Schaltjahr 2024: Darum wird der Kalender alle vier Jahre ans Sonnenjahr angepasst

Am 29. Februar ist es wieder soweit: Ein zusätzlicher Kalendertag wird uns geschenkt. Doch wozu benötigen wir den Schalttag alle vier Jahre eigentlich? Menschen, die regelmäßig bei den historischen Kalendern durcheinanderkommen, erhalten hier eine Auffrischung.

Schaltjahr
Schalttage dienen der Harmonisierung von Kalender- und Sonnenjahr. Bild: Aleks Marinkovic/Unsplash

Das Jahr 2024 ist erneut ein Schaltjahr. Wie alle vier Jahre zählt der Februar nicht nur 28, sondern 29 Tage. Doch welche Berechnung verbirgt sich hinter dem Schaltsystem? Wie Astrophysiker von der Universität Warwick erklären, wurden Schaltjahre eingeführt, um unser Kalenderjahr mit dem Sonnenjahr in Einklang zu bringen.

Schaltjahre zeigen, wie wir unser konstruiertes Konzept der Zeit mit dem natürlichen Rhythmus des Universums harmonisiert haben, indem wir ein empfindliches Gleichgewicht zwischen menschlichen Aktivitäten und den natürlichen Zyklen der Erde bewahren. – Dr. Minjae Kim, Research Fellow vom Department of Physics der Universität Warwick

Die Umrundung der Sonne – das sogenannte tropische Jahr – dauere genau 365,2422 Tage, erklärt Dr. Kim. Das entspricht 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Dieses Extraviertel eines Tages sei zwar nur wenig mehr als in unserem Standardkalender mit 365 Tagen. "Mit der Zeit aber summiert sich das und führt zu einer beachtlichen Verschiebung", so der Experte.

Vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender

Ohne eine regelmäßige Anpassung durch Schalttage würde unser Kalenderjahr nicht mehr mit dem astronomischen Sonnenjahr übereinstimmen, sondern sich über die Jahre beträchtlich verlagern. "Darum sind Schaltjahre unabdingbar, um diese Verschiebung zu verhindern und die Ausrichtung des Kalenders mit der Reise der Erde um die Sonne beizubehalten", fasst Dr. Kim zusammen.

Um die Verschiebung aufzuhalten, fügt das Schaltjahr-System dem Kalender alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag hinzu. Diese Anpassung wird gemacht, indem der Februar 29 Tage erhält.

Schaltjahre wurden zu Zeiten Roms eingeführt, als ein Jahr in zwölf Monate und 365 Tage geteilt wurde. Dr. James McCormac, Forscher in der Warwick's Astrophysics Group, erläutert: "Im Jahr 46 v. Chr. schlug Julius Cäsar den Julianischen Kalender vor, der alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag zum kürzesten Monat im Jahr (Februar) hinzufügte, im Versuch, eine voraussagbare Korrektur der Vierteltagsverschiebung zu ermöglichen."

Dennoch war der Julianische Kalender noch nicht perfekt, da er eine leichte Überkorrektur zur Folge hatte. "Da das Sonnenjahr nicht exakt 365,25 Tage, sondern genau genommen 365,2422 Tage aufweist, haben sich der Julianische Kalender und das Sonnenjahr wieder voneinander wegbewegt, wenn auch weit langsamer als vorher, 11,2 Minuten im Jahr", so Dr. McCormac.

Diese Überkorrektur im julianischen Kalender hatte bis ins 16. Jahrhundert eine Abweichung von 10 Tagen gegenüber dem Sonnenjahr zur Folge. Darum führte Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 mit der berühmten Bulle Inter gravissimas den Gregorianischen Kalender ein. Dieser modifizierte den Julianischen Kalender leicht, um die jährliche Abweichung von 11,2 Minuten auszugleichen.

Dazu wurde der Gregorianische Kalender geringfügig optimiert: Der Vier-Jahres-Rhythmus des Julianischen Kalenders wurde beibehalten. Neu jedoch war, dass es in Säkularjahren – also vollen Jahrhunderten wie 1700, 1800, 2100 – keine Schalttage mehr gab mit Ausnahme von Jahren, die durch 400 teilbar sind – wie die Jahre 1600 oder 2000. Im Durchschnitt ergibt das ein Kalenderjahr von 365,2425 Tagen, was wesentlich näher am Sonnenjahr von 365,2422 Tagen liegt. Viele Länder verwenden bis heute den Gregorianischen Kalender.

Und wie verhalten sich Menschen, die am 29. Februar Geburtstag haben wie der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez? – Sie umrunden dennoch die Sonne, auch wenn der Kalender kein Datum bereitstellt. Aber sie können sich aussuchen, wann sie ihren Ehrentag begehen, am 28. Februar oder 1. März.

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