Müllaufkommen im Rhein: 53.000 Teile passieren Köln täglich – bis 2060 könnte sich der Wert verdreifachen

Forschende haben mit einer schwimmenden Sammelvorrichtung größere Müllteile im Rhein gezählt. Die Werte sind alarmierend – und weisen einmal mehr darauf hin, dass wir unser Produktions- und Konsumverhalten dringend ändern müssen.

Im Rhein schwimmt bis zu 200-mal mehr Müll als lange angenommen. Bild: Pixabay
Im Rhein schwimmt bis zu 200-mal mehr Müll als lange angenommen. Bild: Pixabay

Im Rhein treibt deutlich mehr Müll, als Fachleute bisher vermutet hatten. Eine neue Langzeitstudie liefert erstmals belastbare Zahlen für die Kölner Gegend – mit erschreckenden Ergebnissen. Demnach passieren täglich rund 53.000 größere Müllteile die Domstadt. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das mehreren tausend Tonnen Abfall, der über den Rhein weiter Richtung Nordsee transportiert wird.

Nach Prognosen der OECD wird sich die Ansammlung von Kunststoffen in aquatischen Lebensräumen von 140 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf 493 Millionen Tonnen im Jahr 2060 mehr als verdreifachen (Global Plastics Outlook, 2022).

Die Daten wurden von Forschenden der Universitäten Bonn und Tübingen sowie der Bundesanstalt für Gewässerkunde erarbeitet. Dabei wurden sie vom Kölner Verein K.R.A.K.E. e. V. unterstützt, der sich seit Jahren gegen Plastikmüll in Gewässern engagiert. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal Communications Sustainability veröffentlicht.

Sammlungen von Makromüll

Anstatt bloßer Sichtungen setzten die Beteiligten auf eine schwimmende Müllfalle, die sogenannte RheinKrake, die seit 2022 nahe der Kölner Zoobrücke im Einsatz ist. „Um die wirkliche Menge einigermaßen abschätzen zu können, werden meist visuelle Zählungen von Makromüll durchgeführt. Im Rhein geschah das bisher aber auch nur vereinzelt“, sagt Dr. Leandra Hamann vom Bonner Institut für Organismische Biologie.

Jetzt nutzen wir eine genauere, kontinuierliche Langzeitmethode.

Über 16 Monate hinweg sammelten die Forschenden und freiwillige Helferinnen und Helfer rund um die Uhr treibenden Makromüll. Erfasst wurden alle Teile, die größer als ein Zentimeter waren und in die drei Meter breite und 80 Zentimeter tiefe Sammelvorrichtung – ein sogenanntes Litter Trap – gerieten.

Mit einer schwimmenden Sammelvorrichtung (engl. Litter Trap) wurde punktuell Makromüll eingefangen. Bild: Volker Lannert/Universität Bonn
Mit einer schwimmenden Sammelvorrichtung (engl. Litter Trap) wurde punktuell Makromüll eingefangen. Bild: Volker Lannert/Universität Bonn

Insgesamt kamen an der Müllfalle 20.339 Müllteile zusammen. Sie wurden neun Materialkategorien und 183 Müllarten zugeordnet. Die lange Messdauer machte dabei die Schwankungen im Jahresverlauf sichtbar.

53.000 Müllteile täglich

Die Hochrechnungen ergaben, dass rund 53.000 Müllteile täglich Köln passieren. Das entspricht einem Jahresgewicht von rund 2169 Tonnen. Je nach Gewichtung einzelner Faktoren könnten es sogar bis zu 3391,8 Tonnen pro Jahr sein.

Auf den gesamten Rhein hochgerechnet, liegen wir damit um das 22- bis 286-Fache höher als bisherige Schätzungen aus anderen Studien.

Den größten Anteil haben Kunststoffe, aus dem rund 70 Prozent der gezählten Makromüllteile bestehen, obwohl sie nur etwa 15 Prozent des Gesamtgewichts ausmachen. Das zeigt, dass auch schwerere Materialien relevant sind, etwa Textilien, Glas oder Keramik. Besonders häufig trafen die Teams auf Abfälle aus dem privaten Konsum – etwa Plastikdeckel, Glasflaschen oder Holzstäbe von Feuerwerkskörpern –, dem sich mehr als die Hälfte des Mülls zuordnen lässt.

(A) Lage des Litter Traps (LT) (gelbes Dreieck) in Köln innerhalb des Rheineinzugsgebiets (blau). (B) Konstruktionszeichnung und Fotos des speziell angefertigten LT mit Eingang auf der linken Seite. Makromüll wird in den beiden Körben zurückgehalten. Der schwimmende Ausleger verbindet sich mit dem Ufer und leitet Makromüll zum LT. Bild: Gnann et al., 2026
(A) Lage des Litter Traps (LT) (gelbes Dreieck) in Köln innerhalb des Rheineinzugsgebiets (blau). (B) Konstruktionszeichnung und Fotos des speziell angefertigten LT mit Eingang auf der linken Seite. Makromüll wird in den beiden Körben zurückgehalten. Der schwimmende Ausleger verbindet sich mit dem Ufer und leitet Makromüll zum LT. Bild: Gnann et al., 2026

Auffällig ist zudem der hohe Anteil stark fragmentierter Teile. Viele Kunststoffreste sind so zerkleinert, dass ihr ursprünglicher Zweck nicht mehr erkennbar ist, was auf die fortschreitende Zersetzung im Fluss hinweist. Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden konkrete Empfehlungen ab.

„Wir haben gesehen, dass Einwegprodukte einen Anteil von 40 Prozent am gesammelten Müll ausmachen, mehr als die Hälfte davon sind aus Kunststoff.“

– Katharina Höreth, Institut für Geographie, Universität Bonn

Mehrwegprodukte spielten mit weniger als acht Prozent nur eine geringe Rolle. Eine Ausweitung des Pfandsystems auf weitere Verpackungen könnte die Müllmenge in Flüssen deutlich senken, so das Fazit der Studie.

Zudem schwankt das Müllaufkommen stark. „Nach Silvester zum Beispiel schwimmen die Reste zahlreicher Feuerwerkskörper im Rhein“, berichtet Nina Gnann vom Fachbereich für Geowissenschaften der Universität Tübingen. Auch steigende Pegel spülen liegengebliebenen Müll vom Ufer ins Wasser. Reinigungsaktionen und rechtzeitiges Leeren von Mülleimern könnten hier gezielt vorbeugen.

Quellenhinweis:

Gnann, N., Höreth, K., Schweigert, N., Evers, M., Ternes, T. A., & Hamann, L. (2026): The river Rhine transports around 4,000 tons of macrolitter towards the North Sea each year. Communications Sustainability.