweise kühl.

Die Entdeckung stammt von einem Team unter Leitung von Elisabeth Matthews vom Max-Planck-Institut für Astronomie. Das Forschungsteam konnte den Planeten direkt sichtbar machen, indem es mithilfe des Mittelinfrarot-Instruments MIRI des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) das Licht des Zentralsterns ausblendete, sodass das schwache Leuchten des Planeten erfasst werden konnte.

Unserem Jupiter ähnlich

Mit Temperaturen zwischen etwa –70 und +20 Grad Celsius ist Epsilon Indi Ab zwar kühl, aber etwas wärmer als Jupiter. Die Wärme stammt vermutlich noch aus seiner Entstehungsphase.

„Dieser Planet hat eine deutlich größere Masse als Jupiter – in unserer Studie kommen wir auf 7,6 Jupitermassen –, aber der Durchmesser entspricht in etwa dem seines Verwandten im Sonnensystem.“

– Bhavesh Rajpoot, Doktorand, Max-Planck-Institut für Astronomie, Mitautor

Über die Infrarot-Wellenlängen konnten die Forschenden die chemischen Bestandteile der Atmosphäre ermitteln. Weil beim Jupiter die oberen Schichten der Atmosphäre von Ammoniakgas und Ammoniakwolken dominiert werden, dachten die Forschenden, dass Epsilon Indi Ab ebenfalls viel Ammoniakgas enthält – allerdings ohne Ammoniakwolken. Vergleichende Aufnahmen zeigten jedoch, dass weniger Ammoniak vorhanden ist als erwartet, was bisherige Annahmen zur dortigen Atmosphäre grundlegend infrage stellt.

Wolken aus Wassereis

Die plausibelste Erklärung dafür ist, dass es eine dichte, aber nicht geschlossene Decke aus Wassereiswolken gibt, ähnlich den höhergelegenen Zirruswolken in der Erdatmosphäre. Die Wassereiswolken auf Epsilon Indi Ab könnten theoretisch Teile der Atmosphäre verdecken und dadurch die Messungen beeinflussen. In vielen bisherigen Berechnungen wurden solche Wolken nicht berücksichtigt. Nimmt man sie mit dazu, macht das zwar die Simulationen erheblich komplizierter, scheint aber unabdingbar zu sein.

Diese Art von Problem ist immens spannend, und zeugt von den immensen Fortschritten, die wir dank des JWST machen. Was einst außer Reichweite unserer Beobachtungen schien, ist nun in greifbare Nähe gerückt.

„Wir können die Struktur dieser Atmosphären untersuchen, einschließlich des Vorhandenseins von Wolken“, sagt Koautor James Mang von der University of Texas in Austin. „Das eröffnet eine neue Ebene der Komplexität, die unsere Modelle erst allmählich erfassen.“ Und das wiederum öffne die Tür zu einer noch detaillierteren Charakterisierung der kalten, fernen Welten.

Auf dem Weg zur zweiten Erde

Die Exoplanetenforschung will langfristig Hinweise auf Leben außerhalb unseres Sonnensystems finden, wobei sich das Feld in den vergangenen Jahrzehnten stark weiterentwickelt hat. Zunächst lag der Schwerpunkt darauf, möglichst viele Planeten nachzuweisen; es wurden indirekte Methoden eingesetzt, die Daten zu Masse und Größe, aber kaum Detailinformationen lieferten.

Mit der Inbetriebnahme des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) im Jahr 2022 wurde eine neue Ära eingeläutet, weil Forschende seitdem Atmosphären fremder Welten genau untersuchen und deren Zusammensetzung rekonstruieren können.

Das JWST ermöglicht es uns endlich, Planeten, die denen im Sonnensystem ähneln, im Detail zu untersuchen.

„Wären wir Außerirdische, mehrere Lichtjahre entfernt, und blickten in Richtung Sonne, wäre das JWST das erste Teleskop, mit dem wir den Planeten Jupiter detailliert untersuchen könnten“, sagt Elisabeth Matthews. Und weiter: „Um solche Untersuchungen auch an der Erde vornehmen zu können, bräuchten wir allerdings noch weitaus leistungsfähigere Teleskope.“

Die Forschenden hoffen, ihre Ergebnisse bald weiter überprüfen zu können. Ein künftiges Weltraumteleskop soll beispielsweise direkt reflektiertes Licht von Wolken messen. Bis dahin bleibt das James-Webb-Teleskop das wichtigste Werkzeug. Weitere Beobachtungen sind bereits geplant, um ähnliche Planeten noch genauer zu untersuchen.

Quellenhinweis:

Matthews, E. C., et al. (2026): A second visit to Eps Ind Ab with JWST: new photometry confirms ammonia and suggests thick clouds in the exoplanet atmosphere of the closest super-Jupiter. Astrophysical Journal Letters.

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