Hitzeschutz: Warum Wetterwarnungen allein Menschen noch nicht zuverlässig zum Handeln bringen
Hitzewarnungen erreichen die Deutschen zwar, doch wann sie konkret handeln sollten, bleibt oft unklar. Eine Studie mit rund 2000 Befragten zeigt nun, wo die Kommunikation ansetzen muss, damit die Menschen sich rechtzeitig schützen.

Hitze wird in Deutschland zunehmend zum Gesundheitsrisiko. Das Monitoring des Robert Koch-Instituts schätzt, dass im Sommer 2026 bis zum 10. September rund 16.300 Menschen infolge hoher Temperaturen gestorben sind. Mit steigenden Durchschnittstemperatun dürfte die Belastung weiter zunehmen.
„Durch den voranschreitenden Klimawandel und eine alternde Bevölkerung erwarten wir für die Zukunft eine weitere Zuspitzung sowohl der Belastung als auch der Anfälligkeit der Menschen durch Hitze“, sagt Prof. Dr. Falko Sniehotta, Leiter des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim. „Darauf müssen wir die Bevölkerung vorbereiten.“
Genau hier setzt eine neue Studie an, die am CPD unter Leitung von Vincent Brugger entstanden ist. Die Mannheimer Forschenden wollten wissen, wie Menschen Wetterangaben deuten und ab welchen Bedingungen sie im Freien Schutz vor Hitze oder UV-Strahlung erwägen.
Temperatur wichtiger als Wärmebelastung
Für die Untersuchung wurde ein variierter Wetterbericht rund 2000 Personen vorgelegt. Diese sollten anschließend angeben, welche Schutzvorkehrungen sie bei einer Nachmittagsaktivität in der Stadt treffen würden.
Durch die Veränderung einzelner Angaben ließ sich ermitteln, welche Wetterinformationen Schutzabsichten auslösen. Betrachtet wurden unter anderem die erwartete Höchsttemperatur, die gefühlte Temperatur und die Sonnenscheindauer.

Das Ergebnis offenbart, dass sich Hitze- und UV-Schutz unterscheiden. Während der UV-Index seit Jahren verständliche Verhaltensschwellen vermittelt, fehlt bei Hitze ein vergleichbares, verankertes Orientierungssystem.
Besonders auffällig ist, dass sich geplantes Verhalten vor allem an der maximalen Lufttemperatur orientiert. Die physiologisch relevantere gefühlte Temperatur, die weitere meteorologische Faktoren berücksichtigt, spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Damit könnte eine wichtige Information, an der sich die gesundheitliche Belastung abschätzen lässt, an Bedeutung verlieren.
Von der Warnung zur Handlung
Menschen erkennen zwar, dass Hitze gefährlich sein kann, verfügen aber offenbar nicht über einfache Regeln, die ihnen bei bestimmten Wetterlagen unmittelbar eine passende Reaktion nahelegen. Warnungen allein reichen deshalb nicht aus, um intuitive Handlungsmuster zu erzeugen.
Zwar erhöhen Hitzewarnungen die Bereitschaft zu Schutzmaßnahmen, doch ohne verständliche Schwellenwerte entstehen keine festen „Wenn-Dann-Regeln“. „Die Studie zeigt, dass wir für eine wirksame Prävention klare, leicht verständliche Hitzeschwellen brauchen – analog zum UV-Index“, sagt Vincent Brugger. „Sie sorgen dafür, dass Menschen intuitiv rechtzeitig handeln.“
Ein solches System könnte Wetterinformationen stärker mit konkreten Empfehlungen verknüpfen: Bei bestimmten Bedingungen könnten etwa Trinken, Kopfbedeckung oder der Aufenthalt in kühleren Innenräumen als Schutzmaßnahmen kommuniziert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) empfehlen regionale Warnsysteme, weil sie nachweislich präventives Verhalten fördern.
„Und natürlich müssen wir in Feldstudien überprüfen, ob sich geplante Schutzmaßnahmen auch in tatsächliches Verhalten übersetzen“, fügt Prof. Sniehotta hinzu.
Artikelreferenz
Brugger, V., Hoeppe, A., Dhami, R., Kaiser, A., Araujo-Soares, V., et al. (2026). Conditional protective behaviour intentions in response to heat stress and UV radiation: Evidence from a representative behavioural experiment. Environment International.