Golfstrom gerät ins Stocken: Forscher warnen vor eisigen Wintern in Deutschland – und der Kipppunkt rückt näher

Mitten im Atlantik bahnt sich etwas an, das Europas Wetter auf den Kopf stellen könnte. Neue Berechnungen zeigen: Die Gefahr kommt womöglich deutlich früher als bislang gedacht.

Was passiert, wenn der Golfstrom anfängt zu schwächeln? Eiszeit in Europa und Deutschland?
Was passiert, wenn der Golfstrom anfängt zu schwächeln? Eiszeit in Europa und Deutschland?


Seit Jahrhunderten verlassen wir uns in Europa auf eine gigantische Meeresströmung, die uns milde Winter beschert. Das Golfstrom-System schaufelt warmes Wasser aus den Tropen bis hoch in den Norden und wirkt damit wie eine riesige Fernheizung für Europa.

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Doch genau diese Heizung zeigt Ermüdungserscheinungen. Mehrere neue Berechnungen deuten darauf hin, dass sich die Strömung spürbar verlangsamt – und dass ein gefährlicher Kipppunkt schneller erreicht werden könnte, als man es lange für möglich hielt.

Warum der Atlantik für unser Wetter so wichtig ist

Fachleute sprechen von der Atlantischen Umwälzzirkulation. Warmes, salziges Wasser strömt an der Oberfläche nach Norden, gibt dort seine Wärme an die Luft ab, kühlt aus und sinkt in die Tiefe. Von dort fließt es zurück nach Süden. Ein endloser Kreislauf, der seit Jahrtausenden läuft.

Ohne diesen Kreislauf wäre es bei uns deutlich kälter. Man muss nur nach Kanada schauen: Städte auf gleicher Breite wie Berlin oder Hamburg erleben dort regelmäßig Winter mit extremem Frost und monatelang geschlossener Schneedecke. Dass wir davon meist verschont bleiben, verdanken wir zu einem großen Teil dem Atlantik.

Die Grönland-Schmelze bringt das System ins Wanken

Das Problem kommt ausgerechnet aus dem hohen Norden. Durch die Erwärmung schmilzt der Grönländische Eisschild immer schneller, gewaltige Mengen Süßwasser gelangen in den Nordatlantik. Dazu kommt mehr Regen in der Region.

Süßwasser ist leichter als Salzwasser und sinkt deshalb schlechter ab. Genau dieses Absinken ist aber der Motor der gesamten Strömung. Gerät er ins Stottern, verliert das ganze System an Schwung. Südlich von Grönland zeigt sich bereits seit Jahren ein auffälliges Kälteloch im Meer, das viele Forscher als Warnsignal deuten.

Was ein Kollaps für Deutschland bedeuten würde

Die Folgen eines Zusammenbruchs wären dramatisch. Modellrechnungen zeigen für Nord- und Westeuropa einen deutlichen Temperatursturz, vor allem im Winter. In Skandinavien und auf den Britischen Inseln könnten die Winter um viele Grad kälter ausfallen, auch Deutschland wäre betroffen.

Durch die Erwärmung schmilzt der Grönländische Eisschild immer schneller, gewaltige Mengen Süßwasser gelangen in den Nordatlantik.
Durch die Erwärmung schmilzt der Grönländische Eisschild immer schneller, gewaltige Mengen Süßwasser gelangen in den Nordatlantik.

Paradox: Während sich die Welt insgesamt weiter aufheizt, könnte es bei uns regional kälter werden. Gleichzeitig drohen häufigere Stürme, verschobene Niederschlagsgebiete, Probleme für die Landwirtschaft und ein steigender Meeresspiegel an manchen Küsten. Einige nordeuropäische Länder werten dieses Szenario inzwischen sogar als Frage der nationalen Sicherheit.

Forscher streiten über den Zeitpunkt

Wann es so weit sein könnte, ist allerdings heftig umstritten. Manche Berechnungen halten einen Kipppunkt bereits in diesem Jahrhundert für möglich, teils sogar schon in den kommenden Jahrzehnten. Das hat in Fachkreisen für erhebliche Unruhe gesorgt.

Andere Wissenschaftler halten dagegen. Ihre Modelle zeigen zwar eine klare Abschwächung, aber keinen kompletten Zusammenbruch, weil andere Kräfte wie die Winde rund um die Antarktis die Strömung stabilisieren. Hinzu kommt: Direkte Messungen gibt es erst seit rund zwanzig Jahren, für die Zeit davor sind die Forscher auf indirekte Spuren angewiesen.

Kein Grund zur Panik, aber ein ernstes Warnsignal

Wichtig ist: Ein Zusammenbruch würde nicht über Nacht passieren, und der kommende Winter hat damit nichts zu tun. Solche Veränderungen laufen über Jahrzehnte ab. Wer jetzt eine neue Eiszeit vor der Haustür erwartet, liegt daneben.

Trotzdem gehört das Thema zu den größten Risiken, die die Klimaforschung derzeit beschäftigen. Die Wahrscheinlichkeit mag gering sein, die möglichen Folgen wären aber enorm. Genau deshalb schauen Meteorologen und Ozeanforscher inzwischen mit wachsender Sorge auf den Nordatlantik, denn dort entscheidet sich ein Stück weit, wie Europas Wetter in Zukunft