Problem im Urlaub: Für viele Menschen wird die erste Nacht zum Albtraum

Die Koffer sind ausgepackt, das Hotelzimmer ist gemütlich – und trotzdem will der Schlaf einfach nicht kommen. Warum viele Menschen ausgerechnet in der ersten Nacht im Urlaub schlecht schlafen.

Entspannung im Urlaub? Fällt vielen gerade am ersten Tag schwer (Foto: Adobe Stock)

Der Urlaub ist endlich da: Neue Umgebung, neue Eindrücke und eigentlich die perfekte Gelegenheit, um sich richtig auszuruhen. Doch ausgerechnet in der ersten Nacht bleibt der erholsame Schlaf bei vielen Menschen aus. Statt entspannt einzuschlafen, wälzen sie sich stundenlang hin und her oder wachen immer wieder auf. Hinter diesem Phänomen steckt kein Zufall, sondern ein wissenschaftlich bekannter Effekt: der sogenannte "First Night Effect".

Der Urlaubsstart ist oft holprig

Schlafforscher beobachten dieses Phänomen schon seit Jahrzehnten. Gemeint ist die erste Nacht in einer ungewohnten Umgebung – etwa im Hotel, in einer Ferienwohnung oder an einem anderen fremden Ort. Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen dann deutlich länger zum Einschlafen brauchen, häufiger aufwachen und insgesamt schlechter schlafen als zu Hause.

Der Effekt ist sogar so gut belegt, dass er in der Schlafforschung berücksichtigt wird. In Schlaflaboren werden die Messwerte der ersten Nacht häufig gar nicht ausgewertet, weil sie den normalen Schlaf einer Person nicht zuverlässig widerspiegeln.

Das Gehirn bleibt in Alarmbereitschaft

Beschrieben wurde der "First Night Effect" bereits im Jahr 1966. Eine Auswertung von insgesamt 53 Studien bestätigte 2022 erneut, dass vor allem die erste Nacht in einer neuen Umgebung betroffen ist. Meist verbessert sich der Schlaf bereits ab der zweiten Nacht deutlich. Bei einigen Menschen können die Schlafprobleme allerdings auch bis zu vier Nächte anhalten.

Dabei reagiert nicht jeder gleich. Vor allem Menschen, die ohnehin leicht schlafen oder zu Ängstlichkeit neigen, erleben den Effekt häufiger als andere.

Reisen sind schön, für Körper und Kopf aber auch anstrengend (Foto: Adobe Stock)

Warum unbekannte Orte den Schlaf beeinflussen

Forscher fanden 2016 einen möglichen Grund für das Phänomen. Demnach schaltet das Gehirn in einer fremden Umgebung offenbar nicht vollständig in den Ruhemodus. Während eine Gehirnhälfte tiefer schläft, bleibt die andere in einer leichteren Schlafphase aktiv – gewissermaßen als eine Art Wachposten.

Vermutlich handelt es sich dabei um ein evolutionäres Erbe. In unbekannter Umgebung könnte diese erhöhte Wachsamkeit früher dabei geholfen haben, mögliche Gefahren schneller wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 liefert weitere Hinweise darauf, warum der Schlaf in der ersten Nacht oft leidet. Demnach können neue Geräusche, ungewohnte Gerüche, andere Lichtverhältnisse oder sogar fremde Bettwäsche die Aktivität in Hirnregionen steigern, die auf potenzielle Gefahren reagieren. Dadurch wachen Betroffene häufiger auf und verbringen weniger Zeit im erholsamen Tiefschlaf.

Hinzu kommt, dass auf Reisen oft auch die innere Uhr durcheinandergerät. Andere Essenszeiten, veränderte Tagesabläufe sowie ungewohnte Licht- und Geräuschkulissen können das Ein- und Durchschlafen zusätzlich erschweren.

So lässt sich die erste Nacht angenehmer gestalten

Ganz verhindern lässt sich der "First Night Effect" zwar nicht immer, doch einige Gewohnheiten können helfen. Vertraute Gegenstände wie das eigene Kissen, eine Lieblingsdecke oder bekannte Düfte sorgen häufig für ein größeres Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden.

Außerdem empfehlen Experten, am Nachmittag und Abend möglichst auf blaues Licht von Smartphone, Tablet oder Laptop zu verzichten. Ebenso kann es hilfreich sein, gewohnte Routinen auch im Urlaub beizubehalten – etwa ähnliche Essenszeiten oder das übliche Abendritual.

Und falls der Schlaf trotzdem ausbleibt, gibt es zumindest eine beruhigende Nachricht: In den meisten Fällen verschwindet der "First Night Effect" schon nach kurzer Zeit wieder, sodass erholsame Nächte im Urlaub meist nicht lange auf sich warten lassen.

Artikelreferenz

Bild.de. Warum schlafe ich in der ersten Nacht im Urlaub so schlecht?.