Eisverlust in den Alpen: Bayerische Gletscher schmelzen schneller denn je

Aktuelle Vermessungen belegen einen drastischen Rückgang der bayerischen Gletscher. Innerhalb von nur zwei Jahren ist ein erheblicher Teil verschwunden – ein klares Signal für die zunehmende Geschwindigkeit der Eisschmelze.

Das Blaueis bei Berchtesgaden: Der kleinste Gletscher Deutschlands verlor zwischen 2023 und 2025 über 44 Prozent seiner Fläche. Bild: Wilfried Hagg
Das Blaueis bei Berchtesgaden: Der kleinste Gletscher Deutschlands verlor zwischen 2023 und 2025 über 44 Prozent seiner Fläche. Bild: Wilfried Hagg

Die Gletscher in den bayerischen Alpen verlieren in unglaublichem Tempo an Masse. Neueste Messungen aus dem Herbst 2025 zeigen, dass innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel der gesamten Eisfläche verschwunden ist. Hauptursache für die rasante Entwicklung ist der Klimawandel.

Die Jahre 2024 und 2025 waren global die wärmsten seit Beginn der Messungen, und auch in den deutschen Alpen wurden neue Temperaturrekorde registriert. An der Zugspitze lag das durchschnittliche Temperaturniveau in beiden Jahren mehr als zwei Grad über dem langjährigen Mittel.

Die Daten wurden von Forschenden der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erhoben und dokumentieren nicht nur einen fortschreitenden, sondern einen deutlich beschleunigten Schwund.

Beschleunigte Schmelze in kurzer Zeit

Zwischen 2023 und 2025 verzeichneten die Wissenschaftler massive Verluste. Neben der Fläche nahm auch die Dicke der Gletscher deutlich ab. Im Durchschnitt verloren die Eisflächen jährlich rund 1,6 Meter an Höhe.

Damit hat sich die Geschwindigkeit der Eisschmelze im Vergleich zur vorhergehenden Messperiode nahezu verdoppelt. Zwischen 2018 und 2023 lag der Rückgang noch bei etwa 0,8 Metern pro Jahr. Insgesamt verschwanden in nur zwei Jahren etwa eine Million Kubikmeter Eis.

Die Entwicklung zeigt, wie schnell sich die Situation in den Alpen zuspitzt. Derweilen Gletscher lange Zeit vergleichsweise stabile Bestandteile der Hochgebirgslandschaft waren, geraten sie nun zunehmend unter Druck.

Große Unterschiede zwischen den Gletschern

Besonders dramatisch ist die Lage in Berchtesgaden. Dort haben das Blaueis und der Watzmanngletscher mehr als 40 Prozent ihrer Fläche verloren. Die Gletscher befinden sich also bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls. Der Höllentalferner etwa verlor im gleichen Zeitraum lediglich neun Prozent seiner Fläche und gilt damit derzeit als vergleichsweise stabil.

Der Schlepplift am Nördlichen Schneeferner ist durch die starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Bild: Wilfried Hagg
Der Schlepplift am Nördlichen Schneeferner ist durch die starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Bild: Wilfried Hagg

Deutlich stärker betroffen ist hingegen der Nördliche Schneeferner. Mit einem Dickenverlust von fast fünf Metern hat er nahezu doppelt so viel eingebüßt wie der Durchschnitt der übrigen Gletscher.

„Der Schlepplift, der in diesen Tagen abgebaut wird, war durch die starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Im Bereich der Lifttrasse hat der Gletscher 7 bis 8 Meter in der Vertikalen eingebüßt. Damit verliert Deutschland sein einziges Gletscherskigebiet.“

– Professor Wilfried Hagg, Hochschule München

Die Veränderungen bleiben für die Nutzung der alpinen Regionen nicht folgenlos. Der Rückgang des Eises beeinflusst neben der Landschaft und der Ökologie auch die touristische Infrastruktur.

Gletscher vor dem Verschwinden

„Wir sehen, dass die Gletscher inzwischen in einem rasanten Tempo abschmelzen“, erklärt Glaziologe Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. „Die Geschwindigkeit des Gletscherschwundes hat sich in den letzten Jahren verdoppelt – die Gletscher in Berchtesgaden sind nur noch ein kleiner Rest.“ Der nördliche Schneeferner ginge ebenfalls zügig seinem Ende zu, da er durch seine südliche Ausrichtung deutlich mehr Höhe verliere als der Höllentalferner in seiner schattigen Tallage, so Mayer.

Die beinahe ausschließlich von Menschen verursachte Veränderung des Klimas in den letzten Jahren ist der Hauptgrund für die starken Verluste, während die Unterschiede zwischen den Gletschern auf die lokalen Besonderheiten zurückzuführen sind.

Die neuen Messdaten machen deutlich, dass der Wandel nicht nur fortschreitet, sondern sich zunehmend beschleunigt. Die Zukunft der bayerischen Gletscher erscheint damit ungewiss. Viele könnten bereits in den kommenden Jahren vollständig verschwinden.