Herbststurm im Anflug? Warum Tiefdruckgebiete im Oktober plötzlich so viel Wind bringen
Im Oktober nehmen kräftige Tiefdruckgebiete häufiger wieder Einfluss auf Deutschland. Doch warum wird es dann manchmal richtig stürmisch – und wann ist aus Wind tatsächlich ein Herbststurm geworden?

Der Herbst zeigt sich derzeit von seiner windigen Seite. Am Freitag sorgt ein Tiefdruckgebiet, das von Island in Richtung Norwegische See zieht, mit seinem Frontensystem in Teilen Deutschlands für ordentlich Wind. Besonders an den Küsten frischt der Südwestwind auf. Dort und in höheren Lagen sind örtlich auch Sturmböen oder sogar schwere Sturmböen möglich.
Tiefs bringen Bewegung in die Atmosphäre
Dass Tiefs im Herbst häufiger für ungemütliches Wetter sorgen, hat vor allem mit den großräumigen Temperaturunterschieden zu tun. Während die Arktis und der Norden Europas zunehmend abkühlen, bleibt es weiter südlich oft noch vergleichsweise mild. Solche Gegensätze können die Westwindströmung über dem Nordatlantik und Europa verstärken. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass kräftige Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten Deutschland erreichen.
Der Luftdruckunterschied entscheidet über die Windstärke
Entscheidend ist dabei nicht allein, wie tief der Luftdruck im Zentrum eines Tiefs ist. Wichtig ist vor allem, wie stark sich der Luftdruck über eine bestimmte Entfernung verändert. Meteorologen sprechen vom Luftdruckgradienten.
Liegen ein Tief und ein Hoch relativ nahe beieinander, kann der Luftdruck auf kurzer Strecke stark abnehmen oder zunehmen. Die Luft wird dadurch stärker in Bewegung gesetzt. Auf Wetterkarten lässt sich das häufig an eng beieinanderliegenden Linien gleichen Luftdrucks erkennen, den sogenannten Isobaren. Je enger diese Linien liegen, desto kräftiger weht der Wind in der Regel.

Allerdings bedeutet ein kräftiger Wind in höheren Luftschichten nicht automatisch, dass es auch am Boden stürmt. Wälder, Gebäude und andere Hindernisse bremsen die Luft in Bodennähe ab. Bei wechselhaftem Wetter können Schauer und Gewitter jedoch stärkere Windströmungen aus höheren Schichten nach unten transportieren. Dann treten vorübergehend deutlich kräftigere Böen auf als zwischen den Schauern.
Warum der Herbstwind besonders ruppig werden kann
Im Herbst treffen häufig mehrere Faktoren zusammen: kräftige Tiefdruckgebiete, eine lebhafte Westströmung und Schauer mit kalter Luft in höheren Schichten. Dadurch kann der Wind innerhalb kurzer Zeit stark auffrischen und ebenso rasch wieder nachlassen. An Küsten und auf exponierten Berggipfeln kommt hinzu, dass der Wind weniger stark durch Hindernisse gebremst wird.
Das aktuelle Wetter ist ein Beispiel für eine solche regional begrenzte Windlage. Auf dem Brocken werden zeitweise sogar 90 bis 110 km/h erwartet. Daraus lässt sich jedoch kein gleichmäßiger Sturm für ganz Deutschland ableiten.
Kommt jetzt ein schwerer Herbststurm?
Für die Einschätzung der kommenden Tage sind die aktuellen Prognosen des europäischen Wettermodells ECMWF und der Vergleich mit anderen Modellen entscheidend. Dabei kommt es darauf an, ob mehrere Berechnungen eine ähnlich kräftige Windentwicklung zeigen oder ob besonders hohe Windgeschwindigkeiten nur in einzelnen Modellläufen auftauchen.
Einzelne Spitzenwerte sind noch keine belastbare Sturmprognose. Erst wenn sich die Entwicklung in mehreren Modellberechnungen bestätigt, lässt sich eine mögliche Sturmlage genauer eingrenzen. Selbst dann bleiben die genaue Zugbahn des Tiefs, der Zeitpunkt der stärksten Böen und regionale Unterschiede mit Unsicherheiten behaftet.

Fest steht also: Die aktuelle Wetterlage deutet nicht auf einen außergewöhnlich schweren Herbststurm oder gar Orkan hin. Auch wenn es aktuell und in den nächsten Tagen mal windiger oder regional stürmisch wird, sollte man sich bewusst sein, dass wir uns gerade mitten im Herbst befinden.
Denn der Herbst bietet mit seinen Temperaturgegensätzen und der häufig lebhaften Westströmung gute Voraussetzungen für kräftige Windlagen. Ob daraus aber ein verbreiteter Herbststurm wird, entscheidet sich nicht am Kalender, sondern an der konkreten Wetterentwicklung.