Tornados in Deutschland 2026: Zwischenbilanz einer ruhigen Saison
Die Tornadosaison 2026 verläuft in Deutschland bislang deutlich ruhiger als im langjährigen Mittel. Mitte August sorgte eine aktivere Wetterphase für mehrere bestätigte Tornados und Sturmschäden in mehreren Bundesländern, an der grundsätzlichen Bilanz änderte das bislang wenig.

Nach DWD-Angaben galten bis Ende Juli erst 13 Tornados in Deutschland als bestätigt, im langjährigen Mittel sind es rund 49 pro Jahr. Als Grund nannte der DWD „lang anhaltende Hochdruck- und Dürrephasen“, die den Sommer 2026 prägten und die für Tornados nötige Windscherung unterdrückten.
Die bislang aktivste Phase der Saison begann in der Nacht zum 20. August. Der DWD bestätigte Tornados bei Fürstenwalde/Spree in Brandenburg (Kategorie IF1: rund 150 km/h) und im Raum Wetzlar in Hessen, dazu kamen erhebliche Schäden in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Bei den Stürmen kamen zwei Menschen ums Leben.
Weder isoliert noch mit festem Schwerpunkt
Der 19. August war europaweit ungewöhnlich aktiv. Die European Severe Weather Database (ESWD) bestätigte für diesen einen Tag sieben Tornados in fünf Ländern, neben Fürstenwalde auch in Italien, Dänemark, Polen und Litauen.
Für die deutsche Bilanz zählt davon nur der Fall in Fürstenwalde, das Beispiel zeigt aber, dass die Wetterlage jenes Tages weit über Deutschland hinaus für rotierende Gewitter sorgte, statt ein isoliertes deutsches Ereignis zu sein.
Auch innerhalb Deutschlands lässt sich kein verlässliches Muster ablesen, wo Tornados am häufigsten auftreten.
Eine aktuelle Studie von DWD-Forschern in der Meteorologischen Zeitschrift kommt zu dem Schluss, dass Tornados im ganzen Land vorkommen und die scheinbare regionale Häufung vor allem von der Bevölkerungsdichte abhängt, also davon, wie viele Menschen ein Ereignis überhaupt melden.
Nur bei den stärkeren Fällen zeichnen sich durch die Geländeform bedingte lokale Schwerpunkte ab. Die Tornados der Saison 2026 verteilten sich entsprechend breit, von Brandenburg bis Rheinland-Pfalz.
Ruhiger Start in die Saison
Zuvor war die Saison ungewöhnlich ruhig verlaufen. Bereits im Frühjahr hatten Meteorologen darauf hingewiesen, Anfang Mai lagen erst vier unbestätigte Verdachtsfälle vor und kein einziger bestätigter Tornado.
Eines der auffälligsten, aber folgenlosen Ereignisse dieser ruhigen Phase war eine Wasserhose über dem Bodensee. Am 1. Juli 2026 drehte sich kurz nach 13:00h vor Friedrichshafen ein Wirbel über dem Wasser, der für Aufsehen sorgte, ohne dass Schäden gemeldet wurden.
Wie Tornados entstehen
Tornados entstehen meist in Superzellen, besonders kräftigen Gewittern mit einem in sich rotierenden Aufwindbereich.
Am 19. August zeigte sich das anschaulich:
Kalte Luft aus dem Norden traf auf warme Luft aus dem Süden, entlang dieser Grenze entwickelte sich eine einzelne, langlebige Superzelle, die von Belgien bis nach Thüringen zog.
Ungewöhnlich starke Windscherung, unterschiedliche Windrichtungen und -geschwindigkeiten in verschiedenen Höhen, sorgte für die nötige Drehung, obwohl die Luft selbst nur mäßig instabil war, eine Kombination, die Tornados eher begünstigt als klassische Hitzegewitter.
Einen belegten Trend zu mehr oder stärkeren Tornados in Deutschland gibt es bislang nicht. Mehr gemeldete Fälle in den vergangenen Jahren erklären sich nach bisheriger Einschätzung vor allem durch mehr Smartphones und eine bessere Dokumentation, nicht durch eine tatsächliche Zunahme des Phänomens selbst.
Ausblick
Bereits in seiner Zwischenbilanz Ende Juli ging der DWD davon aus, dass die Tornadosaison 2026 trotz aktiver Monate im August und September in der Gesamtbilanz deutlich unterdurchschnittlich bleiben würde.
Mit Fürstenwalde und dem Raum Wetzlar kamen nach der Unwetterphase mindestens zwei weitere bestätigte Fälle hinzu, an der grundsätzlichen Lücke zum langjährigen Mittel von rund 49 Tornados änderte das wenig.
Für die Tage danach rechnete der DWD mit weiteren schweren Gewittern im Süden, Details dazu in der separaten Vorhersage. Ob und wie stark sich die Bilanz bis zum Ende der Saison noch verschiebt, bleibt bis dahin offen.
Artikelreferenz
Beyer, Wapler & Kühne. (2026). Tornadoes in Germany: intensity, temporal and spatial distribution. Meteorologische Zeitschrift 34(4), 237–250.
DWD. (31.07.2026). Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026.