Hitzeaktionspläne bis 2030: Was die UN-Forderung für Deutschland heißt

Nach einem der heißesten Sommer seit Messbeginn fordert UN-Generalsekretär António Guterres Hitzeaktionspläne bis 2030. Deutschland warnt bereits flächendeckend vor Hitze. Was nach einer Warnung geschieht, regeln allerdings Länder und Kommunen selbst.

Beim Global Heat Forum fordert UN-Generalsekretär António Guterres Hitzeaktionspläne bis 2030. Foto: Richard Vanlerberghe
Beim Global Heat Forum fordert UN-Generalsekretär António Guterres Hitzeaktionspläne bis 2030. Foto: Richard Vanlerberghe


Rund 16.000 Menschen sind in Deutschland in diesem Jahr im Zusammenhang mit Hitze gestorben. So lautet die vorläufige Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI), die bis Mitte September reicht. Das sind deutlich mehr als in den bisherigen Spitzenjahren 2018 und 2019.

Auch meteorologisch war der Sommer außergewöhnlich. Mit 19,6 °C im Mittel dürfte nach ersten Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nur der Sommer 2003 wärmer gewesen sein. Am 27. Juni stieg das Thermometer in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt auf 41,8 °C, ein vorläufiger neuer Deutschlandrekord.

Gut fünf Wochen nach Sommerende kam aus Bangkok eine klare Forderung. Beim Global Heat Forum, das die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Anfang Oktober mit Partnern ausrichtete, trafen sich mehrere Hundert Fachleute.

UN-Generalsekretär António Guterres rief dort Regierungen und Städte auf, sich dauerhaft gegen extreme Hitze zu wappnen. Bis 2030 sollen Hitzeaktionspläne stehen, unterlegt mit den nötigen Systemen und Mitteln. Gesundheit, Wohnen, Energie und Verkehr sollen dabei an einem Strang ziehen.

Was ein Hitzeaktionsplan leisten soll

Die gesundheitlichen Folgen von Hitze gelten als vorhersehbar und weitgehend vermeidbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt deshalb auf Hitzeaktionspläne und Frühwarnsysteme. Laut WMO könnten ausgebaute Hitzewarnsysteme nach Schätzungen aus dem Jahr 2025 rund 1,5 Milliarden Menschen schützen und jährlich fast 100.000 Todesfälle verhindern.

Welche Maßnahmen wirken, soll die beim Forum vorgestellte Plattform „What Works Against Heat” zeigen. Sie bewertet nach WMO-Angaben mehr als 80 Ansätze, von der Stadtplanung bis zur Gebäudegestaltung. Ein Investitionsfahrplan gegen extreme Hitze soll die Arbeit bis zur Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya tragen.

In Deutschland haben Bund und Länder schon 2017 Empfehlungen für solche Pläne vorgelegt. Sie beschreiben acht Kernelemente, von der zentralen Koordinierung über den Schutz besonders gefährdeter Menschen bis zur langfristigen Stadtplanung. Eines davon ist die Nutzung eines Hitzewarnsystems.

Die Hitzewarnung erreicht jeden Landkreis

Diesen Baustein gibt es bundesweit: Der DWD warnt auf Landkreisebene. Vor starker Wärmebelastung warnt er, sobald die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag über etwa 32 °C steigt und sich Wohnräume nachts nicht mehr ausreichend abkühlen. Ab 38 °C gefühlter Temperatur folgt die Warnung vor extremer Wärmebelastung.

In den Warntexten spricht der DWD zusätzlich ältere Menschen an, für die bereits ab etwa 36 °C eine extreme Belastung beginnt. Für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern weist er eigens auf zu warme Nächte hin, weil es dort nachts oft wärmer bleibt als im Umland.

Was nach der Warnung geschieht, regeln Länder und Kommunen

Ob auf eine Warnung konkrete Schritte folgen, entscheidet sich vor Ort. Verwaltung und Finanzierung des Hitzeschutzes liegen bei den Ländern und Kommunen. Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich laut Bundesgesundheitsministerium 2020 vorgenommen, bis 2025 flächendeckend Hitzeaktionspläne in Kommunen voranzutreiben.

Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte einen verbindlichen und finanzierten Hitzeaktionsplan haben, kann die Bundesregierung nach ihrer Antwort auf eine Anfrage aus dem Bundestag Ende September nicht benennen. Berichtspflichten gibt es keine.

Kommunale Vertreter nennen in Forschungsprojekten vor allem fehlendes Geld und Personal als Hürden. Auch die fehlende rechtliche Verbindlichkeit bremst nach ihren Angaben.

Für die UN-Frist 2030 liegt die eigentliche Aufgabe damit nicht beim Wetterdienst. Die Warnung erreicht jeden Landkreis. Ob danach Risikogruppen gezielt angesprochen und Innenräume gekühlt werden, hängt vom Plan vor Ort ab, sofern es einen gibt.