Das Leuchten der Erde: Die nächtlichen Lichter ändern sich ständig – das zeigen neueste Satellitenaufnahmen

Die Erde leuchtet nachts immer gleich hell – das hatte man jedenfalls lange geglaubt. Neue Satellitendaten zeigen jedoch, dass das künstliche Licht stark schwankt – woran sich tiefgreifende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen ablesen lassen.

Der nächtliche Blick auf die Erde, erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen menschlicher Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten. Das Bild basiert auf Satellitenaufnahmen der vergangenen zehn Jahre. Bild: Michala Garrison/NASA Earth Observatory
Der nächtliche Blick auf die Erde, erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen menschlicher Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten. Das Bild basiert auf Satellitenaufnahmen der vergangenen zehn Jahre. Bild: Michala Garrison/NASA Earth Observatory

Das nächtliche Leuchten der Erde ist der sichtbare Beweis menschlicher Aktivität auf der Erde. Städte, Straßen und Industrieanlagen zeichnen sich aus dem All als helle Muster ab, die mit zunehmender Urbanisierung immer heller werden. Aus dem Weltraum betrachtet sieht die Erdoberfläche aus wie eine Fläche aus schwarzem Marmor (Black Marble), nach dem auch die entsprechende NASA-Sammlung von Satellitenaufnahmen benannt wurde.

Künstliches Licht in der Nacht (Artificial light at night, ALAN) macht Bewegung, Zusammenkünfte und das tägliche Leben rund um die Uhr möglich. Es zeigt, wie wir unsere Siedlungen bauen und mit Energie versorgen, wie unsere Wirtschaft funktioniert und wie wir auf Krisen reagieren.

Eine neue Analyse internationaler Forschender konnte nun zeigen, dass diese Lichtmuster keineswegs gleichmäßig wachsen, sondern starken Schwankungen unterliegen. „Zum ersten Mal wurden zu diesem Zweck auf globaler Ebene tägliche Satellitenbilder verwendet“, sagt Prof. Dr. Christopher Kyba, Professor für Nachtlichtfernerkundung an der Ruhr-Universität Bochum, der an der Studie beteiligt war.

In ständiger Bewegung

Die Auswertung basiert hauptsächlich auf Daten des Suomi NPP-Satelliten der NASA, der in 824 km Höhe die Erde umkreist. Die Aufnahmen zeigen, dass in den Jahren 2014 bis 2022 die globale nächtliche Beleuchtung im Schnitt um etwa zwei Prozent jährlich zugenommen hat. Insgesamt ergibt sich ein Zuwachs von rund 16 Prozent. Doch diese Zahl verschleiert die tatsächliche Dynamik, die sich regional sehr unterschiedlich entwickelt.

Zwar ist weltweit ein Anstieg von insgesamt 16 Prozent zu verzeichnen, doch das bedeutet nicht, dass es überall zu einer Aufhellung kommt.

„In den Gebieten, in denen eine Aufhellung zu beobachten ist, stiegen die Emissionen um 34 Prozent“, erklärt Christopher Kyba. Das sei durch einen Rückgang der Emissionen um 18 Prozent in anderen Gebieten ausgeglichen worden.

Regionale Gegensätze

Besonders deutlich wird das an schnell wachsenden Ländern. In China und Indien etwa nahm die Helligkeit durch die Urbanisierung stark zu. Gleichzeitig zeigen viele Industriestaaten einen gegenteiligen Trend: Dort sorgen effizientere LED-Technik und Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung für abnehmende Emissionen.

Europa verzeichnete insgesamt einen leichten Rückgang der nächtlichen Beleuchtung um vier Prozent. Der Wert des Satelliten steht jedoch im Kontrast zur subjektiven Wahrnehmung des menschlichen Auges.

„In Deutschland blieben die Lichtemissionen trotz lokaler Veränderungen insgesamt konstant“, berichtet Kyba. „Während in einigen Gebieten des Landes die Lichtemissionen um 8,9 Prozent anstiegen, sanken sie in anderen Gegenden um 9,2 Prozent ab.“

Zwischen Krisen und Politik

Neben langfristigen Trends spiegeln die Daten auch bestimmte Ereignisse wider. Besonders drastisch zeigt sich das in der Ukraine, wo nach Beginn der russischen Angriffe ein starker Rückgang der Beleuchtung registriert wurde.

Globale Muster der Veränderungen der ALAN-Strahlungsintensität von 2014 bis 2022. Bild: Li et al., 2026
Globale Muster der Veränderungen der ALAN-Strahlungsintensität von 2014 bis 2022. Bild: Li et al., 2026

Auch politische Entscheidungen beeinflussen das nächtliche Licht. In Frankreich etwa ist die Helligkeit um 33 Prozent gesunken, da viele Kommunen Straßenbeleuchtungen nach Mitternacht abschalten.

Solche Maßnahmen dienen sowohl dem Energiesparen als auch dem Schutz vor Lichtverschmutzung. Sie zeigen, dass politische Steuerung direkt das Erscheinungsbild der Erde verändert.

Tägliche Aufnahmen verbessern Analyse

Ein entscheidender Fortschritt der Studie liegt in der Auswertung täglicher Daten. Frühere Analysen basierten meist auf Monats- oder Jahreswerten, wodurch kurzfristige Veränderungen kaum sichtbar waren. „Bislang wurde noch keine globale Analyse unter Verwendung der nächtlichen Daten in voller Auflösung durchgeführt“, fasst Kyba zusammen.

Hinzu kommt ein neu entwickelter Algorithmus, der den Blickwinkel des Satelliten berücksichtigt. Das beeinflusst die Helligkeitsmessung erheblich und wurde bisher oft vernachlässigt.

Zukunft der Erdbeobachtung

Die Daten stammen vom DNB-Sensor des VIIRS-Instrument des Suomi NPP-Satelliten (steht für: Day/Night Band, Visible Infrared Imaging Radiometer Suite und Suomi National Polar-orbiting Partnership), das jede Nacht große Teile der Erde erfasst. Dabei werden ausschließlich künstliche Lichtquellen analysiert, während natürliche Phänomene wie Polarlichter oder unbewohnte Flächen ignoriert werden. Für die Forschung hat das Thema große Bedeutung.

Künstliches Licht ist nachts ein wichtiger Stromverbraucher, und Lichtverschmutzung beeinträchtigt Ökosysteme. Es ist wichtig zu verstehen, wie sich beides verändert.

Geplant ist bereits ein neuer, noch leistungsfähigerer Satellit. Der soll künftig detailliertere und genauere Messungen ermöglichen. Europa könnte damit erstmals ein eigenes spezialisiertes Instrument zur Beobachtung des nächtlichen Lichts erhalten – und den pulsierenden Rhythmus der menschlichen Zivilisation noch besser erfassen.

Quellenhinweis:

Li, T., Wang, Z., Kyba, C. C. M., et al. (2026): Satellite imagery reveals increasing volatility in human night-time activity. Nature.

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