Gruß aus der Wüste: Saharastaub erreicht die Alpen - Wie gelangt der Staub in die Berge und was sind die Folgen?

Die aktuelle Wetterlage transportiert große Mengen Saharastaub von Nordafrika in Richtung Alpen. Trotz des wolkenlosen Himmels ist die Sicht stark eingeschränkt. Wie kommt es zu dem Besuch aus der Wüste und was sind mögliche Auswirkungen?

Durch den Saharastaub erscheint der Himmel kurz vor Sonnenaufgang bräunlich trüb (Foto: Markus Köss, Seefeld in Tirol 06.03.26)
Durch den Saharastaub erscheint der Himmel kurz vor Sonnenaufgang bräunlich trüb (Foto: Markus Köss, Seefeld in Tirol 06.03.26)

Schon seit einigen Wochen herrscht in den Bergen sonniges und deutlich zu mildes Hochdruckwetter vor. Dabei erreichte den Alpenraum zwar ab und zu auch schon Saharastaub, jedoch hielten sich die Konzentrationen in Grenzen. Das hat sich jetzt aber geändert, denn mit einem Tief über Spanien werden große Mengen des Wüstenstaubs Richtung Mitteleuropa transportiert.

Betroffen sind neben dem Westen und Südwesten von Deutschland insbesondere auch Tirol und Vorarlberg in Österreich und die gesamte Schweiz. Das Maximum erreicht die Saharastaubkonzentration am Freitag, aber auch über das Wochenende sind die Werte noch erhöht.

Farbintensive Sonnenuntergänge möglich

In den Bergen ist die Eintrübung durch den Staub aus der Wüste besonders gut zu beobachten. Trotz einem fast wolkenlosen Himmel erscheint dieser leicht gelblich-bräunlich und die Fernsicht ist deutlich eingeschränkt. Die feinen Staubpartikel streuen dabei das Sonnenlicht und die langwelligen Rot- und Orangetöne leuchten intensiver.

Die Folge können besonders farbintensive Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sein, da dann das Licht eine lange Strecke durch die staubhaltige Luft zurücklegt. Außerdem ist bekannt, dass Saharastaub die Bildung von hohen und manchmal auch mittelhohen Wolken fördert. Genau dies kann die Wettervorhersage bei einer sonst für Meteorologinnen und Meteorologen eher langweiligen Wetterlage doch noch kompliziert gestalten.

Das Problem ist dabei, dass einerseits die Wettermodelle Schwierigkeiten haben diesen Effekt zu modellieren und andererseits bedeutet viel Saharastaub in der Luft nicht gleich, dass sich dann auch dementsprechend viele Wolken bilden werden. Die hohen und mittelhohen Wolken können manchmal so dicht werden, dass die Sonne nur noch leicht milchig oder gar nicht mehr scheint.

Dem Autor dieses Artikels ist es dabei als Meteorologe auch schon passiert, dass er einen sonnigen und warmen Tag vorhergesagt hat und dann zahlreiche Wolken als Folge des Saharastaubs dem traumhaften Sonnentag einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Dazu kommt noch, dass durch die Trübung bzw. den hohen Wolken die Temperaturen gedämpft werden und die prognostizierten Höchsttemperaturen um mehrere Grad verfehlt werden können.

Niederschlag führt zu "Blutregen"

Der Frühling ist übrigens typischerweise die Saharastaubzeit in unseren Breiten. Der Grund liegt darin, dass zum Ende des Winters die Gebiete rund um die Wüste der Sahara am trockensten sind und gleichzeitig über Europa noch rege Tiefdrucktätigkeit vorherrscht. Dadurch können im Norden Afrikas starke Sandstürme entstehen, die die Sandpartikeln aufwirbeln und in höhere Luftschichten verfrachten können. Die kleinsten und leichtesten Staubpartikel erreichen dabei sehr große Höhen und können bei entsprechender südlicher Strömung weit in den Norden nach Mitteleuropa transportiert werden.

Die höchste Staubkonzentration ist dabei in der Regel in der Höhe und kann später aber auch in tieferen Schichten vorkommen. Kommt es zu Niederschlägen in Kombination mit dem Saharastaub, so wäscht der Regen den Staub aus der Luft und kann Autos, Fensterscheiben und Gartenmöbel mit einer rötlich-braunen Schicht bedecken. Die rötliche Färbung des Regens wird deshalb auch gerne als Blutregen bezeichnet. In den Alpen kommt es auch vor, dass sich der Saharastaub auf Schnee deponiert und dieser dadurch statt strahlend weiß nurmehr gelblich-baun erscheint. Durch den geringeren Albedo (Rückstrahlvermögen) schmilzt der Schnee dann bei Sonnenschein deutlich schneller.