Experte widerspricht Forschern: El Niño betrifft uns doch – Was der Monster-Pazifik für Winter und Sommer bedeutet
Viele Forscher sagen, El Niño habe keinen Einfluss auf Europa. Ein Meteorologe hält dagegen: Der Rekord-Pazifik sendet Signale bis nach Deutschland – für Winter und Sommer.

Der Pazifik spielt verrückt. Im wichtigsten Messgebiet am Äquator lag die Wassertemperatur Ende September um mehr als 3 Grad über dem Normalwert. Das hat es in der Geschichte der Messungen noch nie gegeben, nicht einmal beim legendären Super-El-Niño 2015/16. Und das Brisante: Der Höhepunkt kommt erst noch, normalerweise im November oder Dezember.
Trotzdem winken viele Forscher ab. El Niño habe keinen nennenswerten Einfluss auf Europa, heißt es immer wieder, das sei eine Sache für Peru, Australien oder Indonesien. Ein erfahrener Meteorologe hält dagegen: Das sei viel zu pauschal. Der Einfluss sei zwar schwächer als in den Tropen, aber er sei messbar – und bei einem Ereignis dieser Wucht dürfe man ihn nicht kleinreden.
Warum die Forscher danebenliegen
Die Atmosphäre ist kein abgeschlossenes Zimmer, sondern ein riesiges zusammenhängendes System. Wenn sich über dem tropischen Pazifik gewaltige Gewitterkomplexe verschieben, entstehen sogenannte planetare Wellen, die einmal um den halben Globus laufen. Sie verbiegen den Jetstream, also das Höhenwindband, das unsere Tiefs und Hochs steuert.
Über Nordamerika ist dieser Effekt unbestritten. Über dem Atlantik und Europa wird das Signal schwächer und mischt sich mit anderen Faktoren – genau darauf berufen sich die Skeptiker. Doch gerade in starken El-Niño-Jahren zeigen die Wetterdaten wiederkehrende Muster, betont der Meteorologe. Wer behaupte, Europa bleibe völlig unberührt, mache es sich zu einfach.
Was der Winter 2026/27 bringen kann
Typisch für starke El-Niño-Winter ist ein zweigeteiltes Bild. Im Frühwinter dominieren bei uns oft milde Westwinde, viel Regen und Sturm. Ein Paradebeispiel ist der Dezember 2015, mitten im damaligen Super-El-Niño: Er wurde in Deutschland der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Im Spätwinter kann das Blatt dann kippen. Untersuchungen zeigen, dass El Niño den Polarwirbel über der Arktis häufiger aus dem Gleichgewicht bringt. Bricht er ein, bilden sich gern Hochdruckblockaden über dem Nordatlantik – und dann strömt eisige Polarluft bis nach Mitteleuropa. Auch der knackige Winter 2009/10 lief unter El-Niño-Einfluss.
Weniger Hurrikane, andere Sturmbahnen
Ein Effekt ist schon jetzt sichtbar: Über dem tropischen Atlantik herrscht in El-Niño-Jahren stärkerer Höhenwind, der Hurrikane regelrecht zerschert. Die Saison verläuft deshalb meist auffallend ruhig. Für uns heißt das: Es erreichen im Herbst seltener Reste ehemaliger Wirbelstürme Europa, die sonst gern Starkregen mitbringen.

Gleichzeitig verschiebt sich die Sturmbahn im Winter häufiger nach Süden. Davon profitieren vor allem Spanien, Portugal und der Mittelmeerraum, die in El-Niño-Wintern oft mehr Regen abbekommen. Bei uns kann das bedeuten, dass sich nasse Westwetterphasen und trockene, kalte Hochdrucklagen schneller abwechseln als gewohnt.
Und der Sommer 2027?
Hier wird es richtig spannend. El Niño heizt den Planeten nämlich mit Verzögerung auf. Die globalen Temperaturen erreichen ihren Gipfel meist einige Monate nach dem Höhepunkt im Pazifik. Nach den starken Ereignissen folgten jeweils neue Rekordjahre: 1998, 2016 und zuletzt 2024.
Vieles spricht dafür, dass 2027 ein neues globales Rekordjahr werden könnte. Das heißt nicht automatisch, dass der deutsche Sommer zum Glutofen wird. Aber die Ausgangslage verschiebt sich, warnt der Meteorologe: Wärmere Meere, ein aufgeheiztes Mittelmeer und mehr Feuchtigkeit in der Luft erhöhen das Risiko für Hitzewellen und heftige Unwetter.
Was Sie jetzt wissen müssen
Ein verlässlicher Wetterfahrplan für Weihnachten oder die Sommerferien lässt sich aus El Niño nicht ablesen. Ob der Januar eisig oder mild wird, entscheiden am Ende vor allem der Polarwirbel, der Atlantik und die Lage der Hochdruckgebiete. El Niño ist ein wichtiger Mitspieler, aber nicht der alleinige Regisseur.
Ihn deshalb als reines Südhalbkugel-Thema abzutun, wie es viele Forscher tun, wäre allerdings ein Fehler. Der aktuelle Rekord-El-Niño verändert die Spielregeln für das gesamte Wettersystem der Erde – und damit auch für uns. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie stark er noch wird. Es lohnt sich, die Entwicklung genau im Blick zu behalten.