Tief "Elli" sorgt im Norden Deutschlands für Zugchaos – und erhitzte Gemüter bei den Reisenden
Sturmtief "Elli" hat in Deutschland für mächtig Unruhe gesorgt. Vor allem der Bahnverkehr im Norden hat noch immer mit den Auswirkungen zu kämpfen.

Kälte, Eis, Schnee und Frost: Sturmtief "Elli" hat vor allem dem Norden mit Eisregen und klirrenden Minusgraden übel mitgespielt. Und während einige die unverhoffte Eiszeit zum Skifahren und Rodeln in Städten wie Hamburg nutzen, kämpft vor allem der Bahnverkehr weiterhin mit massiven Einschränkungen. Fernverbindungen fallen aus, Regional- und Nahverkehr rollen nur schleppend an. Und zwischen Bahnsteig und Abteil liegt eine Stimmung, die knistert wie gefrorener Draht.
Zoff im Zug: Die Wetterlage sorgt für hitzige Gemüter
In einem ICE von Hamburg nach Göttingen eskalierte laut dem "NDR" am Samstag (10. Januar) die Lage. Der Zug war so überfüllt, dass er schlicht nicht losfahren konnte. Keiner wollte aussteigen, keiner nachgeben. Worte wurden schärfer, Stimmen lauter, die Geduld dünner als das Eis auf den Schienen. Ein Reisender zog schließlich die Reißleine und bestellte sich ein Taxi nach Göttingen. Flucht vor dem Stillstand.
In Osnabrück kam alles zum Erliegen
Während Fernreisende festsitzen, kämpft auch der Nahverkehr weiter gegen die eisigen Folgen von "Elli". Besonders Niedersachsen ist betroffen. In Hannover stand der Busverkehr am Samstagnachmittag zeitweise komplett still. Erst nach und nach konnten einzelne Linien wieder aufgenommen werden. Welche Strecken aktuell bedient werden, veröffentlicht der Betreiber Üstra fortlaufend online. Auch in Oldenburg, Braunschweig und Wolfsburg soll der Busverkehr langsam wieder anrollen. In Osnabrück hingegen herrschte komplette Funkstille. Den ganzen Samstag über fuhren keine Busse.
Die Lage wird sich noch "über mehrere Tage hinziehen"
Auch in Schleswig-Holstein bleibt die Lage angespannt. Die Nahverkehrsgesellschaft NAH.SH rechnet weiter mit erheblichen Problemen. Schneeverwehungen, umgestürzte Bäume auf den Gleisen, fehlender Ersatzverkehr – ein Winter-Puzzle, das sich nicht einfach zusammensetzen lässt. Der Nahverkehrsverbund empfiehlt sogar ausdrücklich, auf Fahrten mit Bus und Bahn möglichst zu verzichten. "Wir gehen trotz Beruhigung der Wetterlage davon aus, dass sich die vollständige Wiederherstellung eines verlässlichen Betriebes gegebenenfalls über mehrere Tage hinziehen wird", erklärte NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck.
Verlässliche Prognose bleiben schwierig
Auch Hamburg tastet sich vorsichtig zurück in den Takt. Seit Samstagmittag fahren alle S-Bahnlinien zumindest wieder im 20-Minuten-Rhythmus, auch die Verbindung zum Flughafen läuft wieder stabil. Doch verlässliche Prognosen? Bleiben schwierig. Die S-Bahn selbst spricht von einer weiterhin angespannten Lage. Es ist ein Winter, der nicht laut tobt – sondern leise blockiert. Einer, der die Menschen nicht mit Sturm und Donner herausfordert, sondern mit Geduld, Zeitverlust und kalten Bahnsteigen. Und während sich der Himmel wieder beruhigt hat, liegt auf den Schienen noch immer das, was "Elli" hinterlassen hat: Eis. Und eine ganze Menge Unruhe.