Extreme Schneemassen! Wie kam es zur Lawinenkatastrophe in Galtür vor 25 Jahren?

Vor 25 Jahren erlangte der Tiroler Skiort Galtür durch ein schreckliches Lawinenunglück traurige Berühmtheit. Bei der Katastrophe starben 31 Menschen. In dem Jahr gingen in den Alpen durch enorme Schneemassen zahlreiche Lawinen ab. Was führte zu dieser brisanten Wetterlage?

Lawine
Vor 25 Jahren ereignete sich in Galtür eine Lawinenkatatrophe mit 31 Toten

Am 23. Februar 1999 kam es im österreichischen Paznauntal in Tirol zur Katastrophe. Der Skiort Galtür wurde durch eine gewaltige Lawine teilweise verschüttet und begrub zahlreiche Häuser, Autos und Menschen unter sich. Die traurige Folge waren 31 Tote, die nicht mehr rechtzeitig aus den Schneemassen befreit werden konnten.

Über 200 Stundenkilometer schnell

Am nördlich des Ortes gelegenen Hang unterhalb des Grates zwischen Grieskopf und Grieskogel löste sich auf über 2700 Meter Höhe eine gewaltige Lawine und donnerte mit mehr als 200 Stundenkilometer auf einer Breite von 400 Metern ins Tal. Die Staubwolke der Lawine reichte rund 100 Meter hoch.

Die in Bewegung geratene Schneemasse wird bei nachfolgenden Analysen mit etwa 180.000 Tonnen abgeschätzt und riss elf Häuser mit sich. Die Lawine kam erst mitten im Ort Galtür zum Stillstand und hinterließ eine Spur der Verwüstung.

Dabei waren die Einwohner und Urlauber nach der Katastrophe zunächst auf sich alleine gestellt, der Ort war wegen der extremen Lawinengefahr von der Außenwelt abgeschnitten. Hubschrauber mit Hilfsmannschaften konnten aufgrund eines Schneesturms zunächst nicht starten. Erst 14 Stunden nach dem Unglück war Galtür aus der Luft erreichbar. Einen Tag später kamen in der Nähe in dem zu Ischgl gehörenden Weiler Valzur bei einer Lawine weitere sieben Menschen um.

Wie kam es zur Katastrophe?

Ende Januar des Jahres 1999 stellte sich eine langandauernde und markante Nordwestwetterlage ein, die sehr feuchte und niederschlagsreiche Luftmassen gegen die Alpen lenkte. Es kam zu einer sogenannten Staulage, die der Autor dieses Artikels immer wieder mal in früheren Artikeln thematisiert hat.

Dadurch wurden in mehreren Etappen auf der Alpennordseite starke Dauerschneefälle ausgelöst und die Lage spitzte sich aufgrund der immer größer werdenden Schneemassen Mitte Februar immer weiter zu. Von enormer Bedeutung für die Lawinengefahr waren aber nicht nur die heftigen Schneefälle, sondern auch der starke Wind.

Dieser Wind führte zu erheblichen Verfrachtungen des lockeren Schnees und veränderte zudem die Schneedeckenstruktur (Triebschnee). "Der starke Wind konnte gewaltige Mengen Schnee aus diesem Plateau auf den Leehang schaufeln, darunter liegt Galtür. Der Wind ist der Baumeister jeder Lawine“, erklärt Albert Leichtfried, Alpinmeteorologe bei der Geosphere (früher ZAMG) in Innsbruck.

Im Gegensatz zum diesjährigen rekordwarmen Februar mit wenig Schnee in den Alpen, gab es vor 25 Jahren Ende Februar beeindruckende Schneehöhen auch in tieferen Lagen. Eine kleine Auswahl (Stand 24.02.1999, 7 Uhr):

Garmisch-Partenkirchen (719m) 87 cm

Ettal (871m) 116 cm

Reutte/Tirol (870m) 100 cm

Galzig (2070m) 470 cm

Doch nicht nur in Österreich kam es zu Großlawinen, auch in Frankreich und der Schweiz gab es mehrere Todesopfer durch Lawinenereignisse. Aufgrund der zahlreichen Lawinen und der weitreichenden Folgen ging der Winter 1999 auch als "Lawinenwinter" in die Geschichte ein.

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