Verblüffende Forschungsergebnisse: Welche Tiere ohne Gehirn und Organe überleben
Was Forschende am Meeresboden entdeckt haben, stellt bisherige Annahmen infrage: Selbst abgetrennte Körperteile einer Seegurke bleiben über Jahre hinweg aktiv und reagieren weiterhin auf ihre Umwelt.

In den dunklen Regionen des Ozeans spielt sich ein biologisches Phänomen ab, das selbst erfahrene Wissenschaftler überrascht. Bei der Kaltwasser-Seegurke Psolus fabricii konnten Forschende beobachten, dass abgetrennte Körperteile keineswegs sofort absterben. Das Gegenteil ist der Fall: Sie bleiben über lange Zeit funktionstüchtig.
Solche Prozesse sind aus der Tierwelt zwar nicht völlig unbekannt, doch normalerweise endet die Lebensfähigkeit isolierter Gewebe relativ schnell. Auch Tiere mit ausgeprägten Regenerationsfähigkeiten verlieren zwar Körperteile, doch diese zerfallen meist innerhalb kurzer Zeit. Die hier gemachten Beobachtungen weichen deutlich von diesem bekannten Muster ab.
Selbstheilung statt Zerfall
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Sara Jobson und Annie Mercier dokumentierte über mehrere Jahre hinweg, wie sich abgeschnittene Gewebestücke der Seegurke verhielten. Statt abzusterben, aktivierten sie offenbar eigene Reparaturmechanismen.
In Versuchen wurden verschiedene Körperteile (darunter Tentakel, Röhrenfüße und Abschnitte der Körperwand) in natürlichem Meerwasser untersucht. Die Proben begannen, beschädigtes Gewebe abzustoßen, während sich die offenen Stellen nach und nach verschlossen. Bereits nach wenigen Tagen waren die Verletzungen vollständig verheilt.
Besonders auffällig: Einige Röhrenfüße schrumpften zunächst nach der Abtrennung, begannen später jedoch wieder zu wachsen und konnten sogar größer werden als zuvor.

Komplexe biologische Aktivität bleibt erhalten
Die isolierten Gewebestücke zeigten weiterhin erstaunlich komplexe Funktionen. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Zellteilung stattfand und das Immunsystem aktiv blieb. Spezialisierte Zellen bewegten sich gezielt zu verletzten Bereichen, entfernten beschädigte Strukturen und schützten vor Krankheitserregern.
Auch grundlegende Stoffwechselprozesse liefen weiter. So waren die Gewebe in der Lage, wichtige Nährstoffe wie Aminosäuren direkt aus dem umgebenden Wasser aufzunehmen – eine entscheidende Voraussetzung für Energiegewinnung und Reparatur. Dabei veränderte sich die innere Struktur: Muskelanteile nahmen ab, während stabilisierendes Bindegewebe zunahm.
Reaktionen trotz fehlender Organe
Ein besonders verblüffender Aspekt zeigte sich bei den abgetrennten Tentakeln. Obwohl sie weder über ein zentrales Nervensystem noch über lebenswichtige Organe wie Herz oder Gehirn verfügten, reagierten sie weiterhin auf äußere Reize.
Bei Berührung konnten sich die Tentakel ausdehnen und wieder zusammenziehen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass grundlegende Nervenfunktionen auch ohne vollständigen Organismus über längere Zeit erhalten bleiben. Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass es sich dabei nicht um bewusstes Handeln handelt, sondern um anhaltende biologische Reaktionsmechanismen.
Lebende Gewebe über Jahre hinweg
Die Forschenden bezeichneten die ungewöhnlich langlebigen Gewebestücke als "LiPfe", kurz für "living immortal P. fabricii explants". Dieser Begriff spiegelt wider, dass die Proben über mehr als drei Jahre hinweg aktiv blieben, sich selbst reparierten und ihre Struktur aufrechterhielten.
Ob diese Gewebe tatsächlich unbegrenzt überleben können, ist bislang jedoch nicht geklärt und Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Quellen-Nachweise:
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