Copernicus Sommerbilanz: Drittwärmster Sommer seit Aufzeichnung und halb Europa unter Dürre
Der Herbst tritt ein in Deutschland und ganz Europa. Die Hitze des Sommers vergeht, kühlere Temperaturen und Regen kommen. Zeit für eine Bilanz des letzten Sommers.

Copernicus, das europäische Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union, hat am 02.10.2026 eine ernüchternde Sommerbilanz (englisch) veröffentlicht. Kurzum: dieser Sommer war außergewöhnlich heiß und geprägt durch Rekorde. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Bemerkbar machte sich das nicht nur am eigenen Körper durch die schlaflosen Tropennächte, in denen wir nach Abkühlung lechzten. Auch die Umwelt veränderte sich.
Der Rhein stand so tief wie selten und zeigte sein Flussbett, Agrarland trocknete aus, die Straßen und Eisenbahnschienen schmolzen dahin und sogar Waldbrände erreichten Deutschland. Doch auch über die deutschen Grenzen hinaus führte die anhaltende Hitze zu teilweise in dramatischen Konsequenzen so wie bei den Waldbränden in Frankreich und Spanien. Was aus den direkten Nachrichten im Sommer schon intuitiv in unser Bewusstsein gekommen ist, ordnet Copernicus in der Sommerbilanz nun datenfundiert ein.
Rekord-Temperaturen, Hitzewellen und Dürre: 2026 war ein Sommer der Extreme
Im Vergleich zu den mittleren Temperaturen in Europa zwischen Juni und August von 1991-2020 war der diesjährige Sommer +1.17 °C wärmer. Damit reiht er sich als drittheißester Sommer seit Aufzeichnungen in das Ranking ein. Heißer waren bisher nur die Sommer 2022 und 2024. Schauen wir auf einzelne Länder, so ergeben sich sogar "all-time highs" in den Oberflächentemperaturen.
Hauptsächlich sind davon Länder betroffen, die am Mittelmeer liegen (Frankreich, Spanien, Italien) aber auch England und Irland. Es zeigt sich also, die zeitliche Dichte der Hitze-Extreme nimmt zu.
Außergewöhnlich langanhaltende Hitze und Hitzewellen begünstigen Rekordtemperaturen
Die Spitzentemperaturen spiegeln sich in dem europaweiten Hitzestress des Sommers wieder. Der Report zeigt: 80% der europäischen Landmasse war von starkem Hitzestress (Temperaturen zwischen 32-38°C) geplagt und sogar mehr als die Hälfte von Temperaturen zwischen 38-46°C (sehr starker Hitzestress). Damit war 2026 der Sommer mit den meisten Tagen unter sehr starkem Hitzestress: wieder ein neuer Rekord in der Bilanz. Die räumliche Verteilung des Hitzestress' zeigt einen klaren Nord-Süd Kontrast mit höheren Hitzestress im Süden als im Norden Europas. Dennoch lässt diese Entwicklung zumindest vermuten, dass sich diese Hitzestressgrenze unter dem Klimawandel weiter Richtung Norden ausdehnt.
Waldbrände, ausgefallene Ernten, trockene Flüsse: Fast die Hälfte der europäischen Landmassen war Dürren ausgesetzt
Der Dürreindex SPEI-3 (Standardized Precipitation Evapotranspiration Index) ist ein Maß für den Wasserhaushalt basierend auf der Differenz zwischen Niederschlag und Verdunstung durch Temperatur und Wind. In der Copernicus Analyse des Index' zeigt sich deutlich: in 2026 ist fast halb (46%) Europa von Dürren betroffen.
Die Folge konnten wir direkt in den Nachrichten oder vor der eigenen Haustür erleben: außergewöhnliche starke Waldbrandaktivität, reduzierte Wasserstände und -flüsse im gesamten europäischen Flussnetzwerke (nicht nur im Rhein). Die Konsequenzen dieser Niedrigwasserstände sind ein weitreichendes Kapitel für sich und beeinflussen nicht nur den Gütertransport, sondern auch die Energieproduktion sowie Wassergewinnung für die Agrarwirtschaft.
Großwetterlage sorgt für außergewöhnlichen Sommer
Natürlich ist die Frage, wie es zu so einem extremen Sommer kommen konnte. Eine genaue Analyse der atmosphärischen Dynamiken bleibt noch offen, einen ersten Einblick gibt es vom Copernicus aber schon. Ein Blick auf die atmosphärische Struktur an ausgewählt heißen Tagen zwischen Mai bis Anfang September zeigt ein ausgeprägtes Blocking-Muster: ein stabiles Hochdruckgebiet über Europa, was sich nicht wirklich vom Fleck bewegt.
Dieses Hochdruckgebiet blockiert den Jet-Stream und reduziert den Transport kalter Luft nach Europa. In einigen Phasen hat sich sogar der Transport warmer Luft aus Südwesten erhöht, genau dann, wenn ein Tiefdruckgebiet westlich von Iberia saß und zusammen mit dem persistenten Hochdruckgebiet für eine Südwestlage des Jets gesorgt hat.
Angesichts dieser extremen Bilanz bleibt mir nur der Ausruf des Deutschen Wetterdienstes auf dem letzten Extremwetterkongress in Hamburg im Kopf: Runter mit den Emissionen! Nichts Neues eigentlich, trotzdem noch relevant. Vor allem dann, wenn wir nicht eine Sammlung neuer Extreme in den nächsten Dekaden haben möchten.
Ich wünsche Ihnen nur die Extreme, die Sie sich aussuchen.