El Niño erwärmt den Pazifik: Wie wärmere Ozeane Dürren und Fluten begünstigen und Hurrikane im Atlantik bremsen können
„Super-El-Niño“ und mögliche Temperaturrekorde: Internationale Medien berichten über die weitreichenden Folgen des Klimaphänomens. Fachleute warnen vor erhöhten Extremwetterrisiken. Doch wie hängen warmes Pazifikwasser, drohende Dürren und Überschwemmungen zusammen – und weshalb könnten ausgerechnet Hurrikane im Atlantik gebremst werden?

Die Schlagzeilen klingen dramatisch: Das britische Klimafachmedium Carbon Brief beschäftigt sich mit einem möglichen „Super-El-Niño“, der britische „Guardian“ berichtet über die Prognose des stärksten Ereignisses seit mehr als einem Jahrhundert.
Dahinter stehen wissenschaftliche Einschätzungen zu einer außergewöhnlichen Entwicklung im tropischen Pazifik.
Das britische Met Office warnte im August vor möglichen weitreichenden Folgen. Die Weltorganisation für Meteorologie WMO rief bereits im Juni zur Vorbereitung auf El Niño auf.
„Super-El-Niño“ ist allerdings keine offizielle wissenschaftliche Kategorie. Auch bedeutet eine besonders starke Erwärmung im Pazifik nicht, dass überall zwangsläufig Extremwetter eintritt. Entscheidend ist, wie Ozean und Atmosphäre zusammenspielen – und welche Regionen dadurch häufiger Regen oder länger Trockenheit erleben.
Wenn die Passatwinde nachlassen
Normalerweise wehen über dem tropischen Pazifik nahe dem Äquator beständige Winde von Osten nach Westen: die Passatwinde. Sie schieben warmes Oberflächenwasser von Südamerika Richtung Indonesien. Vor der südamerikanischen Küste steigt dafür kühles Wasser aus der Tiefe auf.
Während El Niño schwächen sich diese Winde ab. Warmes Wasser breitet sich weiter nach Osten aus, während weniger kaltes Wasser nachströmt.
Dadurch kann die Meeresoberfläche dort und im zentralen äquatorialen Pazifik mehrere Grad wärmer als gewöhnlich werden.
Über dem warmen Wasser gelangt durch Verdunstung Feuchtigkeit in die Luft. Wo diese aufsteigt und abkühlt, bilden sich mächtige Regen- und Gewitterwolken. Mit dem warmen Wasser verlagern sich deshalb auch die besonders regenreichen Gebiete nach Osten.
Bei der Wolkenbildung wird Wärme frei, die Luftströmungen bis in große Höhen beeinflusst. Dadurch können sich auch die starken Höhenwinde, die sogenannten Jetstreams, verändern. Sie lenken Tiefdruckgebiete und tragen El Niños Einfluss weit über den Pazifik hinaus.
Wo Regen fehlt und Flüsse anschwellen
In Teilen Indonesiens und Australiens kann El Niño Trockenheit verschärfen. Auch im südlichen Afrika steigt zu bestimmten Jahreszeiten das Dürrerisiko. In Teilen der südamerikanischen Pazifikküste können dagegen kräftige Regenfälle Überschwemmungen begünstigen.
Für Menschen vor Ort geht es um mehr als Wetterstatistik:
- Bleibt Regen während der Wachstumszeit aus, drohen Ernteverluste.
- Fallen große Wassermengen auf bereits gesättigte Böden, können Flüsse über die Ufer treten.
Allerdings unterscheiden sich die Folgen nach Jahreszeit, Region und Verlauf des Ereignisses. El Niño verändert Wahrscheinlichkeiten, liefert aber keinen festen Katastrophenfahrplan.
Warum Hurrikane ausgebremst werden können
Im Atlantik wirkt das Klimaphänomen häufig anders, als man zunächst erwarten würde:
Warmes Meerwasser liefert zwar die Energie für tropische Wirbelstürme. Doch El Niño kann zugleich die vertikale Windscherung verstärken: Windrichtung oder Windgeschwindigkeit unterscheiden sich dann stärker zwischen den Luftschichten.
Das erschwert den geordneten Aufbau tropischer Wirbelstürme. Die NOAA bestätigte am 6. August ihre Prognose einer unterdurchschnittlich aktiven atlantischen Hurrikansaison 2026. Dies ist eine Vorhersage für die Gesamtaktivität, keine abschließende Bilanz. Einzelne gefährliche Hurrikane bleiben auch in einer ruhigeren Saison möglich.
️ El Niño is back, with unusually warm waters across the central & eastern equatorial Pacific.
— Copernicus EU (@CopernicusEU) August 26, 2026
️ @CMEMS_EU data show the warming pattern on 25 Aug, supporting climate monitoring, forecasting and preparedness for extreme weather.
https://t.co/n2IZ1vfoi9#ImageOfTheDay pic.twitter.com/t6p23jGpkt
El Niño und die globale Temperatur
Wie stark El Niño diese beeinflussen kann, zeigt eine Faustregel:
Erwärmt sich das Oberflächenwasser in der sogenannten Niño-3.4-Region im zentralen äquatorialen Pazifik um 1 °C, ist dies im Mittel mit etwa 0,1 °C zusätzlicher globaler Erwärmung verbunden – mit drei bis sechs Monaten Verzögerung.
Starke El-Niño-Ereignisse trugen so zu den Temperaturrekorden von 1998, 2016 und 2024 bei. Dieser zusätzliche Wärmeschub ist vorübergehend; den langfristigen Temperaturanstieg treibt der menschengemachte Klimawandel an.

Europa folgt einem eigenen Rhythmus
Für Deutschland lässt sich aus El Niño allein kein heißer Herbst oder eisiger Winter ableiten. Der Einfluss ist indirekt. Zusätzlich prägt die Nordatlantische Oszillation unser Wetter: Das wechselnde Druckverhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief beeinflusst die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete und den Transport feuchter Atlantikluft nach Europa.
Weltweit trifft El Niño zugleich auf ein bereits erhöhtes Temperaturniveau. Während die natürliche Klimaschwankung vorübergehend zusätzliche Wärme aus dem Ozean an die Atmosphäre abgibt, treibt der menschengemachte Klimawandel die langfristige Erwärmung an. Dieses Zusammenwirken erklärt die Sorge vor weiteren Temperaturrekorden – ohne daraus für jeden Ort dieselben Wetterfolgen ableiten zu können.
Artikelreferenz
Carbon Brief. (18 August 2026). Explainer: How the ‘super El Niño’ will reshape the world’s weather.
the Guardian. (2026). Biggest El Niño for a century forecast to bring UK more autumn rain and storms.
Prof. Dr. E Ruprecht, GEOMAR. Meeresströmungen und ihre Rolle im Klimawandel: Die Nordatlantische Oszillation und ihr Einfluss auf das Klima in Europa.
NOAA. (August 6, 2026). NOAA maintains prediction for below-normal Atlantic hurricane season.
AOML Communications to Hurricane Research, Modeling and Prediction, Oceans Influence on Climate & Weather, Physical Oceanography. (June 2, 2026). How does El Niño Impact Atlantic Hurricane Season.