Heute im Rückgang, morgen ausgestorben? Studie deckt Frühwarnzeichen für den Artenverlust auf
Eine groß angelegte Studie zur Artenvielfalt hat ergeben, dass Arten, die einem höheren Aussterberisiko ausgesetzt sind, im Laufe der Zeit mit größerer Wahrscheinlichkeit lokale Bestandsrückgänge aufweisen – was Forschern ein potenzielles Frühwarninstrument für Naturschutzmaßnahmen an die Hand gibt.

Eine neue Studie, die von einem internationalen Team – darunter Forscher der School of Biology der University of St Andrews – in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt, dass eine höhere Häufigkeit von Rückgängen der lokalen Artenprävalenz mit einem höheren Aussterberisiko verbunden ist.
Für die Analyse wurde eine der umfassendsten Datenbanken überhaupt herangezogen: BioTIME, ein wichtiges Instrument zur Untersuchung von Veränderungen der Artenvielfalt, das an der University of St Andrews entwickelt wurde.
Über 60.000 untersuchte Populationen
Im Rahmen der Studie analysierte das Team über 60.000 Populationen von 2.362 Meeres- und Landarten, die in den letzten 20 Jahren untersucht und erfasst worden waren. Eine Artengemeinschaft ist eine Gruppe von Arten derselben taxonomischen Gruppe, die an einem bestimmten geografischen Ort und in einem bestimmten Zeitraum vorkommen, wie beispielsweise eine Vogel- oder Fischgemeinschaft.
Die Analyse von Daten auf Assemblage-Ebene ermöglicht es Wissenschaftlern, Veränderungen bei Arten und Populationen im Zeitverlauf zu quantifizieren und festzustellen, welche sich gut entwickeln und welche nicht.
Im Rahmen der Analyse wurde der zeitliche Prävalenzverlauf (wie häufig etwas im Laufe der Zeit auftritt) jeder Population mit dem Aussterberisiko der jeweiligen Art abgeglichen. Dabei zeigten sich komplexe Zusammenhänge zwischen den beiden Faktoren sowie abnehmende zeitliche Trends, die mit einem höheren Aussterberisiko einhergingen. Insgesamt wiesen weniger als 10 % der Populationen im Laufe der Zeit eine steigende oder sinkende Prävalenz auf.
Dr. Faye Moyes von der Fakultät für Biologie der Universität St. Andrews erklärte: „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Überwachung auf Assemblage-Ebene für Naturschutzstrategien und zeigen den Wert langfristiger Zeitreihen wie denen von BioTIME.“
Laura Antão von der Universität Turku in Finnland fügte hinzu: „Wir haben erstmals untersucht, ob es einen konsistenten Zusammenhang zwischen den zeitlichen Populationsentwicklungen und dem Aussterberisiko einer Art gibt, und zwar anhand von Daten zur Bestandsüberwachung und nicht anhand von ‚spezifischen‘ Bewertungen auf Artenebene. Die Feststellung, dass ein Rückgang der Prävalenz in der Regel mit einem höheren Aussterberisiko einhergeht, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir Auswirkungen auch bei Arten erkennen können, die derzeit nicht als gefährdet eingestuft sind.“
Da sich der Klimawandel weiter beschleunigt, steigt das Aussterberisiko, und die Artenzusammensetzungen verändern sich. Das Team entdeckte Zusammenhänge zwischen der lokalen zeitlichen Prävalenz und dem Aussterberisiko: Bei einigen Populationen bedrohter Arten waren stabile oder steigende Trends zu beobachten, während bei nicht bedrohten Arten rückläufige Trends festzustellen waren.
Inwiefern könnte diese Studie zum künftigen Naturschutz beitragen?
Ein besseres Verständnis der Prozesse, die Veränderungen der biologischen Vielfalt bewirken, könnte Forschern dabei helfen, ihre Prognosen und Schutzstrategien zu verbessern.
Professorin Anne Magurran fügte hinzu: „Diese zeitlichen Trends könnten als Frühwarnindikatoren dienen und dabei helfen, sowohl neue Überwachungsmaßnahmen als auch Artenschutzmaßnahmen gezielt auszurichten. So sind beispielsweise stabile Populationen gefährdeter Arten von zentralem Interesse für den Artenschutz, während rückläufige Trends darauf hinweisen könnten, dass bestimmte Arten in den Bewertungen des Aussterberisikos nicht berücksichtigt wurden.“
Professorin Maria Dornelas fasste zusammen: „Da die Aufgabe, Veränderungen der Artenvielfalt zu bewerten, gigantisch ist und wir nicht in die Vergangenheit reisen können, um dort weitere Daten zu sammeln, wollen wir alle verfügbaren Informationen nutzen. Diese beiden großen Datenbanken zur Artenvielfalt überschneiden sich nur in begrenztem Umfang, und diese Studie zeigt uns, wie wir beide nutzen können, um unser Verständnis der Veränderungen der Artenvielfalt zu erweitern.“
Artikelreferenz
Antão, L.H., Moyes, F., Dornelas, M., Blowes, S.A., McGill, B.J., Chow, C.F.Y., Fontrodona-Eslava, A., Magurran, A.E. and Gotelli, N.J.. (2026). Linking species local trends from assemblage monitoring to global extinction risk.