Eine tropische Oase am trockensten Ort der Erde: Die Geheimnisse des spektakulären Astronomenbunkers in der Atacama

Mitten in der trockensten Wüste der Erde liegt ein Rückzugsort mit Bäumen, einem Swimmingpool und feuchter Luft, der für diejenigen geschaffen wurde, die ihre Nächte damit verbringen, das Universum zu beobachten.

Die „La Residencia“ am Paranal-Observatorium ist eine Oase voller Vegetation und Feuchtigkeit, die für Astronomen geschaffen wurde, die unter einem der dunkelsten Himmel der Erde arbeiten. Bildquelle: ESO.
Die „La Residencia“ am Paranal-Observatorium ist eine Oase voller Vegetation und Feuchtigkeit, die für Astronomen geschaffen wurde, die unter einem der dunkelsten Himmel der Erde arbeiten. Bildquelle: ESO.

Die Landschaft besteht aus Felsen, Staub und kahlen Bergen. Meilenweit gibt es nichts als Wüste und einen tiefblauen Himmel. Doch dann, hinter einer unscheinbaren Tür, eröffnet sich ein tropischer Garten mit Palmen, einem Swimmingpool und dem Rauschen fließenden Wassers.

Dieser Ort liegt im Norden Chiles. Er heißt „La Residencia“ und dient als vorübergehende Unterkunft für die Wissenschaftler und Ingenieure, die am Paranal-Observatorium arbeiten, einem der weltweit bedeutendsten astronomischen Zentren.

Eine Oase, die geschaffen wurde, um der Wüste zu trotzen

Auf über 2.600 Metern über dem Meeresspiegel und etwa zwei Stunden von Antofagasta entfernt kann das Leben in der Atacama-Wüste extrem sein.

Die niedrige Luftfeuchtigkeit, die intensive Sonneneinstrahlung und die Abgeschiedenheit erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen.

Aus diesem Grund hat die Europäische Südsternwarte (ESO) eine Anlage errichtet, die genau das bieten soll, was die Umgebung nicht bieten kann: Feuchtigkeit, Vegetation und Orte zum Entspannen.

Im Zentrum des Komplexes befindet sich ein großes Atrium, das von einer lichtdurchlässigen Kuppel überdacht ist. Dort wachsen tropische Bäume und Pflanzen, die dazu beitragen, ein angenehmeres Umfeld für diejenigen zu schaffen, die wochenlang im Observatorium arbeiten.

Dunkelheit ist auch ein wissenschaftliches Instrument

Wenn es dunkel wird, lautet eine der wichtigsten Regeln, jede unnötige Lichtquelle zu vermeiden. Die Teleskope am Paranal beobachten extrem lichtschwache und weit entfernte Objekte. Übermäßige Beleuchtung kann die Messungen beeinträchtigen, daher müssen sogar Fahrzeuge den Einsatz ihrer Scheinwerfer einschränken.

Was ist ein Teleskop?

Ein Instrument, das dazu dient, Licht von sehr weit entfernten Objekten zu sammeln und zu bündeln, wodurch Astronomen Sterne, Planeten, Galaxien und andere Himmelskörper wesentlich detaillierter beobachten können, als dies mit bloßem Auge möglich wäre.

Auch die Räume in der „La Residencia“ haben kleine Fenster, und viele Bereiche des Gebäudes sind nachts vollständig abgedunkelt. An einem Ort, der dem Studium der Sterne gewidmet ist, ist der Schutz der Dunkelheit genauso wichtig wie die Pflege der Teleskope selbst.

Nachts aktiv sein, um das Universum zu erforschen

Auch der Tagesablauf der Wissenschaftler sieht anders aus. Viele arbeiten, während der Rest der Welt schläft. Während einige Teams tagsüber Wartungsarbeiten durchführen und neue Beobachtungen vorbereiten, beginnen andere ihre Schichten bei Sonnenuntergang und verbringen die Nacht damit, ferne Galaxien, Sterne und Planeten zu untersuchen.

Von der Umgebung der „La Residencia“ aus lässt sich der Umriss der Milchstraße mit außergewöhnlicher Klarheit erkennen, und in manchen Nächten kann man sogar die Magellanschen Wolken mit bloßem Auge ausmachen.

Eine kleine Oase unter einem der schönsten Himmel der Welt

In Chile befinden sich rund 40 % der weltweiten Kapazitäten für astronomische Beobachtungen vom Boden aus – eine Zahl, die weiter steigen wird, sobald im Norden des Landes neue Teleskope in Betrieb genommen werden.

Inmitten dieser trockenen und scheinbar unwirtlichen Landschaft dient La Residencia als Zufluchtsort, der sogar die Aufmerksamkeit der Filmindustrie auf sich gezogen hat. Im Jahr 2008 wurden Teile der Anlage für die Dreharbeiten zu den Schlussszenen von Quantum of Solace mit Daniel Craig in der Hauptrolle genutzt.

Seine Gänge, Terrassen und die große zentrale Kuppel dienten einst als Versteck eines James-Bond-Bösewichts. Seitdem bezeichnen viele das Gebäude als die geheime Höhle der Astronomen. Bildnachweis: ESO.
Seine Gänge, Terrassen und die große zentrale Kuppel dienten einst als Versteck eines James-Bond-Bösewichts. Seitdem bezeichnen viele das Gebäude als die geheime Höhle der Astronomen. Bildnachweis: ESO.

Draußen erstreckt sich die trockenste Wüste der Erde, ein Land aus Felsen und Staub, in dem Leben kaum zu finden ist. Im Inneren hingegen gibt es Bäume, Wasser und eine Umgebung, die für diejenigen geschaffen wurde, die ihre Nächte der Erforschung des Universums widmen.

Dieser Kontrast macht „La Residencia“ zu einer kleinen Oase, in der Kosmosbeobachter neue Kraft tanken können, bevor sie ihren Blick wieder den Sternen zuwenden.

Quellenhinweis:

ESO. (2008). Un gigante de la astronomía y James Bond. Nota de prensa publicada en la web de la institución.

ESO. (2012). An Oasis for Astronomers — ESO’s Paranal Residencia Then and Now. Nota de prensa publicada en la web de la institución.