Forscher stellen fest: Menschliche Aktivitäten führen zu einer mehr als doppelt so hohen Brandhäufigkeit in der Arktis

Untersuchungen haben ergeben, dass Brände in der Arktis in Gebieten mit menschlicher Aktivität zweieinhalb Mal häufiger ausbrechen als in vergleichbaren Gebieten ohne menschliche Aktivität, was Fragen darüber aufwirft, wie die industrielle Expansion das Brandrisiko in der Region beeinflusst

Forscher haben festgestellt, dass Brände in von menschlicher Aktivität betroffenen arktischen Gebieten 2,5-mal häufiger auftraten als in klimatisch vergleichbaren, nicht vom Menschen beeinflussten Regionen.
Forscher haben festgestellt, dass Brände in von menschlicher Aktivität betroffenen arktischen Gebieten 2,5-mal häufiger auftraten als in klimatisch vergleichbaren, nicht vom Menschen beeinflussten Regionen.
Lee Bell
Lee Bell Meteored Vereinigtes Königreich 4 min

Brände sind nicht das, was einem normalerweise in den Sinn kommt, wenn man an die Arktis denkt. Meistens geht man davon aus, dass steigende Temperaturen und Dürre die Schäden verursachen.

Und das sind sie auch – doch laut einer neuen, die gesamte Arktis umfassenden Studie unter der Leitung der Universität Zürich wurde den Bränden bisher nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt.

Das Team untersuchte das Vorkommen von Bränden in der Arktis zwischen 2001 und 2013 und verglich es mit Satellitendaten, die künstliches Licht bei Nacht zeigen. Diese Daten wurden dort herangezogen, wo tatsächlich Menschen leben – in Siedlungen, an Straßen, auf Industriegeländen sowie in Öl- und Gasförderanlagen und im Bergbau.

Sie stellten fest, dass Brände in beleuchteten Gebieten 2,5-mal häufiger auftraten als an klimatisch vergleichbaren Orten ohne künstliches Licht.

Nicht nur ein lokales Problem

Je näher man an Gebiete mit menschlicher Aktivität herankam, desto häufiger traten Brände auf, so der Hauptautor Cengiz Akandil, Postdoktorand an der UZH.

Akandil betonte, dass dies nicht bedeute, dass menschliche Aktivitäten der einzige Auslöser seien – Temperatur, Feuchtigkeit und Dürrebedingungen seien nach wie vor wichtige Faktoren. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass die industrielle Expansion und die Besiedlung der Arktis eine weitaus größere Rolle spielen, als in früheren groß angelegten Studien berücksichtigt wurde.

Die Studie hat aufgezeigt, wie die Ausdehnung von Siedlungen und Industrie die Brandgefahr in der Arktis erhöht hat – mit Folgen, die weit über die Region hinausreichen
Die Studie hat aufgezeigt, wie die Ausdehnung von Siedlungen und Industrie die Brandgefahr in der Arktis erhöht hat – mit Folgen, die weit über die Region hinausreichen

Die Forscher stellten zudem große regionale Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von Bränden in der Nähe von bebauten Gebieten fest, was ihrer Ansicht nach darauf hindeuten könnte, wie gut die Brandprävention und -bekämpfung in den verschiedenen Gebieten funktioniert. Einige Regionen scheinen besser mit diesem Risiko umzugehen als andere, was darauf hindeutet, dass der Einfluss des Menschen auf das Auftreten von Bränden verringert werden kann, wenn geeignete Maßnahmen getroffen werden.

„Ein besserer Brandschutz und ein besseres Brandmanagement in der Umgebung von Siedlungen, Industrieanlagen, Straßen und anderen beleuchteten Bereichen könnten daher dazu beitragen, die Entzündungsrisiken zu verringern und Brandschäden zu begrenzen“, sagte Akandil.

Jenseits der Arktis

Ein weiteres Problem ist, dass Brände in der Arktis auch nicht auf die Arktis beschränkt bleiben. Im vergangenen Sommer gelangte Rauch von Großbränden im Norden Kanadas über den Atlantik bis nach Europa und trübte den ansonsten sonnigen Himmel in der Schweiz. Die Brände setzen zudem gespeicherten Kohlenstoff frei und beschleunigen das Auftauen des Permafrosts, was sich auf eine Weise auf das globale Klimasystem auswirkt, die jeden betrifft.

Die leitende Autorin Gabriela Schaepman-Strub erklärte, dass angesichts der fortschreitenden Erschließung der Arktis und der durch die Erwärmung zunehmenden Brandgefahr die Einbeziehung des Brandschutzes in die Flächennutzungsplanung und den industriellen Betrieb „immer wichtiger“ werde – nicht nur für die dort lebenden Gemeinden, sondern auch für das Klima insgesamt.

Artikelreferenz

University of Zurich/Communications Earth & Environment. (2026). Human activity more than doubles fire occurrence in the Arctic.