Herbststurm bringt das Gold des Meeres: Jetzt Bernstein an Nord- und Ostsee entdecken – perfekte Zeit für Schatzsucher!

Deutschland rutscht in eine hochaktive Wetterphase: Ab Dienstag kündigen die Wettermodell kräftige Sturmtiefs an – mit Orkanböen ab Donnerstag. Besonders entlang der Küsten wird es wild. Doch dieser Sturm bringt mehr als nur Wind: Er sorgt dafür, dass jetzt das „Gold des Meeres“, der sagenumwobene Bernstein an den Strand gespült wird.

Bernstein glitzert am Sandstrand der Ostsee – das „Gold des Meeres“ wird durch Herbststürme aktuell vermehrt angespült.
Bernstein glitzert am Sandstrand der Ostsee – das „Gold des Meeres“ wird durch Herbststürme aktuell vermehrt angespült.

Wenn sich die Küsten Norddeutschlands im Oktober, wie in dieser Woche, von ihrer wilden Seite zeigen, schlagen nicht nur Meteorologen Alarm – auch passionierte Sammler, Hobbygeologen und Naturfreunde werden hellhörig.

Denn was für viele nur ein Sturm ist, bedeutet für andere: Die Schatzsuche kann beginen! Aufgrund des Sturmes kommt diese Woche folglich vermehrt ein ganz besonderer Küstenschatz ans Tageslicht: Bernstein – das „Gold des Meeres“.

Warum gerade jetzt?

Nach Wochen ruhigen Herbstwetters kündigen das die Wettermodell nun eine Wetterlage mit ganz anderem Charakter an: Stürmische Tage mit orkanartigen Böen an Nord- und Ostsee, starkem Wellengang und auflandigem Wind.

Diese Kombination ist entscheidend – denn nur bei kaltem, salzreichem Wasser und kräftiger Brandung steigen die leichten Bernsteinstücke aus dem Meeresgrund an die Oberfläche und werden an den Strand gespült.

Je kälter das Wasser, desto höher seine Dichte – ein physikalischer Effekt, der das Harz förmlich auftreiben lässt. Genau das passiert gerade jetzt.

Ein Schatz aus der Urzeit

Was da an den Stränden von Rügen, Hiddensee oder dem Darß liegt, ist nicht einfach nur ein hübscher Stein. Bernstein ist fossiles Baumharz, das vor 35 bis 40 Millionen Jahren in den Wäldern des damaligen Nordeuropas aus Kiefern austrat und über Jahrmillionen versteinert wurde.

Besonders der sogenannte Baltische Bernstein, wissenschaftlich als „Succinit“ bekannt, gilt als der bedeutendste für den europäischen Raum.

Er stammt von einer ausgestorbenen Kiefernart (Pinus succinifera) und wurde einst durch Meeresströmungen, Flüsse und später Gletscher bis nach Norddeutschland transportiert.

Goldene Klümpchen – leuchtend und leicht

Zwischen Muscheln, Tang und kleinen Steinen im Spülsaum der Küste erkennt man Bernstein oft nur mit geschultem Blick – oder mit UV-Licht. Eine spezielle Taschenlampe lässt die Harzstücke im Dunkeln fluoreszieren. Auch ein einfacher Test hilft: Im Salzwasser schwimmt Bernstein, echte Steine sinken. Und wer ganz sicher gehen will, klopft vorsichtig mit dem Fund an einen Zahn – der „weiche Klang“ ist charakteristisch.

Vorsicht vor Verwechslung: Bernstein ist kein Phosphor

Aber Achtung: Verwechslungen mit weißem Phosphor können gefährlich sein.

Diese Rückstände aus dem Zweiten Weltkrieg sehen Bernstein zum Verwechseln ähnlich, entzünden sich jedoch bei Körperwärme und können schwere Verletzungen verursachen.

Daher gilt: Fundstücke nie in der Tasche aufbewahren – immer separat, z. B. in einer Dose.

Wissenschaftlich belegt und bewundert

Die Geowissenschaftliche Sammlung der Universität Bremen (GSUB) bewahrt zahlreiche Bernsteinexponate mit sogenannten Inklusen – das sind im Harz eingeschlossene Insekten, Spinnen und Pflanzenreste.

Diese Fossilien bieten einzigartige Einblicke in die Ökosysteme des Tertiärs und ermöglichen Forschungen zur Erdgeschichte.

Ergänzend dazu verfügt das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums in Bremen über die ehemals Königsberger Bernsteinsammlung, die seit 1958 wissenschaftlich betreut wird und mit fast 18.000 Inklusen einen bedeutenden Schatz birgt, dessen Erhalt dringend gesichert werden muss.

Darüber hinaus besitzt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine der umfangreichsten Bernstein-Sammlungen Europas mit mehr als 10.000 Stücken aus verschiedenen Regionen, darunter der berühmte Baltische Bernstein sowie Bernsteine aus der Dominikanischen Republik und Asien.

Die Universität Göttingen trägt mit ihrer naturwissenschaftlichen Sammlung ebenfalls zum Erhalt und zur Erforschung fossiler Schätze bei.

Gemeinsam repräsentieren diese Sammlungen nicht nur ästhetisch wertvolle „Gold des Meeres“-Schätze, sondern auch wichtige Forschungsquellen, die tief in die Entwicklung von Flora und Fauna vergangener Erdzeitalter blicken lassen.

Seebrücke Sellin in der Abenddämmerung auf der Insel Rügen
Seebrücke Sellin in der Abenddämmerung auf der Insel Rügen

Diese Woche ist Schatzsuche angesagt

Wer dem Herbststurm mit Mütze, Taschenlampe und Thermoskanne trotzt, hat in diesen Tagen eine echte Chance, Zeuge eines uralten Naturwunders zu werden. Denn jetzt spült der Sturm den Schatz aus der Tiefe an Land. Wer sucht, findet vielleicht kein Gold – aber etwas, das noch viel älter ist.

Quellen

Universität Göttingen – Königsberger Bernsteinsammlung
Universität Göttingen, Geowissenschaftliches Zentrum – Königsberger Bernsteinsammlung.

Universität Bremen – Geowissenschaftliche Sammlung (GSUB)
Universität Bremen, Geowissenschaftliche Sammlung (GSUB).

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – Bernsteinforschung