Plastikorallen: Plastik und Korallen verschmelzen an japanischen Küsten zu einer neuen Form der Umweltverschmutzung
Auf der japanischen Insel Okinawa, einer berühmter Korallengegend, haben Wissenschaftler abgestorbene Korallen entdeckt, bei denen sich geschmolzener Haushaltskunststoff dauerhaft mit ihnen verbunden hat. Die sogenannten „Plastikorallen“ könnten langfristig die empfindlichen Lebensräume am Riff gefährden.

Zwischen hellen Korallenbruchstücken an den Stränden Okinawas haben Forschende auffällig bunte Partikel entdeckt. Was zunächst wie gewöhnlicher Plastikmüll aussah, erwies sich bei genaueren Untersuchungen als ungewöhnliche Verbindung aus Kunststoff und natürlichen Korallenskeletten. Das Material wurde „Plasticorals“ getauft, also „Plastikorallen“.
Ein Forschungsteam des Okinawa Institute of Science and Technology (OIST) und der Universität Ryūkyū, ebenfalls auf Okinawa, untersuchte die Fundstücke mikroskopisch und mithilfe spektroskopischer Verfahren. Dabei bestätigte sich, dass geschmolzene Polymere aus verbreiteten Haushaltskunststoffen in die feinen Poren abgestorbener Korallen eingedrungen waren. Kunststoff und Korallenmaterial ließen sich nicht mehr voneinander trennen.
Zeugnis des Kunststoffzeitalters
Theoretisch könnte das Ganze mit Lagerfeuern am Strand zusammenhängen. Hohe Temperaturen können Plastikabfälle schmelzen und das Material in die porösen Korallenreste eindringen lassen. Eine mögliche Quelle könnte daher achtlos verbrannter Müll sein. Woher all die untersuchten Teile stammen, ist allerdings noch unklar.
Plastiglomerate sind Gemische aus Kunststoff und natürlichen Materialien, die durch Hitze miteinander verschmelzen. Die Plastikorallen stellen eine besondere Variante davon dar, weil sich das synthetische Material direkt mit Korallenskeletten verbindet.

Die Fundorte liegen unter anderem im Norden Okinawas, darunter Strände innerhalb des geschützten Yanbaru-Nationalparks. Die Funde beweisen, wie sehr menschliche Hinterlassenschaften natürliche Strukturen beeinflussen.
Seit den 1950er-Jahren hat die Kunststoffproduktion weltweit stark zugenommen. Forschende diskutieren bereits, ob Plastikablagerungen später in geologischen Schichten erkennbar sein werden, quasi als Anzeichen menschlicher Aktivität. Um diese Epoche auch namentlich zu bezeichnen, wurde bereits der Begriff Plastizän (engl. Plasticene) geprägt.
Risiken für empfindliche Riffökosysteme
Korallenbruch erfüllt im Meer wichtige Funktionen: Er bietet jungen Korallen eine stabile Oberfläche, auf der sie wachsen können, und schafft schützende Hohlräume für kleine Fische und andere Meerestiere. Gelangen nun Plastikorallen zurück ins Wasser, könnte weiterer Kunststoff in solche Lebensräume eingebracht werden, die bereits durch den Klimawandel oder den Menschen belastet sind.

Welche konkreten Folgen das hätte, ist bisher nicht abschließend geklärt. Frühere Untersuchungen zeigen aber, dass aus bestimmten Kunststoffen freigesetzte Chemikalien beeinträchtigen können, wie sich Korallen fortpflanzen. Zudem können Plastikpartikel auch Krankheitserreger transportieren und über die Nahrungskette weitergeben.
Ob Plastikorallen solche Schadstoffe tatsächlich an Riffbewohner abgeben und welche Organismen dadurch besonders gefährdet werden, müssen weitere Studien noch klären. Die Entdeckung macht jedoch deutlich, dass Plastikverschmutzung nicht allein aus losem Müll besteht: Sie kann sich dauerhaft mit natürlichen Lebensräumen verbinden und möglicherweise deren ökologische Funktion verändern.
Artikelreferenz
Ilechukwu, I., Stoeltje, M., Conn, E., et al. (2026). Introducing plasticoral: A biogenic–plastic agglutinate as an emerging indicator of the Plasticene in Okinawa reef environments. Marine Pollution Bulletin.