Lachen steckt an, Essen auch: Forscher untersuchen, wann Menschen sich wirklich nachahmen – und wann es eher Zufall ist
Menschen stecken sich bei anderen ziemlich schnell an – am bekanntesten ist das gemeinsame Lachen. Doch wann ahmen wir tatsächlich andere nach, und wann ist es bloßer Zufall? Wissenschaftler haben das nun etwas genauer untersucht und entdeckt, dass sich Lachen und Essen in einem bestimmten Punkt unterscheiden.

Beim Abendessen greift eine Person zu den Chips – kurz darauf bedienen sich auch die anderen. In einer geselligen Runde beginnt jemand zu lachen – und schon stimmen weitere Personen ein. Solche Situationen wirken selbstverständlich. Ob aber eine Person die andere beeinflusst oder ob beide unabhängig voneinander lachen, lässt sich wissenschaftlich nicht so einfach belegen.
Um dem nun auf den Grund zu gehen, haben Forschende der Universität Konstanz ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich Verhaltensansteckung untersuchen lässt. Dabei werden zeitlich aufeinanderfolgende Ereignisse statistisch bewertet und es wird geprüft, ob ein Verhalten nach dem Verhalten einer anderen Person mit höherer Wahrscheinlichkeit auftritt.
Nachahmung oder Zufall?
„Wir können damit allein anhand der Datensätze genau untersuchen, wie lange es dauert, bis sich ein Verhalten von einer Person auf eine andere überträgt, wie lange der Effekt anhält und wie er sich je nach sozialer Konstellation verändert“, erklärt die Psychologin Dr. Jana Straßheim, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie der Uni Konstanz und eine der beiden Erstautor*innen der Studie.
Für die Untersuchungen wurden aufgezeichnete, jeweils 15-minütige Gespräche in Dreiergruppen ausgewertet. Dabei wurden 28 Gruppen mit insgesamt 84 Teilnehmenden und 1032 Lachmomente analysiert. Berechnet wurde auch, wie häufig ähnliche zeitliche Abfolgen durch Zufall zustande kommen könnten.

Offenbar ist Lachen besonders ansteckend, wenn zwischen dem Lachen einer Person und dem einer anderen nur ein bis zwei Sekunden liegen. Damit lässt sich erstmals genau bestimmen, in welchem Zeitfenster der soziale Einfluss am stärksten ist.
Ob sich auf diese Weise auch andere Verhaltensweisen erfassen lassen, wurde anhand des Essverhaltens geprüft. Dafür untersuchten die Forschenden 36 weitere Dreiergruppen mit 108 Teilnehmenden und 1427 Momente der Nahrungsaufnahme.
Andere Zeiten beim Essen
Auch beim Essen zeigte sich ein Ansteckungseffekt, allerdings mit größerem Zeitabstand. „Am stärksten war der Effekt nach etwa 14 Sekunden, nachweisen ließ er sich bis zu einem zeitlichen Abstand von etwa 42 Sekunden“, sagt Straßheim. Wer beobachtet, wie jemand etwas isst, greift also innerhalb dieses Zeitfensters selbst mit höherer Wahrscheinlichkeit zu.
„Die zeitliche Dynamik gehört zum Phänomen selbst“, erklärt der zweite Erstautor Dr. Christophe Bousquet, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie. „Es gibt kein einzelnes Zeitfenster, das für jedes Verhalten gleichermaßen passt.“ Deshalb brauchten die Wissenschaftler ein Verfahren, um die Verhaltensansteckung über unterschiedliche Zeitabstände hinweg erfassen können.
Die Forschenden stellen ihr Verfahren als Open-Source-Werkzeug bereit, um soziales Verhalten in unterschiedlichen Gruppengrößen und Kontexten zu vergleichen, auch in der Tierforschung. Co-Leiterin Prof. Dr. Britta Renner, die die Arbeitsgruppe Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie an der Universität Konstanz leitet, sieht darin gemeinsame Möglichkeiten für verschiedene Disziplinen.
Doch die eigentliche Botschaft der Studie: Soziale Ansteckung lässt sich nicht nur beobachten, sondern sogar statistisch vom Zufall unterscheiden. Und offenbar benötigen unterschiedliche Verhaltensarten unterschiedlich viel Zeit zum Nachahmen.
Artikelreferenz
Straßheim, J., Bousquet, C., Köchling, J., Renner, B., & Schupp, H. T. (2026). SPREAD, a framework and open-source R toolbox to quantify behavioural contagion. Communications Psychology.