Der Klimawandel beeinflusst weiterhin unsere Ozeane: eine Bilanz vom Copernicus OBSERVER
Jedes Jahr veröffentlicht das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus eine Bilanz über den Zustand unserer Ozeane. Die diesjährige Bilanz zeigt: der Ozean wird weiterhin stark vom Klimawandel beeinflusst. Tendenziell mit negativen Folgen für unsere Gesellschaft und Ökosysteme.

Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus hat in der vergangenen Woche quasi den jährlichen Gesundheitscheck unserer Ozeane, den Copernicus Ocean State Report 10 (OSR10), veröffentlicht. Sollte ich die Lage in einem Satz zusammenfassen, dann wäre es folgender: Die Ozeane leben weiterhin den Fiebertraum des menschengemachten Klimawandels.
Steigende Ozeantemperaturen führen zu direkten Impacts für Gesellschaft und Ökosysteme
Während in Deutschland wieder einmal eine Diskussion darüber entsteht, ob wir für den Winter wohl eine ausreichende Gasversorgung für muckelige Wintertage haben, stellt sich die Frage ausreichender Wärmekapazitäten im Ozean nicht. Laut des OSR10 steigt die im Ozean gespeicherte Wärme seit 1960 stetig an und hat im letzten Jahr 2025 ein Rekordniveau erreicht.
Dass dieser Trend so stark ausfällt, ist keine Neuigkeit und auch keine große Überraschung: der Ozean nimmt nämlich 90 % der überschüssigen Energie auf, die durch den menschengemachten Treibhauseffekt im Erdsystem verbleibt. Das liegt einerseits daran, dass der Ozean knapp 72 % der Erdoberfläche bedeckt und damit rein flächendeckend die Möglichkeit hat, die Energie aufzunehmen, andererseits an seiner hohen Wärmekapazität. Durch letztere ist es den Ozeanen möglich deutlich mehr Wärmeenergie zu speichern als die Atmosphäre das kann.
Steigende Ozeantemperaturen beeinflussen auch weitere Stressoren der Meere
Steigende Ozeantemperaturen per se haben schon einen direkten Einfluss auf Küstenregionen dadurch, dass sich das Wasser thermisch ausdehnt. Indirekt wirken die steigenden Temperaturen jedoch auch noch auf weitere Stressoren der Meere: den Salzgehalt, Sauerstoffgehalt und die Alkalinität (also wie säurehaltig das Wasser ist).
Der OSR10 zeigt auf, dass aktuell 25 % der obersten Meeresschicht (1000m) von mindestens zwei dieser Stressoren gleichzeitig beeinflusst wird. Der Ozean steht also unter massiver "Belastung" bzw. sich verändernden äußeren Einflüssen
Arktiseis: Alle 10 Jahre schmilzt einmal Spanien
Den unmittelbaren Einfluss steigender Temperaturen und einer Erhöhung des Salzgehalts kann man in der Arktis besonders stark sehen. Zwischen 1979-2025 ist das Arktiseis pro Jahrzehnt in einer Größenordnung geschmolzen, die mit der Landmasse von Spanien (ca. 500.000 km²) vergleichbar ist. Dieses rapide Schmelzen wird auch "Atlantifizierung" genannt.
Der Rückgang des Arktiseis' beeinflusst die Infrastruktur an den Küstenlinien, die immer stärker von Erosionen und einem steigenden Meeresspiegel beeinflusst werden. Auch Ökosysteme müssen sich neu orientieren, teilweise mit dramatischen Folgen: Kaiserpinguine hatten keine Möglichkeit sich fortzupflanzen, als im Jahr 2022 das Arktiseis ein Rekordtief erreichte.
Zwar hat sich der wachsende Trend der Arktiseisschmelze zwischen 2016-2022 durch Frischwassereintrag aus dem Atlantik abgeschwächt, mit einem kompletten Rückgang der Schmelze ist jedoch nicht zu rechnen. Allein der Effekt der "Arctic Amplification" spricht dagegen. Die Arktis erwärmt sich im Vergleich zum globalen Mittel nämlich 2-4 mal so schnell.
Sterbende Korallenriffe, sinkende Wirtschaftsleistung, energiereichere Stürme: Küstenregionen und Inseln sind besonders betroffen
Durch den anhaltenden Hitzestress der Meere und zunehmender Versauerung der Ozeane bleichen Korallenriffe aus und verlieren ihre Produktivität. In der Konsequenz reduziert sich nicht nur die Biodiversität, sondern ganze Gesellschaften hängen von diesen Riffen als Nahrungsquelle und Wirtschaftstreiber ab. So beziehen einige Inseln laut OSR10 bis zu 20 % ihrer Wirtschaftsleistung aus den Korallenriffen. Und die Korallenriffe sterben.Gleichzeitig ist ein sich erwärmender Ozean natürlich eine hervorragende Energiequelle für tropische Stürme. Auch hier sind insbesondere Küstenregionen und Inseln zunehmend von einer stärkeren Intensität der Stürme betroffen und müssen entsprechend Schutzmaßnahmen treffen. Dazu zählt zum Beispiel das Pflanzen von Mangrovenwäldern.
Diese Informationen sind an sich nicht neu. Dennoch ist es wichtig, dass wir Sie stets wieder in Erinnerung rufen. Der Ozean erwärmt sich und das hat Konsequenzen für uns alle: Menschen, Tiere, Ökosysteme. Klar ist, dass der Ozean uns bisher schon einen großen Gefallen damit getan hat, die von uns ausgestoßene Energie aufzunehmen. Ohne diesen ozeanischen Wärmepuffer wäre unsere Atmosphäre schon längst viel zu heiß für uns Menschen. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Kapazität ausreicht.
Ich wünsche Ihnen eine Woche in der Ihre Geduld der Wärmekapazität des Ozeans entspricht.