Hitze bringt deutsche Krankenhäuser an ihre Grenzen – Notaufnahmen unter Druck

Die Hitzewellen in Deutschland führen zu spürbar mehr Notfällen in den Krankenhäusern. Notaufnahmen melden Kreislaufkollapse und Dehydrierung, während Kliniken zugleich vor strukturellen Defiziten bei Kühlung und Ausstattung warnen.

Weil Hitze eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellt, kommt es besonders in Krankenhäusern auf zusätzliche Kühlung an. Bild: Sibtain Ali/Unsplash
Weil Hitze eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellt, kommt es besonders in Krankenhäusern auf zusätzliche Kühlung an. Bild: Sibtain Ali/Unsplash

Mit steigenden Temperaturen nimmt auch die Zahl hitzebedingter Notfälle in deutschen Kliniken zu. Viele Häuser berichten bereits jetzt – vor dem erwarteten Höhepunkt der Hitze – von einem klaren Anstieg der Patientenzahlen. Für die kommenden Tage rechnen sie mit einer weiteren Verschärfung der Lage.

Besonders häufig kommen Menschen mit Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen oder anderen Ausfallerscheinungen in die Notaufnahme. Häufige Diagnosen sind Kreislaufkollaps und Kreislaufschwäche, berichtet etwa das Bonifatius Hospital in Lingen auf Anfrage des NDR. Hinzu kommen Flüssigkeits- und Elektrolytmangel, die sich schlimmstenfalls auf das Nervensystem auswirken, sowie Sonnenstich und in schweren Fällen Hitzschlag, erkennbar am geröteten oder sehr heißen Gesicht.

Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Mediziner beobachten jedoch auch zunehmend jüngere Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden. Ursache sind meist Sport oder schwere körperliche Arbeit. Oft reicht schon unzureichendes Trinken, um den Kreislauf zu destabilisieren.

Kliniken im Improvisationsmodus

Viele Kliniken sind nur teilweise klimatisiert, insbesondere ältere Gebäude haben kaum moderne Kühltechnik, berichtet das LMU Klinikum München. Während OPs und Intensivstationen meist geschützt sind, bleiben Patientenzimmer oft unzureichend temperiert.

Auch das Krankenhauspersonal leidet unter der zunehmenden Hitze. Durch die Schichtarbeit sind hier kaum Anpassungen möglich. Bild: Patty Brito/Unsplash
Auch das Krankenhauspersonal leidet unter der zunehmenden Hitze. Durch die Schichtarbeit sind hier kaum Anpassungen möglich. Bild: Patty Brito/Unsplash

Krankenhäuser reagieren mit einfachen Maßnahmen wie zusätzlichem Trinkwasser, Verschattung und Ventilatoren, was die akute Hitzebelastung zumindest abmildert. Im Klinikalltag bedeutet das jedoch zusätzlichen Aufwand für Pflegekräfte und Personal.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sieht darin ein grundlegendes Infrastrukturproblem. Er fordert umfangreiche Investitionen, um Kliniken an zunehmende Hitze anzupassen.

Klimawandel als Verstärker

Die Wissenschaft sieht in Hitzewellen eine der größten kommenden Gesundheitsgefahren für Europa. So zeigen Studien, dass in den vergangenen Jahren zehntausende Todesfälle mit extremer Hitze in Verbindung stehen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen in dicht bebauten Städten.

In einer Studie des Imperial College London waren im Sommer 2025 zwei Drittel der Hitzetode in Europa auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen. Von 24.400 Hitzetoten in 854 europäischen Großstädten waren 16.469 Tode eine Folge der globalen Erwärmung.

Bereits geringe Temperaturanstiege können die Sterblichkeit deutlich erhöhen – auch und besonders von ohnehin geschwächten Personen in Krankenhäusern. In Kühlung und Umbau sollten darum langfristige Investitionen in Milliardenhöhe getätigt werden, fordert darum die Krankenhausbranche. Ohne zusätzliche Mittel sei eine Anpassung an den Klimawandel kaum möglich, sagt Gaß.

Politik und Länder verweisen dagegen auf getrennte Zuständigkeiten und knappe Haushalte. Vielerorts müssen Kliniken deshalb weiter mit Übergangslösungen arbeiten.

Belastung für Personal und Technik

Das Klinikpersonal arbeitet unter erschwerten Bedingungen. Schichtdienste lassen sich kaum an hohe Temperaturen anpassen. Gleichzeitig müssen auch Medikamente, Geräte und Labore konstant gekühlt werden. Die Hitze betrifft also die gesamte Funktionsfähigkeit von Krankenhäusern.

Expertinnen und Experten erwarten, dass Hitzewellen künftig häufiger und intensiver auftreten. Das Gesundheitssystem muss sich dauerhaft anpassen. Viele Kliniken entwickeln bereits Hitzeschutzpläne und bauliche Konzepte. Dennoch bleibt offen, ob die Maßnahmen mit dem Klimawandel Schritt halten können.